Kreuzfahrtterminal

Kreuzfahrtterminal Lissabon

~Reinhart Wustlich

Das Kreuzfahrtterminal ist Teil der Erneuerung zentraler Uferzonen zwischen den beiden Bahnhöfen Cais do Sodré und Santa Apolónia. Durch die Auffüllung des alten Hafens Doca do Jardim do Tabaco wurden Bauflächen am Rand der hochgestaffelten, vielgestaltigen Altstadt Alfama geschaffen. Die langgestreckte, schmale Sektion ist sechsfach unterteilt. Die zentralen Felder, eingelassen in die alten Kaimauern, werden vom Terminalgebäude und der Wasserfläche eines tieferliegenden Flutbeckens besetzt. Eine offene Platzfläche schließt an. Eine Grünfläche folgt, begrenzt durch einen Gebäuderiegel für die Verwaltung.

Auf der entgegengesetzten Seite des Terminals wird ein gleichfalls tiefergelegter, damit optisch zurückgenommener, offener Parkplatz durch Baumreihen akzentuiert. Hinter dessen Zufahrts-Trasse liegt eine weitere Grünfläche, abgeschlossen durch einen zweiten Gebäuderiegel.

Mit dem Gesamtkonzept, die urbane Zone mit mehr Grün und Wasserflächen gegen den Klimawandel zu rüsten, gewann der Lissaboner Architekt João Luís Carrilho da Graça 2010 den internationalen Wettbewerb. Die Funktion des Terminals, Menschenmengen zu ordnen, zu kontrollieren, den Ausflugs- und den lokalen Verkehr zu verbinden, erfüllt das Terminal als Teil eines wohltuend offenen Stadtraums. Weite, selbst Distanz gegenüber der abgefertigten Menge, werden gesichert, öffentliche Räume freigehalten, in die Uferlage integriert, fußläufig mit touristischen Attraktionen der Stadt verbunden.

Zeigte der Wettbewerbsentwurf noch dekonstruktivistisches Beiwerk, so gewann das Terminalgebäude bei der Realisierung an skulpturaler Kompaktheit. Das Betonfaltwerk scheint über dem Gelände zu schweben. Geschlossene Schrägen der Längsfassaden berühren den Boden nicht. Die Dachschale lenkt durch eine flache Einkerbung Nordlicht in die Hallenebenen und bildet eine begehbare, offene Plaza – einen Miradouro vor Stadt und Fluss. Funktionen wie Check-in, Wartelounge, VIP-Lounge, Duty-free-Bereich und öffentliches Café werden verborgen. Offene Stirnseiten bilden mit Rampen- und Treppenanlagen akzentuierte, die freie Sicht auf Stadt und Fluss stimulierende, begehbare Skulpturen, die gute Orientierung bei der Annäherung an den Stadtraum bieten. In der Gestalt zurückgenommen, tritt das Terminal nicht in Konkurrenz zum lebhaft gegliederten Stadtraum. Es bildet die selbstbestimmte Basis.

Standort: P-1100–139 Lissabon, Portugal
Architekten:
Carrilho da Graça arquitectos, Lissabon
Inbetriebnahme:
Januar 2018 (Arbeiten an den Flügelbauten noch im Gange)