Eskişehir (TR)

Odunpazarı Modern Müze

~Hubertus Adam

Das anatolische Eskişehir liegt etwa 300 km südöstlich von Istanbul, auf halbem Weg der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Ankara.

Bekannt ist die Stadt mit ihren knapp 700 000 Einwohnern durch die farbig verputzten Fachwerkbauten im Stadtteil Odunpazarı, die seit 2012 auf der nationalen Tentativliste für das Unesco-Welterbe stehen. Pfleglich wurde und wird mit der aus osmanischer Zeit stammenden Bausubstanz gleichwohl nicht umgegangen, wie Flächenabrisse, überrestaurierte Häuser und pseudohistorische Neubauten zeigen.

Am Rande des alten Stadtkerns, der sich sanft einen Hang emporzieht, ist nach Plänen von Kengo Kuma das Odunpazarı Modern Müze – kurz OMM – entstanden. Museen und Galerien für moderne Kunst, in Erdoğans Türkei fast ausschließlich privat finanziert, konzentrieren sich gemeinhin auf Istanbul. Hinter dem OMM und seiner Sammlung steht der Bauunternehmer Erol Tabanca, der durch Investmentprojekte in Turkmenistan, Moskau und Kasan bekannt geworden ist. Tabancas Firma Polimeks ist in Istanbul ansässig, doch hat er das Haus für seine Kunstsammlung in seiner Heimatstadt Eskişehir errichtet. Eine zweifelsohne richtige Entscheidung, wenn man beim Rundgang durch das OMM sieht, auf welches Interesse Sammlung und Haus vor Ort stoßen.

Eine opulente Freitreppe führt von der Hauptstraße hinauf zum Museumseingang, der sich auf dem Niveau des ersten OGs befindet. Das OMM besteht aus einem Arrangement von quaderförmigen Volumina, die mit geschichteten Holzbalken bekleidet sind. Diese kehren auch im Innern im zentrale Atrium wieder, das durch alle vier Ebenen hindurchgestanzt ist. Im räumlich begrenzten obersten Ausstellungsgeschoss ist das Gegenüber von Holzbalken und weißen Wänden etwas gewöhnungsbedürftig; doch auf den anderen Ebenen ergeben sich spannungsvolle Räume, die kuratorisches Potenzial besitzen. Urbanistisch ist es Kuma gelungen, durch die Gliederung des Baukörpers und die Materialität auf die Maßstäblichkeit und Gestalt der Holzhäuser ringsum zu reagieren. Neben dem Eingang befindet sich ein kleiner Vorplatz, von dem aus man auch das OMM INN erreicht – das in die bestehende Bebauung eingefügte Museumsrestaurant mit kleinem Hotel, in dem das Thema der geschichteten Holzbalken gewissermaßen abebbt.

Standort: Şarkiye, Atatürk Blv. No: 37, TR-26020 Odunpazarı/Eskişehir
Architekten:
Kengo Kuma & Associates, Tokio/Paris
Eröffnung:
September 2019

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