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Hydranten als Wasserspender - Kieler Industriedesignerin mit BraunPrize ausgezeichnet

Kieler Industriedesignerin mit BraunPrize ausgezeichnet
Hydranten zu Wasserspendern

Die Industriedesignerin Jadwiga Slezak ist beim internationalen »BraunPrize Design-Wettbewerb« mit einem der Hauptpreise ausgezeichnet worden. In der Kategorie »Students« gewann sie mit »WATERePUBLIC« – einem Konzept, das Hydranten in multifunktionale Wasserspender für den öffentlichen Raum verwandelt.

»Der BraunPrize ist der Oscar der Designszene und für uns Industriedesigner von enormer Bedeutung«, erklärt Industriedesign-Professor Detlef Rhein, der Jadwiga Slezaks Thesis-Projekt an der Muthesius Kunsthochschule Kiel begleitet hat. »In der Vergangenheit haben wir immer wieder Anerkennungen erhalten, aber es ist der erste Hauptpreis überhaupt, den eine unserer Studierenden gewinnt.« Für den mit insgesamt 100.000 US-Dollar dotierten Förderpreis hatten sich weltweit mehr als 1.100 junge Designerinnen und Designer aus 80 Ländern beworben.

Hydranten als öffentliche Trinkwasserstellen

Mit ihrem Konzept »WATERePUBLIC« überdenkt die Designerin das städtische Netz an Hydranten. Sie verwandelt diese in öffentlich zugängliche Wasserstellen, die allen Menschen den Konsum von frischem Trinkwasser ermöglichen.

»Auf der Suche nach einem Thema für meine Master-Thesis wurde mir bewusst, dass der Zugang zu Wasser im öffentlichen Raum eine wichtige Rolle bei der Lösung zentraler Probleme unserer Zeit spielt«, so die Preisträgerin. »Öffentliche Räume werden zunehmend vernachlässigt und privatisiert. Die soziale Ungleichheit wächst, immer mehr Menschen leiden an Übergewicht und Bewegungsmangel.«

Außerdem sei das immense Aufkommen an Plastikmüll alarmierend. »Der stetig wachsende Konsum von Flaschenwasser verstärkt diesen Trend und schlägt sich in einer negativen CO2-Bilanz nieder. Wer stilles Mineralwasser in Flaschen verbraucht, verursacht allein damit 586-mal mehr CO2-Ausstoß als diejenigen, die stilles Leitungswasser trinken. Denn die Herstellung und der Transport von Flaschenwasser sind sehr CO2-intensiv«, so Jadwiga Slezak. Ein weiteres Problem seien sommerliche Hitzewellen, die sich negativ auf die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen und Tieren auswirkten.

»In Deutschland und vielen anderen Städten der Welt ist alle 150 Meter ein Hydrant mit Trinkwasser zu finden. Die nötige Infrastruktur ist also bereits da. Als mir das klar wurde, war der Grundstein für mein Designkonzept gelegt«, so Slezak. Die Industriedesignerin ist überzeugt: »Mit WATERePUBLIC  ließen sich die Lebensqualität in den Städten steigern, das Stadtklima schützen und das Gemeinschaftsgefühl stärken.«

Antwort auf drängende Fragen

Virgil Abloh, Chief Creative Director und Gründer von »Off-White« sowie Men’s Artistic Director bei Louis Vuitton, war eines der Jurymitglieder und favorisierte Slezaks Konzept: »Was mein Interesse an diesem besonderen Konzept geweckt hat, war, wie allgegenwärtig und offensichtlich die Idee ist. Zu verstehen, dass Wasser für unsere menschliche Existenz von entscheidender Bedeutung ist, und über Möglichkeiten nachzudenken, Wasser in unsere nähere Umgebung zu integrieren – dieses Konzept fand ich sehr ergreifend und ein lebenswichtiges Anliegen.« Am Design überzeugte ihn die Tatsache, dass etwas Bestehendes »verfeinert wurde – es blickt in die Zukunft, lehnt sich aber an die Vergangenheit an.«

Professorin Dr. Annika Frye, die Jadwiga Slezaks Arbeit in der Theorie begleitet hat, erklärt, was sie an der Idee von »WATERePUBLIC« fasziniert hat: »Jadwiga Slezaks Projekt reagiert auf den Kilmawandel in Großstädten. Es ist ein überzeugender Beitrag zur Debatte rund um die Frage, wie unser Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen organisiert sein sollte. Das ist, was Design heute leisten soll: Fragen von Gemeinschaftlichkeit und Demokratie werden aktualisiert, um eine wünschenswerte Zukunft zu entwerfen.«

Temporär geflutet

Zugang zu Wasser entscheidend

»Über diese enorm positive Resonanz freue ich mich sehr, da sie mir zeigt, dass andere Menschen mein Anliegen, öffentliche Räume aufzuwerten, unseren Konsum von Flaschenwasser zu reduzieren und Infrastrukturen effizienter und damit nachhaltiger zu nutzen, auch verstehen und sogar teilen«, sagt Jadwiga Slezak. »Der Preis ist eine wichtige und motivierende Bestätigung für mich als Gestalterin.«

Und auf die Frage, welche Wirkung sie sich für ihr Konzept »WATERePUBLIC« wünscht, antwortet sie: »Ich wünsche mir, dass ein Mind Shift stattfindet, ein Umdenken. Und dass Konzepte wie meines ein Bewusstsein für den Wert einer Gemeinschaft schaffen.« Der Zugang zu Wasser sei nicht weniger als ein Symbol für eine funktionierende Gesellschaft – das zeige schon ein Blick in die Geschichte. »Ich bin überzeugt, dass von Gemeingütern wie Wasser und öffentlichem Raum der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und die Lebensqualität in unseren Städten abhängen. Daher liegt darauf auch mein Interessensschwerpunkt als Designerin: öffentliche und geteilte Güter zu gestalten, weil sie eine wichtige Rolle spielen für eine gerechte und zukunftsfähige Gesellschaft und für ein öffentliches Leben, an dem alle teilhaben können.«

Jadwige Slezaks Konzept der transformierten Hydranten ist bereits beim Mia-Seeger-Preis und bei den German Design Graduates gewürdigt worden – nun kam einer der Hauptpreise beim BraunPrize hinzu.

zur Webseite des BraunPrize »

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