Der Echte Hausschwamm bleibt oft unentdeckt und kann die Konstruktion zerstören

Zerstörerisches Geflecht

Es gibt zahlreiche Pilze, die totes und verbautes Holz befallen. Aber kaum eine Art verursacht so große Schäden wie der Echte Hausschwamm. Sein Myzel kann sich in Gebäuden meist ungehindert ausbreiten, da es zunächst zum Beispiel im Inneren einer Holzbalkendecke oder im Kern eines Balkens wächst. Wird der Pilz schließlich entdeckt, ist er häufig so groß und die Tragfähigkeit des Holzes oft so stark herabgesetzt, dass nur noch der Abriss der Konstruktion bleibt.

There are many types of fungus, which infect dead and built-in wood. Hardly any variant however is as destructive as dry rot. Its spores can spread in buildings mostly without hindrance as its growth starts inside a wood beam ceiling, for example, or in the core of a beam. When discovered, the fungus is often so wide- spread and the stability of the timber so much impaired as to allow only the break up of the construction.

Der Echte Hausschwamm zählt zu den am schwierigsten zu bekämpfenden Holzpilzen (Bild 1). Bei optimalen Wachstumsbedingungen und lang andauerndem Befall kann er Holzkonstruktionen vollständig zerstören. Die Schäden werden meist spät erkannt, da sich der Pilz innerhalb der Baukonstruktion verdeckt ausbreitet. Somit stellt der Echte Hausschwamm ein nur schwer abschätzbares Risiko dar und gilt als erheblicher Mangel nach BGB § 459.

Charakteristisches Schadensbild Der Echte Hausschwamm gehört zur Abteilung Echte Pilze (Eumycota), Klasse Ständerpilze (Basidiomycetes), Ordnung Aphyllophorales, Familie Warzenschwämme (Coniopharaceae), Gattungen Coniophora und Serpula. Er ist ein rein saprotropher Pilz, befällt also nur totes und verbautes Holz.
Charakteristisches Anzeichen für den Echten Hausschwamm ist die Braunfäule (Destruktionsfäule). Der Pilz hat sich auf den Abbau von Zellulose spezialisiert, weshalb nur der braune Holzbestandteil Lignin übrig bleibt. Geschädigtes Holz weist an der Oberfläche kubische Würfel mit ungefähr zwei Zentimetern Kantenlänge auf (»Würfelbrüchigkeit«, Bild 2). Das Holz verliert an Festigkeit und ist nicht mehr tragfähig.
Sind die Holzbauteile von Luft umspült oder mit einem Holzschutzmittel beschichtet, wächst der Echte Hausschwamm nur im Holzinneren. Befallenes, brettartig verbautes Holz wölbt sich nach außen. So kommt es zum Beispiel bei befallenen Türzargen oder Sockelbekleidungen aus Holz zu einer leichten Verwölbung, die oft nur am Abplatzen des Anstrichs erkennbar ist. Ebenfalls typisch für diesen Pilz sind der Fruchtkörper und das schmutzig graue Myzel.
Sporen
Der Fruchtkörper (Bild 3) bildet rostfarbene Sporen, die sich wie Staub in Ecken ablagern. Ältere Fruchtkörper und Sporen werden dunkel bis fast schwarz. Verfügt der Pilz nicht über genügend »Wachstumskraft«, bilden sich die Sporen in einer dünnen Schicht auf dem watteartigen Myzel aus. Die Sporen sind ellipsoid und an den Seiten bohnenförmig abgeflacht. Ihre Abmessungen liegen bei 9 – 12 µm x 4,5 – 8 µm. Finden die Sporen optimale Lebensbedingungen vor, keimen sie aus und bilden junges Myzel.
