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Kleine Olympiahalle

… München – Kleine Olympiahalle

~Roland Pawlitschko

Üblicherweise ist es kein Qualitätsmerkmal, wenn Gebäude schwer auffindbar sind. In diesem Fall ist das anders. Zwar versinkt die neue Kleine Olympiahalle fast unsichtbar in der Grashügellandschaft des Olympiaparks. Allerdings war genau das die Grundvoraussetzung dafür, dass der multifunktionale Veranstaltungsort für bis zu 3 600 Personen in der unter Ensembleschutz stehenden Grünanlage überhaupt gebaut werden durfte.
Die unabhängig von, aber auch als Erweiterung der großen Olympiahalle nutzbare Halle wird v. a. von zwei Faktoren geprägt: von der fast gänzlich unterirdischen Lage unter einem Grashügel und von einem unregelmäßigen Grundstück, das von bestehenden Wegen und Olympiabauten begrenzt wird. Zu integrieren waren überdies der dort bislang nur provisorisch untergebrachte Sauna-Freibereich der Olympiaschwimmhalle, etliche unterirdische Zufahrten und Tunnelverbindungen zu Nachbargebäuden sowie einige Fundamente von Olympiadach-Abspannseilen.
Angesichts derart komplexer Rahmenbedingungen wirkt das Projekt bemerkenswert selbstverständlich und klar strukturiert. Dieser Eindruck entsteht bereits am Hauptzugang: Er befindet sich am tiefsten Punkt einer Schneise, die so wirkt, als sei sie mitten durch die gewölbte Stahlbeton-Dachkonstruktion geschlagen. Großflächige seitliche Verglasungen gewähren auf der einen Seite einen Einblick hinunter in die rechteckige, zurückhaltend anthrazitfarbene Halle, während auf der anderen Seite der separat nutzbare und von Sichtbetonoberflächen geprägte Raum des mehrgeschossigen Foyers zu sehen ist. Zusammen mit der Glasfassade des östlichen Anlieferungshofs (nur hier zeichnet sich das Gebäude in seiner ganzen Höhe nach außen ab) versorgen sie Halle und Foyer mit Tageslicht. So gerät fast in Vergessenheit, dass der Hallenboden einige Meter unter Geländeniveau liegt.
Die Kleine Olympiahalle bietet unterschiedlichen Events, Messen oder Sportveranstaltungen einen neutralen Rahmen und zeigt nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer unspektakulären Architektur, dass es möglich ist, den Olympiapark baulich nachzuverdichten ohne seinen einzigartigen Geist zu kompromittieren.
Standort: Spiridon-Louis-Ring 21, 80809 München Architekten: Auer+Weber+Assoziierte, München Eröffnung: Oktober 2011