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Franz Brück, Berlin
Das Hochhaus »Upper West« am Berliner Breitscheidtplatz weckt Begehrlichkeiten in der Höhe

Neu in Berlin

~Jürgen Tietz

Lange dümpelte Berlins City-West nach der deutschen Wiedervereinigung vor sich hin, konzentrierten sich Um- und Aufbruch auf den Ostteil der Stadt. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt, liegen der Kurfürstendamm und seine Nebenstraßen wieder im Trend. Weithin sichtbares Zeichen für den Aufschwung sind die beiden Turmhäuser am Breitscheidtplatz, die noch auf eine städtebauliche Planung aus den 90er Jahren zurückgehen. Wurde das steinerne »Zoofenster« (Christoph Mäckler, s. db 4/2013, S. 62) bereits 2013 eröffnet, zieht jetzt das von der Strabag Real Estate verantwortete 118 m hohe »Upper West« (Entwurf Christoph Langhof, Realisation KSP Jürgen Engel) nach, das eine architektonische Gegenposition zu seinem Visavis formuliert. Das beginnt bei der Grundrissfigur des teils kantigen, teils organisch, wie eingeschnürt geschwungenen Hochhauses. Während die Fassade in den oberen Geschossen aus gegeneinander versetzten L-förmigen, weißen Aluminiumelemente besteht, die aus der Nahsicht eine allzu intensiv bewegte Kleinteiligkeit entwickeln, ist die Sockelzone aus ebenfalls weißen, vorfabrizierten Faserbetonelementen mit bemerkenswert glatter Oberfläche gestaltet. Dasselbe Material verwendete Langhof auch an dem niedrigeren Bauteil mit Staffelgeschossen zum Breitscheidplatz. Dort erhält das Fassadenraster durch das konkave Einschwingen der Betonelemente eine charmante Bewegung, die mit der Gebäudefigur korrespondiert. Zusammen mit den messinggoldenen Aluminiumprofilen der Fenster spielt seine Gestaltung mit der Erinnerung an die Architektur der 50er Jahre. Doch die erwies sich in Berlin freilich als eher preußisch streng, wie beim Schimmelpfenghaus, das gegen erheblichen Widerstand für den Neubau geopfert wurde. Seine größte Qualität entwickelt das Upper West in der Fernwirkung. Es markiert den Ort leuchtend weiß und allansichtig, im Gegensatz zu seinem Hochhausnachbarn, der deutliche Sichthierarchien formuliert. Die Einschnürung des gekurvten Grundrisses führt zumal in der Sockelzone allerdings zu einem seltsamen Restraum mit Schmuddeleckenpotenzial, das Innere des Hochhauses, dessen Hauptmieter eine ebenso beliebte wie relativ günstige Hotelkette ist, verdient keine weitere Vertiefung.

Als Investitionsvolumen für das Gesamtprojekt nennt der Bauherr die Summe von 250 Mio. Euro. Für Berlin werfen die beiden Hochhäuser die grundsätzliche Frage auf, wie die Höhenentwicklung der City West künftig verlaufen soll. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche ist durch ihre neuen Nachbarn bereits verzwergt, und auch die älteren Hochhäuser rund um den Breitscheidtplatz sehen jetzt wie abgebrochene Riesen aus. Das öffnet Tür und Tor für weitere Höhen-Begehrlichkeiten.

Standort: Kurfürstendamm 11,10719 Berlin Architekten: Langhof, Berlin; KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt/Berlin Bauzeit: Baubeginn: 2013, Eröffnung: Mai 2017