In der Literatur gibt es relativ wenige Angaben zu den Pilzsporen. Oft werden sie mit dem Myzel in einem Zusammenhang dargestellt, vor allem wenn es um die Bekämpfung geht. Es gibt jedoch wesentliche Unterschiede, die bereits mit der jeweiligen biologischen Aufgabe verbunden sind: Im Gegensatz zum Myzel sollen Sporen den Pilz über größere Entfernung verbreiten. Sporen müssen daher viel »härtere« klimatische Bedingungen überstehen können. Sie sind gegenüber toxischen Chemikalien und Wärmeeinwirkung resistenter als vegetative Zellen. Deshalb müssen Bauteiloberflächen mehr als vier Stunden lang einer Temperatur von 100 °C beziehungsweise mehr als sechs Stunden lang 80 °C ausgesetzt werden, um Sporen wirkungsvoll abzutöten [1].
Myzel
Es werden Luftmyzel, Oberflächenmyzel, Stränge und Zwischenmyzel unterschieden. Das Oberflächenmyzel ist dick, polsterförmig und zunächst schneeweiß; später ist es grau, bisweilen leicht gelblich oder auch weinrötlich gefleckt (Bild 4). Ältere Hyphen bilden Oxalsäurekristalle. Das Myzel ist auch daran zu erkennen, dass es in Faser- beziehungsweise Wuchsrichtung reißt. Es lässt sich von der Unterlage gut lösen. Sehr junges Myzel kann makroskopisch vom Myzel des Kellerschwamms respektive Braunen Warzenschwamms, das weiß bis gelblich ist und keine weinrötlichen Flecken aufzeigt, kaum unterschieden werden.
Die Stränge des Echten Hausschwamms sind schmutzig grau und bis zu drei Zentimeter dick (Bild 5). Sie brechen im trockenen Zustand wie Holz gleicher Stärke. Ihre Form ist rundlich, bandartig, lappig oder gleicht sich der Form des Hohlraumes an, der durchwachsen wird. So kann zum Beispiel ein in der Fuge einer Türzarge wachsender Strang eine quadratische Form annehmen, während ein hinter Fußbodenleisten verlaufender Strang etwas abgeflacht ist. Mit seinen kräftigen Myzelsträngen (Rhizomorphen) kann der Pilz durch Mauerwerk, Erdreich oder unter dem Straßenbelag bis zu benachbarten Häusern vordringen, zumal sein leistungsfähiges Wasserleitungssystem aus langen Strängen es ermöglicht, auch trockene Gebäudeteile und trockenes Holz anzugreifen [2].
Wachstumsfaktoren Sofern Holz trocken und fachgerecht verbaut wird und gegebenenfalls nach einem Feuchteschaden rasch austrocknen kann, ist eine Schädigung beispielsweise durch den Echten Hausschwamm nicht möglich. Findet der Pilz allerdings optimale Bedingungen hinsichtlich Feuchtigkeit, Temperatur und Nahrung vor, so ist die Wahrscheinlichkeit eines Befalls groß. Fehlen ein oder zwei dieser wichtigen Bedingungen, so kann der Pilz nicht wachsen beziehungsweise sein nur schwach ausgebildete Myzel geht in einen Starreprozess über und stirbt im günstigsten Fall schon nach wenigen Tagen ab.
Feuchtigkeit
Je nach Feuchtigkeitsgrad wachsen bestimmte holzzerstörende Pilze, während sich andere nicht oder lediglich sehr gering ausbreiten. Der Echte Hausschwamm hat sich besonders spezialisiert und kann auch auf Hölzern mit einem Feuchtegehalt unterhalb der Fasersättigung, also bei weniger als dreißig Prozent Holzfeuchtigkeit, wachsen. Als Minimum werden siebzehn bis zwanzig Prozent und als Maximum neunzig Prozent angegeben [3]. Doch bei mehreren aktiven Schadensfällen betrug die Holzfeuchtigkeit über längere Zeit gerade mal zwölf bis dreizehn Prozent. Zum Vergleich bevorzugt der Kellerschwamm (Coniophora puteana) eine Holzfeuchtigkeit von rund fünfundvierzig bis siebzig Prozent und der Weiße Porenschwamm (Poria vaporaria) dreißig bis fünfzig Prozent. Der Echte Hausschwamm ist zudem in der Lage, auch eine gewisse Zeit lang Trockenphasen zu überstehen. Er fällt dann in eine Trockenstarre. Doch sobald seine Umgebung wieder Feuchtigkeit aufnimmt, beispielsweise bei einem Wasserleitungsschaden oder bei Kondenswasserbildung aufgrund einer mangelhaften Dampfbremse, fängt er wieder zu wachsen an.
