Denkmalgerechte Sanierung eines historischen Ballhauses in Hoyerswerda

Treffpunkt Ballhaus

Vom historischen Ballhaus zum »Bürgerzentrum Braugasse 1«: Nach umfangreicher Sanierung, Modernisierung und Erweiterung entstand in Hoyerswerda ein inspirierender Ort der Begegnung. Das äußere Erscheinungsbild des Ensembles ist geprägt durch die denkmalgerecht sanierte historische Stuckfassade, die durch eine puristische Profilbauglasfassade ergänzt wird. Im Innern treffen filigrane Stuckaturen auf eine ansonsten klare, reduzierte Formensprache und eine zurückhaltende Farbgebung in Weiß und Grau.

~Fabian Störkmann, Produktgruppenberater für Dispersionen bei Brillux

So unterschiedlich die Nutzungen auch waren: Während seiner ganzen Geschichte war das 1880 erbaute spätklassizistische Ball- und Gesellschaftshaus eine Anlaufstelle, dessen Türen für die Gesellschaft offenstanden. Von der Tanz- und Versammlungshalle zur Oberschule, vom Pionierhaus zum Jugendtreff – bis das mittlerweile baufällige Gebäude vor der Jahrtausendwende schließlich stillgelegt werden musste. Nach langen Diskussionen über die weitere Nutzung gelang es dem Förderverein »Braugasse 1«, den Erhalt des Bauwerks durchzusetzen. Zudem konnte die Stadt als Bauherr von einem Bürgerzentrum mit generationsübergreifenden Angeboten inmitten der Altstadt überzeugt werden. Das Bürgerzentrum beherbergt seitdem ein Café, ein Touristenbüro, einen Theater- und Konzertsaal, Werkstätten sowie Medien- und Schulungsräume. Über 40 Initiativen und Vereine finden hier Platz und stellen ein vielfältiges Angebot auf die Beine: Veranstaltungen, Kino, Workshops, Musik, Theater, Tanz, bildende Kunst, Medienarbeit und vieles mehr. Doch bis zur Neueröffnung des baufälligen Gebäudes war einiges zu tun.

Umfangreiche Sanierung und Modernisierung

Da vom Tragwerk über die Statik bis hin zum Brandschutz kaum etwas dem Stand der Technik entsprach, war es eine große Aufgabe, das Gebäude umfangreich zu sanieren, zu modernisieren und dabei Historisches und Modernes in Einklang zu bringen. Architektin Dorit Baumeister vom Büro lienig & baumeister architekten in Hoyerswerda hatte sich bereits seit 1998 mit der »Braugasse 1« beschäftigt – nun wurde sie von der technischen Beratung von Brillux unterstützt. Nach ihrem Entwurfskonzept wurden dem ehemaligen Ballhaus mit seiner historischen Stuckfassade zwei moderne, skulptural ausgebildete Baukörper gegenübergestellt. Für die externe Treppenanlage, mit der der große Saal erschlossen wird, entwarf die Architektin ein Erschließungsgebäude, das mit seiner Glasfassade einen spannenden Kontrast zur Sandsteinfassade bildet. Ergänzt und erweitert wird das Ensemble durch einen quer liegenden Werkstattriegel mit weißer Putzfassade, dessen Fensteranordnung für stets variierenden Lichteinfall sorgt.

Bei ihrem Entwurf hatte die Architektin sowohl die Funktionalität als auch die geplante vielfältige Nutzung des Bürgerhauses im Blick. Aus der Funktion als »Versammlungsstätte« resultieren generell hohe Auflagen, v. a. was die Sicherheitsvorkehrungen bezüglich Brandschutz, Rettungswegen, Schallschutz und Wärmeschutz betrifft. Hinzu kam, dass diese Anforderungen sowohl für den alten historischen als auch für den neugebauten Gebäudeteil zu erfüllen waren. Beim Altbau waren zudem die unterschiedlichen Konstruktionen wie z. B. die Deckenaufbauten eine Herausforderung. Im Ergebnis entstanden funktionale Räume, die gleichzeitig die gewünschte große Flexibilität bieten, da sie auf verschiedene Weise nutzbar sind und auch an zukünftige Entwicklungen im Kunst- und Kulturbereich leicht angepasst werden können.

Ein Beispiel für die Flexibilität der Räumlichkeiten ist die großzügige Treppenhalle, die nicht nur als Durchgangsraum fungiert, sondern zugleich ein attraktiver Aufenthaltsbereich ist. Der Raum wurde so konzipiert, dass hier bei Bedarf mobile Tresen aufgebaut werden können oder die Beleuchtung für eine Ausstellung installiert werden kann.

Klare, reduzierte Formensprache im Innern

Der Kontrast von Historischem und Modernem ist auch in Form der sehr unterschiedlichen Raumwelten erlebbar. Im ehemaligen Ballsaal treffen die filigranen Stuckaturen an Gesimsen, Pfeilern und der Holzstabparkettboden auf moderne Technik. Der Saal präsentiert sich nach historischem Vorbild in hellem Grau – Farbigkeit und Materialität sind zeitlos und langlebig.

Durch diese farblich zurückhaltende Gestaltung mit Weiß und Grau entstand ein Raumgefühl, das äußerst skulptural und plastisch wirkt. Passend dazu wurde ein moderner, fugenloser, robuster Fußboden mit guten Laufeigenschaften gewählt. Das Weiß der Wände im Innern der Neubauten steht im Kontrast zu den als skulpturale Raumplastik installierten schwarzen Bauteilen und bildet eine Plattform für jede kreative Betätigung. Einzig im Bereich des Cafés und der Kleinkunstbühne im OG des weißen Werkstattriegels kamen Farben zum Einsatz: Hier wurde in kräftigen Farbtönen eine 5,5 x 8,5 m große Wandmalerei geschaffen.

Herstellerinformationen:
www.brillux.de


  • Objekt: Bürgerzentrum Hoyerswerda
    Standort: Braugasse 1,
    02977 Hoyerswerda
    Bauherr: Stadtverwaltung Hoyerswerda
    Nutzer: Kulturfabrik Hoyerswerda
    Architekten: lienig & baumeister architekten, Hoyerswerda