Im Paradies

~Tomas Klassnik

Die laute Farbigkeit und die Umtriebigkeit des letzten Serpentine Pavilion von Jean Nouvel ist in der diesjährigen Ausführung von Peter Zumthor verschwunden. Eine rätselhafte schwarze Box ist ähnlich wie der Monolith im Film »2001« im Grün des Hyde Park erschienen.
Geschwungene Wege ziehen den Besucher in die schwarze Leere des schmalen umlaufenden Korridors, der den Farbsinn reinigt, bevor man in den rechteckigen inneren Garten kommt. Weit vorstehende Pultdächer rahmen ein winziges Stück des Londoner Himmels über einem Geviert mit Pflanzen, das dem Bau ein farbenfrohes Rückgrat verleiht.
Das zugrunde liegende Konzept ist der »hortus conclusus«. Diese explizit religiöse Referenz und der geometrische Grundriss erinnern an Kreuzgänge von Klöstern. Der Gartenplaner, Piet Oudolf, hat diesen Verweis aufgenommen und u. a. Engelwurz gepflanzt. In der Wahl der Baustoffe hat sich Zumthor charakteristischerweise sehr beschränkt. Doch während er im Thermalbad in Vals u. a. polierten Stein, Chrom und Samt verwendete, um eine spirituelle, sinnliche Erfahrung zu ermöglichen, ist dieser temporäre Bau geprägt von zwar ebenso haptischen, aber weniger verführerischen Materialien. Eine schwarze Polymeremulsion auf Rupfen, die auf die Entfernung massiv wirkt, vereinheitlicht die Konstruktion. Von Nahem offenbart sich dann die raue, unregelmäßige Oberfläche, widergespiegelt im ruppigen Beton der unebenen Zugangswege.
Das stimmigste Element des Pavillons, der noch bis zum 16. Oktober steht, ist wohl der Gang, ein Ort der Kontemplation zwischen innerem Garten und Park. Streifen mit natürlichem und künstlichem Licht erhellen diesen Übergangsort stellenweise, seine Leere regt die Gedanken zum Schweifen an. Dem Garten selbst jedoch fehlt die Intensität seiner archetypischen Vorbilder. Statt einer Zuflucht vor der Welt entsteht hier zwangsläufig mehr Wirbel als in der relativ ruhigen Parklandschaft.