Alle Pilze erzeugen bei ihrem Stoffwechselprozess unter anderem Wasser. Sie schaffen sich so einen Teil der benötigten Feuchtigkeit selbst, das so genannte »Atemwasser«. Man bezeichnet diesen Fäuletyp als Trockenfäule. Bei einer guten Lüftung kann dieses Wasser abgeführt werden, worauf der Pilz abstirbt.
Ab einer bestimmten Größe kann sich das Myzel des Echten Hausschwamms auch auf trockenem Holz oder anderen zellulosehaltigen Stoffen ausbreiten. Hierbei wird das notwendige Wasser über das Strangmyzel transportiert. Dieses wächst nicht kreuz und quer durch das Gebäude. Vielmehr bleibt der Pilz grundsätzlich in der Nähe des befallenen Holzes und breitet sich von dort meist in Richtung einer höheren Holzfeuchtigkeit aus. Wird zum Beispiel bei einem Wasserschaden neben der Holzbalkendecke auch das darunter liegende Mauerwerk durchfeuchtet, wächst das Myzel zwischen Mauerstein und Putz und gewinnt so das erforderliche Wasser. Vorwiegend werden die Mörtelfugen durchwachsen.
Stränge mit bis zu zehn Metern Länge finden sich meist nur in den unteren Eckbereichen der Fußboden- und Wandanschlüsse. Hier ist die Feuchtigkeit im Raum am höchsten.
Nahrung
Der Echte Hausschwamm benötigt Holz oder Ähnliches als Nahrungsquelle. Ab einer bestimmten Größe kann das Myzel aber auch Bauwerksteile oder Erdschichten durchwachsen, ohne dort Nahrung vorzufinden. Der Nährstoff wird dann von der Quelle über das Strangmyzel transportiert. Geht jedoch die Nahrungsquelle zur Neige, kann kein neues Zellmaterial aufgebaut werden.
Temperatur
Holzzerstörende Pilze entwickeln sich bei Temperaturen von minimal 2 bis 5 °C und maximal 35 bis 40 °C. Innerhalb dieses Bereichs hat jede Pilzart ein bestimmtes Optimum, wobei das Myzel bei höheren Temperaturen schneller wächst (Tabelle 1).
Die Temperaturen in einem Haus oder in einer Wohnung betragen rund 20 °C. Dies sind günstige Wachstumsbedingungen für den Echten Hausschwamm. Wird der Temperaturbereich über- oder unterschritten, stellt sich beim Pilz Hitze- beziehungsweise Kältestarre ein, die über längere Zeit zum biologischen Tod führt. Gemäß Laboruntersuchungen der BAM-Berlin-Dahlem kann der Echte Hausschwamm in der Starre bei gleich bleibendem Klima bei 7,5 °C etwa sieben Jahre, bei 20 °C rund ein Jahr und bei 27 °C ungefähr ein halbes Jahr überleben. Da Gebäude jedoch ständig klimatischen Wechseln ausgesetzt sind, kann von einem kürzeren Starre- und Überlebenszeitraum ausgegangen werden [4].
Nach Liese [5] erfolgt der Hitzetod des Myzels des Echten Hausschwamms bei 50 °C nach fünfzehn Minuten (Tabelle 2). Seine Sporen sterben hingegen erst nach Stunden bei 80 bis 100 °C ab [1].
