Technik

Der Energiepass

Die ab 2006 einzuführenden Ausweise mit Kenndaten über das energetische Verhalten eines Gebäudes werden die Nachfrage von Hauseigentümern nach energetischer Beratung weiter verstärken – ein Aufgabengebiet auch für Architekten und Bauingenieure, vorausgesetzt, sie haben eine entsprechende Ausbildung zum Energieberater. From 2006 the newly introduced certificates with code data on the energetical characteristics of a building will further strengthen demand from house owners for advice on the use of energy – a field of competence also for architects and engineers, provided they have had appropriate training as energy consultant.

Energieberatung entwickelt sich zu einer Schlüsselqualifikation der Architekten und Ingenieure. Sie eröffnet neue Wege zu potenziellen Bauherren und damit zum wachsenden Markt der Gebäudesanierung. Dort ist der Architekt als Generalist und Treuhänder des Bauherrn bei der Entwicklung ganzheitlicher Sanierungskonzepte gefragt. Da die Energiekosten eines Gebäudes eine zunehmende Rolle spielen, sind vor allem Kompetenzen in der Energieplanung notwendig. Auch durch die geplante Einführung von Energieausweisen (siehe Teil 1 zum Energiepass, db 08/2005) wird das Interesse an Möglichkeiten zur Energieeinsparung und -beratung weiter zunehmen – mit ein Grund zur Ausbildung als Energieberater.

Energieberatung ist mehr »Energieberater« ist kein geschützter Begriff, daher kann sich im Prinzip jeder so nennen. Bei Handwerkern wird Energieberatung wesentlich stärker propagiert als bei Architekten und Ingenieuren. Diese müssen sich durch Qualitäten behaupten, die weit über das Bedienen einer Software und der Analyse des Ist-Zustands hinausgehen. Zwar fehlen ohne Software und quantifizierte Ergebnisse anhand konkreter Berechnungen wesentliche Aussagen für eine gute Sanierungsstrategie, doch erfordern energie- und kostenoptimierte Sanierungen eine umfassende Fachkunde und Unabhängigkeit bei der Beratung.
Energieberater und der Einfluss staatlicher Fördermittel Für Vermieter und Bauherren ist es auch deswegen sinnvoll, geschulte, unabhängige und akkreditierte Energieberater hinzuzuziehen, um Fördermittel beantragen zu können. Denn finanzielle Unterstützung gibt es sowohl für Energieberatungen als auch für Sanierungsmaßnahmen.
Eine »Energieberatung-vor-Ort« bezuschusst das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit mindestens 300 Euro (sofern das Honorar für den Energieberater mindestens 522 Euro inklusive Mehrwertsteuer beträgt). Das Förderprogramm wurde kürzlich bis 31.12.2006 verlängert. Voraussetzung für diese Förderung durch den Bund ist die Akkreditierung des Beraters beim BAFA. Waren dort in den neunziger Jahren Architekten nur vereinzelt gelistet, stellen sie heute einen beträchtlichen Anteil. Eine Übersicht der akkreditierten Energieberater inklusive erforderlicher Qualifzierungsmaßnahmen veröffentlicht das BAFA auf seiner Internetseite [1]. Zugelassen sind Ingenieure und Architekten, die durch ihre beruf- liche Tätigkeit oder Aus- beziehungsweise Fortbildung die für eine Energieberatung notwendigen Fachkenntnisse erworben haben, sowie Absolventen der Lehrgänge der Handwerkskammern zum geprüften »Gebäudeenergieberater/in (HWK)« oder vom BAFA anerkannter Ausbildungskurse mit vergleichbaren Lerninhalten. Nicht antragsberechtigt sind Berater, die mit der Energieberatung ein wirtschaftliches Eigeninteresse an Investitionsentscheidungen ihrer Kunden haben.
