Cinema Sauveniere

… Lüttich (B)

~Hubertus Adam

Das einstige Zentrum der wallonischen Schwerindustrie, versucht seit einiger Zeit, sein Image aufzupolieren. Noch vor der Fertigstellung des von Santiago Calatrava entworfenen Bahnhofs Liège-Guillemins konnte im Mai das Cinéma Sauvenière eröffnet werden. Initiator ist die gemeinnützige Kulturinitiative Les Grignoux, die schon zuvor zwei kleine Programmkinos in der Altstadt betrieb. Die vier neuen Kinosäle mit 100 bis 300 Plätzen sind nicht zuletzt ein Statement gegen die Ausblutung des städtischen Kulturlebens durch Multiplexkinos am Stadtrand.
Das junge ortsansässige Architekturbüro V+ reagierte mit einem bewusst urbanen Konzept auf die Lage mitten im Zentrum, zwischen der Königlichen Oper und der Eglise Saint-Jean. Die Bebauung ringsum zeigt sich heterogen, stammt aus verschiedenen Jahrhunderten, überwiegend jedoch aus den letzten Dekaden. Mit polygonalen Formen und weißer Fassade reagiert das neue Kino auf ein benachbartes Bürohaus aus den sechziger Jahren. Wichtig waren den Entwerfern vor allem Durchlässigkeit und Offenheit, um auch außerhalb der Kinozeiten Publikum anlocken zu können. Das Erdgeschoss mit Kasse und Brasserie ist weitgehend verglast; eine breite Treppe führt entlang der Fassade nach oben und eröffnet Ausblicke auf den städtischen Raum. Das Gebäude selbst ist – worauf schon der Knick in der Straßenfront hindeutet – winkelförmig organisiert, die Kinosäle, je zwei übereinander, liegen quer und längs zur Straße und sind von großzügigen Foyers umgeben, die auch Raum für Ausstellungen bieten. Die Architekten akzentuierten die skulpturale Ausbildung in Großform und Detail: Dies zeigt sich beim Kassenbereich, dessen pastellfarbener Tresen vor eine Nische im dunklen Treppensockel steht, ebenso wie bei der organisch geschwungenen Bar oder der schneckenförmigen Gestalt der Treppe zu einem der oberen Kinosäle. Die Säle sind mehr oder minder als »black boxes« gestaltet und werden durch farbige Stühle (beispielsweise in der Farbkombination Rot-Pink) belebt. Wieder nach unten gelangen die Besucher auf der Rückseite. Schnorchelartig ausgebildete Abgänge umfassen den von der Brasserie genutzten Hof.
Standort: Place Xavier Neujean Architekten: V+ bureau vers plus de bien-être, Brüssel (B) Eröffnung: Mai 2008