Die genannten Fakten werden bei alternativen Bekämpfungsmethoden ausgenutzt, wie zum Beispiel dem Heißluftverfahren, bei dem heiße Luft in das Gebäude geblasen wird. In Dänemark ist dies eine anerkannte Bekämpfungsmethode während sie in Deutschland nur als »flankierende Maßnahme« vor allem bei Baudenkmälern zugelassen ist. Das Problem des Heißluftverfahrens besteht darin, dass beispielsweise auch massives Mauerwerk mit hoher Wärmespeicherfähigkeit aufgeheizt werden muss. Die Bekämpfungszeit für den Echten Hausschwamm liegt bei drei bis sechs Stunden [1]. Danach ist allerdings nicht gewährleistet, dass auch die Hyphen im Holzinneren abgetötet wurden.
Bei der Wärmebehandlung mit dem SELAREX-Verfahren werden in die Balkenköpfe beziehungsweise Balken in bestimmten Abständen Heizstäbe eingebracht und so das Holz über eine gewisse Zeit aufgeheizt. Dadurch verändert sich die Eiweißstruktur des Pilzmyzels.
Aus Finnland stammt die Idee, das Bauholz einer Hochtemperaturbehandlung (170 – 230 °C) zu unterziehen und somit den Aufbau der Zellwände zu verändern. Danach kann das Holz nicht mehr so viel Feuchtigkeit aufnehmen. Neben anderen günstigen Eigenschaften soll das so genannte Thermoholz daher auch nicht mehr durch den Hausschwamm befallen werden [6].
Eine weitere Alternative bietet das Trocknungsgerät auf Mikrowellenbasis. Indem es das Mauerwerk aufheizt, erwärmt es zudem das Myzel und zerstört dessen Eiweißstruktur. Aber auch bei dieser Methode ist nicht bekannt, inwieweit alle Sporen abgetötet werden. Einen Langzeitschutz dürfte dieses Verfahren allein wohl nicht bewirken. Kombiniert mit anderen Bekämpfungsmethoden eignet es sich jedoch insbesondere für denkmalgeschützte Gebäude.
In Sachsen-Anhalt und Brandenburg konnte Myzel vom Echten Hausschwamm im Mauerwerk und im Holz auch mit dem Gas Brommethan abgetötet werden. Hierzu wurden die befallenen Objekte drei Tage lang einer Gasmenge von 37 Gramm pro Quadratmeter umbauten Raum ausgesetzt. Doch auch bei diesem Verfahren besteht keine vorbeugende Wirkung, weshalb dickes Mauerwerk gegebenenfalls noch mit einem Schwammbekämpfungsmittel behandelt werden muss [7].
Licht und Luftaustausch
Pilze sind chlorophyllfrei und benötigen deshalb lediglich für die Ausbildung des Fruchtkörpers ein wenig Licht [5]. Ansonsten bevorzugen sie dunkle und verdeckte Räume, da Licht auf sie eher wachstumshemmend wirkt (Tabelle 3). Damit wird deutlich, warum ein Pilzbefall relativ lange unentdeckt bleibt. Über die Hälfte aller Schadensfälle wird erst im Zuge von Holzschutzuntersuchungen beziehungsweise bei einer Sanierung entdeckt.
Auch Zugluft hemmt das Wachstum des Echten Hausschwamms und lässt ihn austrocknen. Befallene Stellen sollten daher ausreichend belüftet werden.
Substrat- und Umwelteinflüsse
Zusätzlich zu den bereits genannten Wachstumsfaktoren wirken in der Praxis noch andere Einflüsse. So spielt zum Beispiel bei der Enzymaktivität der pH-Wert eine wichtige Rolle. Baustoffe wie Ziegel oder Sand, deren pH-Wert 5 bis 6 beträgt, werden durch Pilze bevorzugt. Hingegen wirken alkalische Baustoffe wie Kalk, Kalkstein, Zement, Beton und Holzwolleleichtbauplatten eher hemmend [8]. Dies zeigt sich beispielsweise, wenn aktive Befallsherde mit einem neuen Kalkputz überputzt werden; es kommt dann zum Wachstumsstillstand.