Um bei Sanierungsmaßnahmen finanziell unterstützt zu werden und diese nachweisen zu können, ist ebenfalls ein Sachverständiger erforderlich. Das sind wiederum die im Bundesprogramm »Energieberatung-vor-Ort« zugelassenen Energieberater, von der Verbraucherzentrale Bundesverband zugelassene Energieberater oder nach Landesrecht berechtigte Personen für die Aufstellung/Prüfung der Nachweise nach der EnEV. Im CO2-Gebäudesanierungsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau [2] sind fünf Maßnahmenpakete definiert, bei deren Einhaltung verbilligte Darlehen in Anspruch genommen werden können. Bescheinigt ein Sachverständiger nach der Sanierung, dass das sanierte Gebäude nach EnEV energetisch einem Neubau entspricht, kann zusätzlich ein »Teilschulderlass« von 15 % gewährt werden. Wird nach der Neuwahl im September eine Haushaltssperre verhängt, wovon zumindest bei einem Regierungswechsel ausgegangen wird, käme es zu einem Haushaltsstopp sowohl für den Teilschulderlass als auch für das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien des BAFA.
Ablauf der Energieberatung Erster Schritt der Energieberatung nach BAFA ist die Ist-Analyse des Gebäudes. Anhand der Pläne und einer Vor-Ort-Begehung werden die Daten erfasst und mögliche Sanierungsmaßnahmen mit dem Hausbesitzer besprochen. Im zweiten Schritt wird der momentane Energiebedarf mittels Software [3] ermittelt und eine Schwachstellenanalyse durchgeführt. Durch die geeignete Kombination von Verbesserungen in der Gebäudehülle (z. B. Wärmedämmung, neue Fenster) und der Anlagentechnik (z. B. Austausch der alten Heizung, Dämmung der Rohrleitungen) sind mindestens zwei Varianten zu entwickeln: Zum einen, welche Maßnahmen das Gebäude so verbessern, dass es den energetischen Anforderung nach EnEV an einen Neubau entspricht, zum anderen, – mit 40 % ungünstigeren Werten – an einen sanierten Altbau. In einem dritten Schritt erhält der Hausbesitzer den Energieberatungsbericht, dessen Ergebnisse im persönlichen Gespräch erläutert werden. Dabei kann man auch den weiteren Ablauf zur Umsetzung der Sanierung ansprechen und somit auch die Vorteile für den Hausbesitzer darstellen, wenn er den Energieberater mit der Planung und Bauüberwachung für das Sanierungsvorhaben beauftragt [4].
Honorar und Chancen Da das BAFA die Energieberatung-vor-Ort erst bei einer Rechnung von mindestens 522 Euro inklusive Mehrwertsteuer bezuschusst, ist ein entsprechendes Grundhonorar vorgegeben. Der zeitliche Aufwand für die Energieberatung beträgt bei einem erfahrenen Berater rund zwei Tage; das Ausstellen eines Energiepasses dann nur noch wenige Stunden, da die erforderlichen Daten hierfür bereits bei der Energieberatung ermittelt wurden. Natürlich steht es jedem frei, höhere Honorare zu fordern. Allerdings konkurriert man oft mit Energieberatern des Handwerks, die die Beratung meist zum Festpreis anbieten – in Baden-Württemberg wird zum Beispiel ein »Energiespar-Check« für 75 Euro angeboten, wobei das Land dem Handwerker dann nochmal 100 Euro zukommen lässt. Dass der Hausbesitzer bei einem Architekten oder Ingenieur eine wesentlich bessere Leistung erwarten kann, versteht nicht automatisch. Im letzten Jahr wurden allein in Baden-Württemberg rund 5000 Energieberatungen von Handwerkern durchgeführt – fast genau so viele wie in ganz Deutschland von Architekten und Ingenieuren. Bei der Gebäudesanierung ist fast immer der Handwerker der erste Ansprechpartner des Hausbesitzers. Dass eine gewerksspezifische Betrachtung aber meist zu weniger optimalen Lösungen führt, liegt auf der Hand. Somit ist die Energieberatung ein ganz wesentliches Mittel für Architekten und Ingenieure, sich mit ihren Leistungen einen neuen Markt im Gebäudebestand zu erschließen. Nicht zuletzt kann eine erfolgreiche Beratung einen Planungsauftrag nach sich ziehen. Eine Vorgabe nur für das Ausstellen eines Energiepasses oder des bisherigen Energiebedarfsausweises ist im Übrigen in der HOAI nicht enthalten.
