Wohnsiedlung in der Schweiz mit farbenfrohen Holzfassaden

Selbstverständlich Holz

Zurückhaltend farbig, pragmatisch und autofrei präsentiert sich die Wohnsiedlung »Im Eich« in der Schweizer Gemeinde Gossau im Züricher Oberland. Die natürlichen Silikatfarben beleben die Oberflächen und unterstreichen die Holzstruktur der Fassaden.

~Susanne Mandl,
Archi tektin und Freie
Fachjournalistin

Auf den umgebenden Wiesen weiden Kühe und Ziegen, und doch erreicht man von hier in einer guten halben Stunde den Hauptbahnhof Zürich. Durch eine geschickte Anordnung der Tiefgarage im Sockel unter den Wohngebäuden ist die Siedlung »Im Eich« autofrei. Die neun Gebäude mit insgesamt 87 Mietwohnungen folgen in einer differenzierten Höhenstaffelung der Topografie des sanft geneigten Hangs und bilden eine Komposition um abwechslungsreich gestaltete halböffentliche Hofräume. Von diesen Höfen aus werden die Zwei-, Drei- und Fünfspänner über Laubengänge erschlossen, die als zusätzliche Außenräume das Wohnumfeld bereichern und Begegnung fördern sollen. »Die hohe Dichte erforderte die Auseinandersetzung mit der Definition von Öffentlichkeit und Privatheit, von Gemeinschaft und Individuum. Der Innenhof dient dabei als gemeinschaftlicher Raum für die Bewohner«, erklärt Urs Schwab von Dachtler Partner Architekten. »Die zum Innenhof orientierten Balkone, die durch offene Treppenhäuser erschlossen werden, sind zugleich kommunikative Erschließungsflächen und attraktive Außensitzplätze. Sie bilden das Pendant zur privaten Loggia jeder Wohnung.« Dank der zwei- bis dreiseitigen Ausrichtung verfügen alle Wohnungen über attraktive Ausblicke in die umgebende Natur. Eine differenzierte Farbgestaltung stärkt den Charakter des Ensembles und bindet die Häuser gleichzeitig in die Landschaft ein. Die Farbpalette ist aus der Natur abgeleitet – mit frischen, harmonisch aufeinander abgestimmten Gelb- und Grüntönen. Diese verleihen dem Areal ein modernes Erscheinungsbild und wirken gleichzeitig identitätsstiftend.

Mehrgenerationenwohnen

Ziel war es, komfortable Mietwohnungen für verschiedene Lebensphasen zu erstellen – eine Durchmischung der Generationen ist ausdrücklich erwünscht. Die unterschiedlichen Größen der Wohnungen zwischen 2,5 und 5,5 Zimmern und von 65 bis 129 m2 lassen eine breite Spanne von möglichen Nutzern zu. Sämtliche Wohnungen sind altersgerecht konzipiert und schwellenfrei erschlossen. Zusätzlich bietet die Siedlung insgesamt 18 anmietbare Hobbyräume.

Die Gebäude erfüllen hohe bauliche und technische Anforderungen hinsichtlich Komfort und Energieverbrauch. Die Photovoltaikanlage auf den Dächern generiert etwa 50 % des Strombedarfs der Wohnungen. Beheizt werden sie mittels einer Erdsonden-Wärmepumpe. Auch bei den verwendeten Materialien lag das Augenmerk auf Qualität. »Sämtliche Baumaterialien wurden unter dem Aspekt einer ökologischen und nachhaltigen Bauweise optimiert, was dem Charakter der autofreien Überbauung in einer ländlichen Gemeinde entspricht«, erklären die Architekten. »Wir haben uns für Holz als Fassadenbekleidung entschieden, weil es die Häuser gestalterisch in ihre Umgebung einbindet und in Beziehung mit den Menschen tritt. Zudem ist das Material typisch für die Region.«