Der Alkalitätsgrad der Baustoffe kann sich jedoch mit der Zeit verringern: So hat Beton normalerweise einen pH-Wert von 12,6. Bei porösem Beton, bei dem der Calciumhydroxid-Anteil durch Kohlenstoffdioxid karbonatisiert ist, liegt der pH-Wert bei 8 bis 10. Ebenso verringern sich pH-Wert und Bindekraft von Zementputzen, weil diese über längere Zeit Kohlenstoffdioxid ausgasen.
Im Merkblatt des Wissenschaftlich-Technischen Arbeitskreises (WTA) wird darauf verwiesen, dass der Echte Hausschwamm alkalische Materialien trotz ihrer wachstumshemmenden Wirkung benötigt, um die von dem Pilz produzierte Oxalsäure zu neutralisieren [9]. Man kann dies beobachten, wenn ein Mauerwerk aus unterschiedlichen Mauersteinen besteht. Kalksandsteine werden ebenso vom Myzel überzogen wie Ziegel. Jedoch ist der Ziegelstein poröser, weshalb das Myzel hier gut in den Rissen wachsen kann. Bei leichtem Befall eines Lehmsteinmauerwerks wächst das Myzel lediglich im Lehmfugenmörtel. Liegt ein starker Befall vor, so findet man das Myzel auch im Lehmstein selbst. Bei Stampflehmwänden baut der Pilz vor allem das Stroh ab. So kann sich der Befallsbereich auch bis in vollständig trockene Mauerabschnitte ausbreiten.
Gesundheitliche Gefährdung Da der Echte Hausschwamm meist verdeckt wächst, bemerkt man Schäden erst spät. Statisch erforderliche Hölzer verfügen dann häufig nur noch über eine geminderte Tragfähigkeit, weshalb man immer mit Einsturzgefahr rechnen sollte, bis die Bauteile gründlich untersucht wurden.
Bei intensivem Befall sollen gasförmige Stoffwechselprodukte des Echten Hausschwamms Kopfschmerzen und Übelkeit hervorrufen; der Sporenstaub kann zu heftigen Sporenallergien führen [2]. Beides erfordert allerdings eine bestimmte Konzentration im Gebäude. Weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den Echten Hausschwamm sind nicht bekannt. Aber wo dieser holzzerstörende Pilz wachsen kann, finden auch Schimmelpilze optimale Wachstumsbedingungen vor, die ebenfalls allergische Reaktionen aus- lösen können.
Pilzbestimmung Der Echte Hausschwamm befällt mit Vorliebe das Dachgeschoss, (feuchte) Deckenbalkenköpfe und Kellerräume. Aber auch an anderen Bauteilen ist er zu finden.
Ob es sich bei einem Pilzbefall tatsächlich um den Echten Hausschwamm handelt, kann durch eine makroskopische Untersuchung der Pilzart ermittelt werden. Diese erfordert fachgerecht entnommene Holz- und Pilzproben. Werden hierbei Fehler gemacht, ist eine sichere Bewertung des Schadens nicht gewährleistet. Des Weiteren muss die Schadensumgebung beurteilt werden. Sämtliche Merkmale des Befalls, wie Standort, Werk- beziehungsweise Baustoffe, Klimabedingungen und auch die Zeitfaktoren, sind vollständig zu erfassen. Die Pilzbestimmung sollte sich immer auf mehrere Merkmale stützen, denn in der Praxis greifen meist gleichzeitig verschiedene holzzerstörende Pilze den Baustoff an. Dabei dominiert der Pilz, der gegenwärtig optimale Lebensbedingungen vorfindet.
Einige Pilze bilden feines Myzel im und auch auf dem Holz sowie an der angrenzenden Schüttung oder am Mauerwerk. Lediglich das Myzel des Echten Hausschwamms breitet sich im Mauerwerk großflächig aus. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sind die Fruchtkörper. Außerdem bevorzugen die unterschiedlichen holzzerstörenden Pilze bestimmte Holzarten.
