feuerwache in dresden, schulz & schulz architekten
Feuer- und Rettungswache Altstadt

Neu in Dresden

~Falk Jaeger

Jeder Dreikäsehoch wird das Gebäude sogleich als Feuerwehrhaus erkennen. Es hat einen Turm mit mächtiger Antenne, es hat die Hallen mit den großen gläsernen Toren, hinter denen die blitzblanken roten Fahrzeuge zu sehen sind, und es ist feuerrot angestrichen. Sehr plakativ, mag manch einer denken, aber warum eigentlich nicht, in einer Zeit der charakterlosen Neubauten, denen man eine spezifische Nutzung nicht mehr ansieht. Das Gebäude spart nicht an Länge, um den Zügen auf dem benachbarten Bahndamm und dem 110 m langen, achtgeschossigen Plattenbau gegenüber etwas entgegenzusetzen. Ein Turm zum Schläuche trocknen wird heute zwar nicht mehr gebraucht, aber nach wie vor einer zum Üben des Anleiterns und Abseilens. Für die Architekten ist er ein willkommener vertikaler Akzent zur Pointierung des Baukörpers; hinzu kommt die zeichenhafte Signifikanz der Turmuhr (leider nur auf der Ostseite) und des 40 m hohen Sendemasts für das als Ausweichreserve vorgehaltene Katastrophenschutzzentrum im OG. Das andere Ende des Baukörpers wird von der Turnhalle eingenommen. Die im Haus räumlich getrennt untergebrachte Rettungswache kann bei organisatorischen Änderungen problemlos der Feuerwache zugeschlagen werden.
Noch immer ist es üblich, dass die Feuerwehrleute von den Unterkünften oberhalb der Garagen mittels Rutschstangen zu den Fahrzeugen gelangen – nicht jedermanns Sache bei 6 m Stockwerkshöhe. Die Aufenthaltsräume, Ruheräume, Küche und Kantine (mit großer Dachterrasse) sind an einem langen Mittelgang aufgereiht, der mit seinen perfekten, seidenglatten Betonwänden und dem Oberlicht eine fast suggestive Wirkung erzielt.
Die umlaufenden Vordächer mit dem »Schirmmützeneffekt« scheinen Ausschau und Wachsamkeit zu symbolisieren. Sie sind aber auch Teil des stilistischen Vokabulars in der Tradition der Baukunst der 20er Jahre. Voraussetzung für die Wirkung dieses Formrepertoires ist freilich Perfektion im Detail und in der Ausführung. Kein leichtes Unterfangen angesichts des knappen Budgets von 11 Mio. Euro, doch durch präzise Durcharbeitung und Systematisierung des Entwurfs konnte es gelingen.
Standort: Strehlener Straße 23, 01069 Dresden Architekten: Schulz & Schulz Architekten, Leipzig Einweihung: Oktober 2012