Foto: Morpho-Logic

Ein Dorf erfindet sich neu

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Inklusion mal anders herum: Das Dorf Schönbrunn im Landkreis Dachau, gegenwärtig bewohnt von rund 687 behinderten Menschen, 69 Franziskanerinnen und 43 Privatpersonen, öffnet sich den »Normalos«. Seit der Gründung vor 150 Jahren durch Gräfin Viktoria von Butler hat es sich als Zentrum der Behindertenhilfe etabliert – mit zahlreichen Großbauten wie Wohnheime, Zentralwäscherei, Werkstätten und Gärtnerei, die die Struktur des Dorfs prägen. Aufgrund der Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention und neuer gesetzlicher Vorgaben an den Wohnraum von Behinderten ist nun eine grundlegende Umgestaltung notwendig, außerdem rechnet man damit, dass die Zahl der Betreuten auf lange Sicht sinkt – eine große Chance also, rund 80 % der 45 ha großen Fläche neu zu ordnen: freiwerdende Gebäude mit Neubauten zu kombinieren, eine attraktive Infrastruktur zu schaffen und ein inklusives Dorf entstehen zu lassen, in dem Behinderung »als Zufälligkeit und nicht als prägende Besonderheit wahrgenommen« wird. Von 1 050 Neubürgern bis 2050 geht man aus – immerhin lässt sich München mit öffentlichen Verkehrsmitteln in rund 45 Minuten erreichen.
Den eingeladenen Wettbewerb der Viktoria-von-Butler-Stiftung gewann im April der Entwurf des Münchner Büros Morpho-Logic, der nun auch realisiert wird. Er enthält u. a. einen langen, verkehrsberuhigten Dorfanger als Zentrum, kombiniert mit verbindenden Wegen entlang offener Höfe. Die Gebäude sind für eine vielfältige Wohn- und Geschäftsnutzung vorgesehen, auch die Struktur selbst ist flexibel genug für künftige Entwicklungen. ~dr