BärenWaldhaus

… Bern (CH)

~Jürgen Tietz

2009 erhielt die Schweizer Hauptstadt Bern, die dem Bären durch Namen und Wappen eng verbunden ist, als russisches Staatsgeschenk zwei Bärenwaisen. Für sie galt es, eine neue Anlage zu verwirklichen, samt Beobachtungsposten für die Besucher. Das kleine aber anspruchsvolle Bärenwaldhaus wirkt schon von außen besonders und fügt sich zugleich nahtlos in die waldige Zoolandschaft des Tierparks Dählhölzli ein. Es bietet eine bemerkenswerte Lösung, die in ihrer Qualität über die architektonische Variation des Themas »Bauen im Zoo« weit hinausweist. Auf einem Sockelgeschoss aus Holz und Stein liegt die hohe Holzdachkonstruktion als Blockbau auf. Im unbeheizten Innern werden die Besucher durch eine Reihe kleinteiliger Räume und Nischen mit unterschiedlichen Präsentationen zu den beiden großen Aussichtsräumen geführt. So entsteht beim Besucher das Gefühl, durch das Licht und Schatten modellierende Gewirr dicht stehender Bäume zu wandern, um sich unvermittelt auf einer Lichtung wiederzufinden. In den Aussichtsräumen bietet sich dann durch großformatige Scheiben ein Blick in den Bärenteich und auf das Gehege – und mit etwas Glück auf Misha und Masha. Das alles ist so sinnlich wie architektonisch durchdacht und wird durch die Materialwahl und ihre hochwertige handwerkliche Ausführung noch gesteigert. Um Schäden am umgebenden Baumbestand zu verhindern, entstand das Waldhaus mit vor Ort gesetzten Trockenmauern. Vollständige vertikale Wände waren dabei aber nur durch eine Bewehrung der geschichteten Steine mit Läufer- und Binderbalken zu erreichen. Die so erzeugte Schönheit des Dualismus aus Weißtanne und lichtem, grauem Quarzitgestein besitzt eine haptische Note, die sich durch das ganze Gebäude zieht und den gleichermaßen kunstvollen wie naturnahen Charakter desselben bestimmt. Zugleich entwickeln die funktionalen Elemente der dem Wald angemessenen Konstruktion eine dekorative Qualität, die auf den Ursprung des Ornaments aus der Konstruktion zurückführt. Das Ergebnis ist ein herausragendes handwerkliches Bauen, das eine eigenständige moderne Ausdrucksform schafft und jüngst zu recht mit dem alle drei Jahre verliehenen »Prix Lignum« der Schweizer Holzwirtschaft gewürdigt wurde.
Standort: Tierparkweg 1, CH-3005 Bern Architekten: Patrick Thurston, Bern Bauzeit: Juni 2011 bis März 2012