Foto: Marcus Ebener, Berlin
Richard-Wagner-Museum

… Bayreuth

~Enrico Santifaller

Sein Wähnen sollte Frieden finden – erhoffte sich Richard Wagner von seinem im Jahre 1874 fertiggestellten »Haus Wahnfried« in Bayreuth. Doch die von Carl Wölfel nach Vorstellungen des Komponisten sowie des Berliner Architekten Wilhelm Neumann erbaute Künstlerbehausung – mit deutlichen Anklängen an eine oberitalienische Renaissancevilla – entpuppte sich wegen Terminverzögerungen alsbald als »Ärgersheim«. Und auch danach blieb das später mit einem Gärtnerhäuschen und dem Haus für Wagners Sohn Siegfried erweiterte Ensemble Mittelpunkt im Hauen und Stechen der zerstrittenen Mitglieder des Wagner-Clans, die es bis 1966 bewohnten. 1974 erwarb die Stadt Bayreuth den Komplex und richtete darin ein altväterlich-enges, nun ja, Museum ein, das die unappetitlichen Kapitel der Wagner-Historie verschwieg. Rechtzeitig zum 200. Geburtstag Wagners (2013) lobte man 2010 einen prominent besetzten Wettbewerb aus. Der Sieger, Volker Staab, schlug eine komplette Neuordnung von Garten, Vorfahrt und Gebäuden vor sowie die Freistellung von Haus Wahnfried und auf einem später hinzugekauften Grundstück einen Neubau, der zusammen mit dem Siegfried-Haus die Gesamtanlage in eine symmetrische Ordnung bringt.
Der Entwurf überzeugte die Jury, doch eine Urenkelin des Komponisten erstritt einen Planungsstopp, und der Stadtrat zerstritt sich wegen der Finanzierung des Vorhabens. Als das neue Museum dann doch noch eröffnete, war man – bis auf einige Urenkelinnen – entzückt. Die Architekten haben ganze Arbeit geleistet. Der äußerst zurückhaltende, ganz in Glas und Stahl aufgelöste Neubau wartet im UG mit großen Räumen für Ausstellung und Depot auf und ist über einen Gang mit der Wagner-Villa verbunden. Der an Sep Rufs Kanzlerbungalow erinnernde Pavillon soll nach Volker Staabs Worten »Zuschauer« und nicht »Kommentator des Wagnerschen Raums« sein. Mit Ausstellungsgestalter HG Merz renovierte er auch Haus Wahnfried und das nun erstmals öffentlich zugängliche Siegfried-Haus, in dem Adolf Hitler regelmäßig nächtigte. Den Architekten gelang es, die Balance zwischen sachlicher Information und feierlicher Inszenierung, zwischen Rekonstruktion und ablesbarer Neuerfindung zu wahren. Die Selbststilisierung Richard Wagners in einer kultisch konnotierten Künstlervilla wird ebenso deutlich wie sein Antisemitismus und die braunen Verstrickungen späteren Datums.
Standort: Wahnfriedstraße 2, 95444 BayreuthArchitekten: Staab Architekten, BerlinBauzeit: Mai 2013 bis Mai 2015, Eröffnung Juli 2015