Kunstharzböden im »Library & Learning Center« der Wirtschaftsuniversität Wien — Hersteller-Fachbeitrag von Barit

Boden gewinnen in einer fantastischen Welt

Ein Raumschiff? Der Innenbereich des Guggenheim Museum New York? Manch einer wird verzweifelt nach Bezugspunkten suchen, auf die das Interieur referieren könnte, wenn er das Herzstück der Wirtschaftsuniversität Wien von der Architektin Zaha Hadid betritt. Dynamische Gebilde formen sich zu Räumen und Inventar, so als hätten sie ein Eigenleben. Der monochrome, großflächig aufgetragene Kunstharzboden bringt all dies Skulpturale gekonnt zur Geltung.

Fließende Räume, freie Formen und scheinbar ohne Bodenhaftung – so präsentiert sich das Library & Learning Center (LC) der Wirtschaftsuniversität Wien (s. S. 12). Kaum rechte Winkel, ein Neubau wie aus einer anderen Welt. Zwei Baukörper verschränken sich ineinander, ohne sich zu berühren. Der dadurch entstehende Zwischenraum bildet vertikale und horizontale Fugen oder Schluchten, sog. »Canyons« aus, die das gesamte Gebäude durchwirken und in einem großen zentralen Atrium münden. Schiefe Treppen und Rampen winden sich am mittleren Canyon entlang, der sich vom UG bis in die sechste Etage erstreckt. Korridore und Brücken gleiten durch das Interieur. Licht flutet durch die riesigen Fenster oder fällt von oben in die Tiefe. Die schiefen Wände sind durchbrochen von z. T. verglasten Öffnungen, die wiederum andere skulpturale Gebilde rahmen. All das mutet an wie etwas Organisches, für das es noch keinen Namen gibt.