Wichtige mikroskopische Merkmale ergeben sich aus der Untersuchung von Sporen, Substratmyzel, Fruchtkörper, Strängen und Oberflächenmyzel. Die Proben werden hierzu in den meisten Fällen angefärbt, um bestimmte typische Strukturen hervorzuheben. Bei älteren oder verschmutzten Proben können zugleich Schimmelpilze auftreten, was zu Fehlinterpretationen führen kann. Die mikroskopische Bestimmung eines holzzerstörenden Pilzes erlangt Bedeutung, wenn statische Probleme vorliegen oder wertvolle Kunstgegenstände und denkmalgeschützte Bauten bedroht beziehungsweise befallen sind. Denn durch die Eingrenzung der Pilzart lassen sich Sanierungskosten einsparen und Bausubstanz kann erhalten werden. Allerdings bedarf es hierzu immer mehrerer Proben von verschiedenen Orten.
Neu ist die Bestimmung über die DNS (Desoxyribonukleinsäure). Inwieweit hier zwischen totem und aktiven Probematerial unterschieden werden kann, ist nicht bekannt.
Sanierung Der erste und wichtigste Schritt ist die Ursachenbeseitigung. Es muss geklärt werden, warum Holz und Mauerwerk einen erhöhten Feuchtegehalt aufweisen. Anschließend gilt es, die Bauteile mithilfe einer Abdichtung vor aufsteigender Feuchtigkeit und Kondenswasser zu schützen. Des Weiteren muss für eine ausreichende Belüftung gesorgt werden.
Danach erfolgt die Sanierung des befallenen Bereichs. Myzel einschließlich der Stränge, eventuell Fruchtkörper und geschädigte Holzbauteile sind zu entfernen. Die DIN 68800 Teil 4 Punkt 4.2.1. fordert zudem einen Rückschnitt der Hölzer über den sichtbarten Befall hinaus: »… bei Echten Hausschwamm und verwandten Hausschwammarten um mindestens 1 m in Längsrichtung«. Würden sich hieraus jedoch statische Probleme ergeben, zum Beispiel bei denkmalgeschützen Bauteilen, kann der Sicherheitsabstand auf einen halben Meter verkürzt werden (weitere Erläuterungen [10]). Die Sanierung muss bis zum nächsten nicht befallenen Deckenbalken erfolgen. Ist beispielsweise ein Balkenkopf geschädigt, muss der Deckenbalken inklusive Dielung, Schüttung und Fehlboden freigelegt werden, um das geschädigte Holz zurückschneiden und eine Lasche anbringen zu können. Bei kürzeren Deckenbalken ist ein kompletter Austausch sinnvoll. Teile der Schüttung und angrenzende Hölzer müssen ebenfalls ersetzt werden. Die entfernten Pilzmaterialien sowie alle befallenen Baustoffe und Bauteile sind sofort zu sichern und geordnet zu entsorgen, damit sie nicht Ausgangspunkt für einen erneuten Befall werden. Neu eingebaute Hölzer müssen den in DIN 68800 Teil 2 beschriebenen baulich-konstruktiven Anforderungen genügen.
Auch bei befallenem Mauerwerk gilt es, alle Pilzteile zu entfernen. Gegebenenfalls muss hierzu Mauerwerk abgebrochen und befallener Putz abgeschlagen werden. Mauerwerksfugen sind bis in eine Tiefe von zwei Zentimetern auszukratzen. Dabei ist ebenfalls eine Sicherheitszone von eineinhalb Metern über den sichtbar befallenen Bereich hinaus (in alle Richtungen) einzuhalten. Die sanierten Bereiche müssen anschließend vollständig austrocknen können.
Sofern nicht auf chemische Mittel verzichtet werden kann, ist befallenes Mauerwerk grundsätzlich mit einem allgemein bauaufsichtlich zugelassenen Bekämpfungsmittel zu behandeln, um einen Übergriff auf benachbarte Hölzer zu vermeiden. Die Mittel können mithilfe einer Bohrlochtränkung eingebracht oder mit Druck injiziert werden. Bei beiden Verfahren lässt sich die Menge der Bekämpfungsmittel allerdings nicht genau dosieren. Besser ist es daher, die chemischen Stoffe in den Mauermörtel zu mischen.
