Schiefermonolith im Hotel- und Veranstaltungszentrum in Sierpc in Polen

Monument für Schiefer

Die neuen Gebäude des Hotel- und Konferenzzentrums innerhalb des Areals des völkerkundlichen Museums in Sierpc, Polen, präsentieren sich in Anlehnung an die Gestalt von drei großen Scheunen. Den zentralen Eingangsbereich markiert ein mit einer Rechteck-Doppeldeckung gedeckter Schiefermonolith. Auch innen sind Wände und Decken mit Schiefer bekleidet – und feuerfest ausgeführt.

~Jens Lehmann

Monument für Schiefer
Der völkerkundliche Park des Masowischen Landes wurde 1975 gegründet und 1987 mit dem ethnografischen Museum Masowiens verbunden. Masowien liegt in der Mitte von Polen und gilt als genügsame wie traditionsreiche Region. Im Park sind historische Bauten aus altem Bestand wieder aufgebaut. Neben klassischen Bauernhäusern kann man hier u. a. eine Schmiede, eine Windmühle, eine Kirche sowie einen kleinen Gutshof besichtigen. Zentrales Anliegen der Parkverwaltung ist es, neben den Denkmälern auch die räumlichen Strukturen historischer Dörfer zu präsentieren. Die Anlage mit traditionell bewirtschafteten Feldern im Süden ist zum Norden und Westen hin in einen Waldgürtel integriert und von den Flüssen Skrwa und Sierpienica begrenzt.
Das 2015 neu errichtete Kultur-, Hotel- und Konferenzzentrum ergänzt die historischen Bauten und bietet den Besuchern zugleich die Möglichkeit, länger vor Ort zu verbleiben und sich zu erholen. Rund 90 Autominuten vom hektischen Warschau entfernt, erscheint die ruhig gelegene Anlage auch ideal für Tagungsgäste aus der Hauptstadt. Das neue Zentrum besteht aus drei scheunenähnlichen Gebäuden, die unter den aufgeschütteten Grashügeln miteinander verbunden sind. Mit diesem Trick reduzieren die Architekten das große Bauvolumen auf ländliche und zum übrigen Bestand des Museums passende Maßstäbe. Der zentrale Eingangsbereich mit rund 4 000 m² Schieferbekleidung beherbergt die Gastronomie, der rechts gelegene Gebäudeteil u. a. einen Multifunktionssaal für Vorträge und Konzerte und der links gelegene Teil ein Hotel für 148 Gäste mit modernem Schwimmbad und Spabereich.
Schiefermonolith aussen und innen
Der Eingang des Zentrums liegt im Schiefermonolithen: Zwei große raumteilende Kamine gliedern das Gebäude in die Rezeption und mehrere Restaurantbereiche und bestimmen zusammen mit der anthrazitfarbenen Schieferbekleidung die klare, ruhige und zurückhaltende Atmosphäre dieses Raums. Die Außenflächen des Monolithen bestehen aus einem 27 ° geneigten Dach und prägnanten Fassadenflächen, die über innenliegende Kastenrinnen miteinander verbunden sind. Die »InterSIN«-Schiefer der Größe 40 x 25 cm sind als Rechteck-Doppeldeckung auf Dachlatten (4 x 6 cm) mit Edelstahlschrauben fixiert. Das Dach ist zweilagig mit insgesamt 30 cm, die Fassade einlagig mit 15 cm Steinwolle gedämmt. Die Schieferdeckung der Innenflächen erforderte – im Gegensatz zu den Standards der Außenflächen – umfangreiche Beratung und Mitarbeit seitens Rathscheck Schiefer. Denn für die senkrechten und über Kopf liegenden Innenflächen mit Schieferbekleidung wünschten die Architekten nicht brennbare Materialien, die mindestens 60 Minuten einem Feuer widerstehen müssen.
Brandschutz über Kopf
Dabei war sehr von Nutzen, dass Rathscheck 2012 eine innovative nicht brennbare Schieferkonstruktion vorstellte. Die Neuerung dieser Fassadenlösung war u. a. eine spezielle selbstschneidende Schraube, die bis zu 4 mm dicke Aluminiumplatten durchbohren kann. Die Ausführungsart aus komplett nicht brennbaren Komponenten wurde seinerzeit vom Kölner Institut für Baustoffprüfung und -Technologie bauaufsichtlich geprüft. In Anlehnung an diese Erfahrungen konnte in den Beratungen aufgezeigt werden, dass die vorgesehene Montage möglich ist. Zumal die von den Architekten geplante Sandwichkonstruktion aus zwei Gipsfaser-Brandschutzplatten mit einem dazwischen integrierten feuerverzinkten Stahlblech ein sichereres Brandverhalten verspricht.
Gut beraten
Aufgrund der Erkenntnisse aus den Beratungsgesprächen entschieden sich die Architekten gemeinsam mit dem Generalunternehmen Skanska für eine Sandwich-Unterkonstruktion aus einer 15 mm dicken Gipsfaser-Brandschutzplatte, einem feuerverzinkten 0,6 mm dicken Stahlblech und einer zweiten 12,5 mm dicken Gipskarton-Brandschutzplatte. Die Schiefer, die im Innern aus Gewichtsgründen 20 x 25 cm groß und als Rechteck-Einfachdeckung eingedeckt wurden, sind mit zwei Edelstahlschrauben im Kopfbereich befestigt, die über Kopf hängenden Schiefer sind zusätzlich auch im Fußbereich in das Gips-Stahl-Gips-Sandwich geschraubt.
Gestrichen und geklebt
Die darunter liegenden Gipsplatten wurden vor der Schiefermontage komplett schwarz gestrichen, damit sie bei der Rechteck-Einfachdeckung nicht im Stoßfugenbereich durchscheinen. Als weitere Sicherheitsmaßnahme gegen ein Herunterfallen der Platten im Brandfall sind alle innen und über Kopf verbauten Elemente zusätzlich mit einem für Schiefer geeigneten mineralischen Kleber verklebt. Dieser Kleber sichert darüber hinaus eine Innenbekleidung, die bei Musikbeschallung nicht schwingt oder klappert. Die Decken- und Wandkonstruktionen sind über klassische Trockenbau-Unterkonstruktionen unter den Dachstuhl oder vor die Wand montiert. In den teilweise begehbaren Hohlräumen hinter den schieferbekleideten Wänden verlaufen vielfältige Installationen und Lüftungen. Das Hotel- und Kongresszentrum wurde nach zweijähriger Bauzeit und einer Gesamtinvestitionssumme von fast 55 Mio. Zloty (13,3 Mio. Euro) im September 2015 eingeweiht. Im Umfeld der historischen landwirtschaftlichen Bauten steht der grafitfarbene Schiefermonolith einerseits für Tradition, andererseits für eine moderne, schlichte Geradlinigkeit des Bauens.
Der Autor ist Teamleiter Vertrieb und Service Osteuropa sowie Leiter Anwendungstechnik bei Rathscheck Schiefer.

Standort: Sierpc, Polen
Bauherr: Museum des Masowischen Dorfes, Sierpc
Architekten: konsorcjum Consultor architekci, Poznan + Ahor pracownia Anita Horowska, Tarnowo Podgorne
Generalunternehmen: Skanska S.A., Warschau
Fertigstellung: September 2015
Schiefer: InterSIN-Schiefer 40 x 25 und 20 x 25 cm von Rathscheck Schiefer