Veranstalter, Dauer und Kosten eines Lehrgangs Inzwischen bieten die meisten Architektenkammern über ihre Bildungsstätten Qualifizierungsmaßnahmen an, die beim BAFA zugelassen sind. Die Lehrgänge haben einen Umfang von rund 130 Unterrichtseinheiten (von jeweils 45 Minuten) und kosten zwischen rund 1500 und 2400 Euro (teilweise mehrwertsteuerbefreit). Meist werden die Lehrgänge berufsbegleitend angeboten: In 8 bis 10 Modulen finden alle 3 Wochen 2 Seminartage statt, der Lehrgang dauert so ein halbes Jahr. Im Rahmen von» Sommerakademien« [5] ist es auch möglich, den gesamten Kurs Vollzeit in 3 Wochen zu absolvieren. Viele Kurse sind bereits Monate im Voraus ausgebucht, der Zulauf ist in den letzten 5 Jahren kontinuierlich angestiegen. Auch freie Bildungsträger und Handwerkskammern bieten Kurse zur Energieberatung an. Letztere sind zeitlich meist wesentlich umfangreicher (240 Stunden und mehr), da diese Lehrgänge auf bauverwandte Ingenieurdisziplinen (z. B. Elektroingenieure) und Handwerker abzielen und daher mehr Grundlagen vermitteln müssen. Als erfolgreich haben sich Kurse erwiesen, die zusammen von Architekten und Ingenieuren absolviert wurden. Die fachliche Diskussion ist bei Lehrgängen mit diesen Berufsgruppen besonders intensiv. Ein wesentliches Qualitätsmerkmal stellt die Kursgröße dar, die meist zwischen 20 bis 45 Teilnehmern liegt – wobei eine Kursgröße bis 30 Teilnehmer optimal ist, denn sonst wird die Distanz zum Referenten größer und die Intensität der Betreuung geringer. Lehrgänge sollten Übungen und Workshops beinhalten, in denen die Teilnehmer selbst ihr Wissen anwenden und prüfen können. Die Themen sollten praxisgerecht aufbereitet sein, die Anwendung insbesondere in einem abschließenden Workshop am konkreten Beispiel eingeübt werden.
Zielstellung der Qualifizierung Ziel der Lehrgänge ist es, Architekten und Ingenieuren Sicherheit bei der energiegerechten Gebäudesanierung zu vermitteln. Insbesondere sollen sie dazu motiviert und befähigt werden, auch die der Sanierung – schon aus Gründen der Förderrichtlinien – in der Regel zwingend voranzustellende und im Sinne der Akquisition wichtige Dienstleistung der Energieberatung anzubieten. K. L.
[1] Die Liste der akkreditierten Energieberater veröffentlicht das BAFA, Tel. 06196/908400, auf dessen Internetseite: www.bafa.de unter der Rubrik »Energie – Energiesparberatung«. Dort sind auch die zugelassenen Qualifzierungsmaßnahmen aufgelistet. Kursangebote unter anderem unter: www.bafa.de, www.bafa.de, www.akrp und www.bafa.de. [2] www.bafa.de [3] Marktübersicht unter www.bafa.de [4] Einen beispielhaften Ablauf einer Energieberatung und Informationen zur Verbesserung sind im Video »Energiesparende Altbaumodernisierung« vom Impulsprogramm Baden-Württemberg dargestellt: www.bafa.de, Tel. 08000/123333 [5] z. B.: Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen www.bafa.de Weitere Infos: – »Energetische Gebäudesanierung mit Faktor 10«, kostenlose Broschüre unter www.bafa.de (unter Suche »Faktor 10« eingeben) oder kostenlose CD unter Tel. 0911/35018819 – Projektergebnisse »Energetische Verbesserung der Bausubstanz« unter www.bafa.de – Deutsche Energieagentur: www.bafa.de und www.bafa.de – Innovative Energieprojekte: www.bafa.dewww.bafa.de