Kann eine vollständige Sanierung nicht sofort erfolgen – beispielsweise aus finanziellen Gründen –, so sollte zumindest das Wachstum des Pilzes weitestgehend unterbunden werden. Hierzu legt man die befallenen Bauteile frei, damit sie austrocknen können (Bild 6). Dadurch sind die Schäden sichtbar und statisch unsichere Bereiche können abgestützt werden. Ansonsten bleibt der Pilzbefall ein nicht kalkulierbares Risiko und eine ständige Kontrolle ist erforderlich.
In mehreren Bundesländern muss gemäß der Bauordnung (zum Beispiel SächsBO § 16 Abs. 2) ein Befall des Gebäudes durch den Echten Hausschwamm der Bauaufsichtsbehörde gemeldet werden. Bekämpfung und Schadensbeseitigung sollten auf der Grundlage eines Sachverständigengutachtens durch ein Fachunternehmen erfolgen. Geregelt wird die Bekämpfung in der DIN 68800 Teil 4 und im WTA-Merkblatt 1–2–91 [9].
Sanierung durch Eigenleistung
Etliche Pilzarten zerstören zunächst den Kern der verbauten Hölzer, so dass diese in der Mitte hohl, an der Oberfläche jedoch unbeschadet sind. Auf diese Weise entstehen unbemerkt statische Probleme. Die Diagnose der Schadensursache, der Ausbreitung und der Pilzart sowie die daraus abzuleitende optimale Bekämpfungsmethode und Sanierung bedürfen eines umfangreichen Fachwissens. Fällt die Wahl auf chemische Mittel, müssen die Gefahrstoffverordnung und viele Sicherheitsanforderungen eingehalten werden. Die amtlich zugelassenen Holzschutz- und Schwammbekämpfungsmittel erhalten nur Fachunternehmen mit entsprechendem Qualifizierungsnachweis. Chemische Mittel, die in Baumärkten angeboten werden, sind nicht ausreichend geprüft; demnach ist nicht bekannt, ob sie überhaupt gegen den Echten Hausschwamm wirken und gesundheitlich unbedenklich sind. Zudem werden sie nur in kleinen Mengen verkauft. Aus diesen Gründen ist beim Befall des Echten Hausschwamms eine fachgerechte Sanierung erforderlich. Wer darauf verzichtet und Schäden lieber in Eigenleistung behebt, riskiert, dass sich der Pilz wieder ausbreitet oder weitere Schäden entstehen. Neunzig Prozent der nicht fachgerecht ausgeführten Sanierungen haben negative Folgen. Die daraus resultierenden Kosten betragen dann oft das Mehrfache einer Sanierung durch ein Fachunternehmen. Daher sollten Umfang und Ausführung der Eigenleistungen immer mit einem Fachunternehmen oder einem Holzschutzsachverständigen abgestimmt werden. P. R.
