Neubau des Franz Marc Museums in Kochel am See. Sammlung Stiftung Etta und Otto Stangl.
Architekten: Diethelm & Spillmann, Zürich
Baujahr: 2008, 700 qm Ausstellungsfläche
Eröffnung: 22.06.2008
Franz Marc Museum

… Kochel am See

~Klaus F. Linscheid

Auf einer kleinen Anhöhe oberhalb des Franz Marc Parks und mit traumhaftem Blick über den Kochelsee liegt das Ende Juni neu eröffnete Museum. Die Schweizer Architekten Diethelm & Spillmann gewannen 2005 den Wettbewerb für die Erweiterung der »Sammlung Stiftung Etta und Otto Stangl« mit einem Konzept, das auf jegliche Anbiederung an ein alpenländisches Klischee verzichtet. Der kubische, mit Crailsheimer Muschelkalk verkleidete Bau behauptet sich selbstbewusst neben der alten Villa mit Satteldach, hellblauen Fensterläden und weißer Putzfassade. Lediglich das große Panoramafenster sticht ins Auge. Hier ziehen die Architekten einen kleinen Meditationsraum wie eine Schublade aus dem Kubus heraus. Der Blick hinaus gleitet über die Wipfel der Bäume und hinunter auf den See. Er erinnert bildhaft an das »Blaue Land«, das Franz Marc liebte. Diese Landschaft war stets Quelle seiner Inspiration. Der Dialog zwischen Kunst und Natur wird nirgends deutlicher als hier.
Auf 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden nun nicht nur die Werke Franz Marcs gezeigt, sondern auch die vieler seiner Weggefährten, zum Beispiel vom »Blauen Reiter« oder der »Brücke«. Es ist ein kleines aber feines Haus. Durchblicke erleichtern die Orientierung und machen neugierig. Dunkles Stabparkett, weiße Wände und helle, hohe Räume dominieren. Dennoch gibt es aus konservatorischen Gründen – unter den Exponaten finden sich lichtempfindliche Grafiken – auch lauschige Ecken bis hin zu kleinen, intimen Kabinetten in Aquamarin oder Rot. Sie kontrastieren wohltuend und bilden einen point de vue. Auf ein Tageslichtkonzept wurde bewusst verzichtet. Stattdessen spenden tellerförmige Rundleuchten an der Decke gleichmäßiges Licht. Vier große Fenster – in jede Himmelsrichtung eines – laden dennoch stets zu erholsamen Blicken in die alpenländische Natur ein. Auch das ist Kunst, das perfekte Domizil zu schaffen – für Kunst.
Standort: Franz Mark Park 8–10 Architekten: Diethelm & Spillmann, Zürich (CH) Eröffnung: Juni 2008