Farbtechnik

Die Fassade mit sägerauer Holzverschalung ist ein optimaler Haftgrund für die Farbtechnik mit dem mineralischen Holzanstrichsystem »KEIM Lignosil«. Theo Schaub, Inhaber von Schaub Maler, war von Anbeginn durch Bauherren, Architekten und Bauleitung in die Entscheidungsfindung für den Fassadenaufbau mit eingebunden. »Als langjähriger Verarbeiter von einer Vielzahl von Produkten aus dem Hause Keim war unsere Firma vor knapp zehn Jahren eng in die Entwicklung von KEIM Lignosil eingebunden«, erklärt Theo Schaub. »Die Vorgabe, einen biozid- und lösemittelfreien, dauerhaften und damit nachhaltigen Anstrich anzuwenden, sprach ganz klar für eine Ausführung mit Lignosil. Hinzu kommen die Diffusionsoffenheit des Systems und die differenzierte, ansprechende Farbpalette.« Gemeinsam mit dem Zimmermann definierte Schaub den Untergrund und erarbeitete in Zusammenarbeit mit KEIM Schweiz den Anstrichaufbau und die Ausschreibungsunterlagen. Als Entscheidungsgrundlage dienten verschiedene Fassadenmuster, die mit KEIM Lignosil beschichtet wurden. Das mineralisch matte, farbtonstabile Erscheinungsbild, die robuste Oberfläche mit seiner hohen Wetter- und Lichtbeständigkeit sowie die zu erwartende Langlebigkeit gaben den Ausschlag für KEIM Lignosil. Alternativ angedachte Ausführungen mit »vorvergrauender« Lasur, Ölfarbe oder einem anderen deckenden Anstrichsystem wurden nicht mehr in Betracht gezogen.

Die gesamte Fassadenfläche betrug 14 000 m2. Das Fassadenmaterial wurde ab Werk zweimal allseitig mit »KEIM Lignosil Base« grundiert und die Vorderseite einmal mit KEIM Lignosil im Fassadengrundton beschichtet. Theo Schaub: »Wir waren zur Ausführung mit fünf bis sechs Mitarbeitern durchgehend vor Ort. Nach der Montage wurde die Endbeschichtung mit der Rolle aufgetragen und mit dem Vertreiber ausgezogen. Dank der auf diese Weise erzielten Pinselstruktur konnte die Holzstruktur der sägerau verarbeiteten Bretter gewahrt werden, die mit der bloßen Rollerstruktur empfindlich gestört worden wäre. Die Verarbeitungseigenschaften des Materials sind sehr gut, die Farbe lässt sich ›geschmeidig‹ aufbringen, besitzt eine sehr gute Deckkraft, trocknet schnell und bietet mit der tuchmatten Oberfläche eine äußerst ansprechende optische Qualität.«

Denken in Generationen

Als Handwerker und Unternehmer denkt Theo Schaub traditionell im Qualitätsmaßstab und nicht in Gewährleistungsfristen: »KEIM garantiert eine Lebensdauer des Anstrichsystems von zehn Jahren. Das bedeutet jedoch nicht, dass man die Holzfassaden nun einfach Sonne, Wind und Wetter überlässt. Regelmäßige Kontrolle und regelmäßiger Unterhalt tragen zu einem nachhaltigen Erhalt der Bausubstanz bei. Wenn sich abzeichnet, dass einzelne, besonders stark exponierte Fassadenteile einer Erneuerung des Anstrichs bedürfen, wird dies ausgeführt. Wir gehen aber vom gleichen Renovierungszyklus aus wie für jede andere mineralische Fassade, das sind 20 bis 25 Jahre. Wir denken da in Generationen.« Höchste Qualität gewährleistet den Mehrwert der Langlebigkeit – und dieser garantiert auf lange Sicht nicht nur Freude am Aussehen, sondern auch an der Rendite.
Das Quartier strahlt in seiner zurückhaltend farbigen Sachlichkeit und Selbstverständlichkeit etwas von den Werten aus, für die die Schweiz steht: Zuverlässigkeit und Dauerhaftigkeit. Die Kühe und Ziegen scheinen sich schnell an die farbigen Bauwerke und die vielen neuen Bewohner gewöhnt zu haben.

Herstellerinformationen:
www.keimfarben.de


  • Standort: Im Eich, CH-8625 Gossau
    Bauherr: Baugenossenschaft Zentralstrasse, Zürich
    Architekten: Dachtler Partner Architekten, Zürich
    Bauleitung: Caretta+Weidmann Generalplaner, Zürich
    Landschaftsgestaltung:
    Andreas Geser Landschaftsarchitekten, Zürich
    Ausführender Malerbetrieb:
    Schaub Maler, Zürich