Quellen: [1] Dr. Achim Unger, Vortrag zu Holzschutz im Restaurationsbereich, Weiterbildungsseminar, Quedlinburg, 1996 [2] Schwantes, Hans-Otto, Biologie der Pilze, Stuttgart, Ulm, 1996, Seiten 261–262 [3] Mombächer, R., Holz-Lexikon, Nachschlagewerk für die Holz- und Forstwirtschaft, zwei Bände, 3. Auflage, DRW-Verlag, Stuttgart, 1988 [4] Müller, Ingo, Alternative Verfahren der Hausschwammbekämpfung, Vortrag zur Holzschutzfachtagung, Quedlinburg, 1999 [5] Langendorf, Günter, Holzschutz, Handbuch für Baufachleute, Fachbuchverlag, Leipzig, 1988 [6] Rytke, Sanni, Thermisch behandeltes Holz, in: bauzeitung 53/99, Seiten 82 – 83, Ernst & Sohn, Berlin, 1999 [7] Schulze, H., Sanierung an geschädigten Holzkonstruktionen ohne chemischen Zusatz, Vortrag Holzbaufachtagung, Quedlinburg, 1997 [8] Weißenfels, Peter, Holzschutz ohne Gift, Holzschutz und Oberflächenbehandlung, Ökobuch-Verlag, Staufen, 1998 [9] Grosser, D. und andere, WTA-Merkblatt 1–2–91, Der Echte Hausschwamm – Erkennung, Lebensbedingungen, vorbeugende und bekämpfende Maßnahmen, Leistungsverzeichnis, Wissenschaftlich-technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V., Seite 4 [10] Beuth-Kommentare zum Holzschutz, Erläuterung zu DIN 68800–2,-3,-4, DGfH, München, 1998, Seite 83 ff, www.din.de/beuth
weitere Literatur: – Polanyi, Peter, René Deubelbeiss, Jürg Weibel, Holzschutz ohne Menschenschaden: Farben, Lacke und Holzschutzmittel anwenden ohne sich und die Umwelt zu vergiften, Unionsverlag, Zürich, 1991 – Müller, Klaus, Holzschutz in Tabellenform, Wissensspeicher, Institut für Weiterbildung Bauwesen, Leipzig 1985 – Hofmeister, Gertraud, Bauschäden an Holzbalkendecken in Feuchtraumbereichen, Bauschäden an der Altbausubstanz in den neuen Bundesländern infolge unterlassener oder mangelhafter Instandhaltung und Instandsetzung, IRB-Verlag, Stuttgart, 1995 – Mönck, Willi, Schäden an Holzkonstruktionen, 4. bearbeitete Auflage, Verlag für Bauwesen, Berlin, 2004 – Weiß, Björn, André Wagenführer, Kordula Kruse, Beschreibung und Bestimmung von Bauholzpilzen, DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen, 2000 – Müller, Ingo, Alternative Verfahren der Hausschwammbekämpfung, Vortrag während der Holzbaufachtagung in Quedlinburg am 19. März 1999 – Rafalski, Hans-Joachim, Spezielles zum Echten Hauschwamm insbesondere zur Wuchsrichtungsbestimmung, Vortrag während der Holzbaufachtagung in Quedlinburg am 19. März 1999 – Hubacek, Spezialgebiete der Chemie, Oldenburg Wien, 1986 – DIN 68800 Teil 4, Bekämpfungsmaßnahmen gegen holzzerstörende Pilze und Insekten – Brockhaus, ABC Biologie, VEB F.A, Brockhaus Verlag, Leipzig, 1970, Seite 337 – Schmiedeknecht, Martin, und andere , Urania Pflanzenreich, Niedere Pflanzen, Verlag für populärwissenschaftliche Literatur, Leipzig, 1974 – Raupach, Michael, Lars Wolff, Chemische Bohrlochinjektionsverfahren für die nachträgliche Abdichtung von Mauerwerk, in: bauzeitung 5/02, Seiten 67 – 70, Ernst & Sohn, Berlin, 2002 – Verzeichnis der vom Amt für Standardisierung, Messwesen und Warenprüfung (ASMW) zugelassenen Holzschutzmittel, holzschützenden Anstrichstoffe und holzpflegenden Anstrichstoffe – Holzschutzmittelverzeichnis 1990, Holztechnologie – Leipzig, 1989, Seiten 251 – 254 – Sedlbauer, K., M. Krus, Schimmelpilze an Wohngebäuden – Altes Thema, neue Lösungen, Beitrag zum 3. Dahlberg-Kolloquium »Mikroorganismen und Bauwerksinstandsetzung«, Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Holzkirchen, 2001 – Rauch, Peter, Der Echte Hausschwamm – Serpula lacrimans [Wulf. ex Fr.] seine Lebensgrundlage und andere holzzerstörende Pilze, 2003 www.ib-rauch.de/Beratung/hausschwam.html – Huckfeldt, Tobias, www.ib-rauch.de/Beratung/hausschwam.html