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Foto: Thomas Ott, Mühltal
RheinMain CongressCenter RMCC (ehem. Rhein-Main-Halle)

… Wiesbaden

~Franziska Puhan-Schulz

2012 gab es einen nichtoffenen Wettbewerb mit 24 internationalen Beteiligungen für die neuen Rhein-Main-Hallen. Der Vorgängerbau aus den 50er Jahren galt als zu klein für Großveranstaltungen mit 10-12 000 Besuchern; die Anlieferung war »nicht optimal gelöst« und eine Parkgarage sollte ergänzt werden. Ferdinand Heide erhielt damals den 4. Preis. Weshalb sich sein Entwurf dennoch durchsetzte, liegt auf der Hand:

Er hält wie sein Vorgänger und im Gegensatz zu den besser platzierten Arbeiten Abstand zum gegenüberliegenden Kunstmuseum und punktet mit Durchlässigkeit. Der 3-geschossige, 248 m lange Baukörper ist in zwei Hauptvolumen aufgeteilt, bietet auf erhöhter Ebene eine Querverbindung zum angrenzenden Quartier und ist durch Kolonnaden und großflächig verglaste Fassaden aufgelockert. Die geschichtete Fassade aus Sichtbeton und Travertin spannt unterschiedliche halböffentliche Räume auf, sorgt für die nötige Verschattung und ein angenehmes Lichtspiel.

Im Innern entwickelte Heide ein flexibles Raumkonzept: Es gibt zwei funktionale, teilbare Hallen mit angegliederten Foyers im EG, die durch die Treppenkonstruktion am Haupteingang gegliedert sind, und insgesamt 40 Seminarräume von 60 bis 400 m². Die neue Tageslicht-Halle Nord ist fast doppelt so groß wie ihre Vorgängerin. Der Boden aus grauem Terrazzo harmoniert mit der Wandbekleidung aus mikroperforierter heller Eiche. Zum Saal hin verglaste Logen erregen VIP-Gefühle. Technischer im Erscheinungsbild fällt die 6 m hohe und mit 2 500 m² kleinere Messehalle (Halle Süd) aus, die innen metallisch verblendet und außen in Eiche schwarz angelegt ist.

Heide präsentiert auch im Detail immer wieder überzeugende Lösungen: viel Tageslicht und Öffnung zur Umgebung; die Tribüne der großen Halle mit 3 000 Sitzplätzen lässt sich in vergleichbar kurzer Zeit flexibel hinter Trennwänden verbergen. Die Gastronomie-Terrassen auf der obersten Ebene sind in das Fluchtwegesystem mit zahlreichen Außentreppen eingebunden.

Zu hoffen bleibt, dass die Qualität der Konzerte und Veranstaltungen mit der der Architektur Schritt hält.

Standort: Friedrich-Ebert-Allee 1
Architekten:
Ferdinand Heide Architekt, Frankfurt a. M.
Inbetriebnahme:
April 2018