Futuristisches trifft Zeitloses
Bei dieser schwerelosen Wirkung und Extravaganz fällt es schwer, auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren. Aber selbst Zaha Hadid hat noch keine Gebäude entworfen, die nicht den Gesetzen der Schwerkraft unterliegen. Und was sich in den Räumen in die Höhe windet, erhält seine Leichtigkeit erst dadurch, dass es mit einem Boden verhaftet ist, der sich in seinem unifarbenen Look und zeitlosen Design zurückhält und als Rahmen für die Meisterstücke fungiert.
Das Architekturbüro entschied, den Innenbereich neben Parkett und Teppich mit dem Museums-Terrazzo von Barit auszustatten. Der Kunstharzbelag erhielt 2000 den Innovationspreis für Architektur und Boden. Überzeugt hat die fünfköpfige Jury namhafter Architekten und Innenarchitekten v. a. die geringe Aufbauhöhe und die hohe Belastbarkeit. Im LC wurde der Belag in allen stark frequentierten Bereichen aufgetragen, wie im Foyer, auf Rampen, auf »Show-Treppen«, in der Cafeteria und im Bookshop. Der Boden ist sehr robust (nach DIN 1164 und DIN EN 24624). Auch bei permanenter Belastung bleibt die Oberfläche abriebfrei. Dass sich rund 24 000 Studenten und 1 800 Mitarbeiter durch das Gebäude bewegen, stellt kein Problem dar. Der Terrazzo, gefertigt aus wasserklarem Epoxidharz und farbecht mit Polyurethanharz gecoateten Granulaten, die in einer 8-10 mm dicken Schicht aufgetragen werden, lässt sich ohne Fugen und Kanten applizieren, wodurch er hygienisch und pflegeleicht ist. Zudem ist er rutschfest, rutschhemmend sowie brandsicher.
Grundlage für diese hohen Qualitätsstandards sind die strengen Prüfkriterien des Unternehmens Barit. Wie emissionsarm der Belag ist, zeigt sich darin, dass er dem AgBB-Schema entspricht, welches sich das Deutsche Institut für Bautechnik 2004 zur Grundlage für die »Grundsätze zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten in Innenräumen« nahm. Von dem Terrazzo gehen kaum flüchtige organische Verbindungen aus, die Ursache für gesundheitsschädigende Verunreinigungen der Raumluft sein können.
Die Rutschhemmung wurde nach DIN 51130 zertifiziert: Bei einem sogenannten Begehungsverfahren geht dazu eine Person mit normierten Arbeitsschuhen über den Belag, der auf einem Gestell einseitig immer weiter angehoben wird. Bei dem Terrazzo gelang das bis zu 35 °. Laut DIN EN 13501-1 ist der Boden schwerentflammbar (Bfl-s1), er hat einen Flammpunkt ab 100 °C.
Die Verlegung des Bodens war an harte Arbeit und viel Expertenwissen gebunden. Auf ca. 6 500 m² der insgesamt rund 41 000 m² verbauten BGF verarbeiteten die Terrazzo-Leger das Material. Hierfür war ein mehrstufiges Spachtelverfahren erforderlich, bis es am Ende keine Poren mehr gab. Die Abdichtung aller Löcher garantiert die Langlebigkeit des Belags. Dabei überwanden die Fachleute immer wieder besondere Hürden. Unvergessen bleibt etwa die Bearbeitung des »Aulabeckens« mit den großen Treppen zum Sitzen. Jede der Stufen erhielt einen eigenen Grauton – eine Feinarbeit, für die handwerkliches Geschick gefragt ist. Schwierig waren auch die vielen Details wie der Einbau von Elektranten, Drallauslässen und Sicherheitsbeleuchtungen. Zu den ganz besonderen Herausforderungen zählen die 1 m hohe Hohlkehlen, die aus dem Museums-Terrazzo hergestellt werden mussten. Damit das Material in dieser Exaktheit an den Rundungen hochgezogen werden konnte, haben die Fachleute vorher Tests an entsprechenden Formen durchgeführt.
In seinen dezenten Farben ist der Terrazzo im LC sinnvoll gewählt. Inmitten eines Interieurs, das eine rege Dynamik entwickelt, suchen die Personen zunächst nach Bodenhaftung. Das insgesamt zurückhaltende Farbkonzept im Inneren ist daher ein klug gesetzter Gegenpol zu der fremdartigen ellipsoiden Formlandschaft und sorgt zudem für einen eleganten, modernen Stil. Die Fläche, auf der sich Menschen bewegen, ist zusätzlich entscheidend. Psychologen wie Ekkehart Frieling sind der Überzeugung, dass der Besucher zuerst den Grund unter seinen Füßen wahrnimmt und bewertet. Erst dann wende er sich Wänden, Decke und Mobiliar zu. Den Kunstharzboden wählten Zaha Hadid Architects unifarben in Perlweiß mit dunklem Grau als Kontrastfläche. Hier wird ausnahmsweise nicht mit den Gesetzen der Physik gespielt: Die helleren Abstufungen von Weiß und Grau ruhen sicher auf dem dunkleren Untergrund. Die monochromen Töne fügen sich nahtlos in die sensiblen Farbspiele ihrer Umgebung.
Das Dunkelgrau fand auch aus praktischen Gründen Verwendung: Der Kontrast wurde unter die Geländer gesetzt. In Kombination mit schwarzen, 3 mm hohen, taktilen Bodenindikatoren sowie Abschrägungen, die auf die Flächen und alle Stufen und Rampen geklebt wurden, stärkt er ein Leitsystem, das durch den Tastsinn erschlossen werden kann und so Sehbehinderten als Teil des gesamten Blindenleitsystems auf dem Campus den Weg weist.
In Summe ist der Museums-Terrazzo im LC eine praktische Lösung, die langlebig, sicher, umweltfreundlich, pflegeleicht und hygienisch ist. In den gewählten Farben weist er Sehbehinderten den Weg, hilft, in einer Fantasiewelt voll frei gewundener Formen optisch am Boden zu bleiben, und rückt dezent das zukunftsweisende Design der fließenden Gebilde in den Vordergrund. •
~Dr. Gabriele Bartel-Lingg
Die Autorin ist Geschäftsführerin von Barit.
Objekt: Library & Learning Center der Wirtschaftsuniversität Wien Standort: Welthandelsplatz, Wien Architekten: Zaha Hadid Architects, Hamburg Bauzeit: Okt. 2009 bis Okt. 2013
Verwendetes Produkt: Barit Designböden: Museums-Terrazzo
BARiT® Kunstharz-Belagstechnik, Esslingen (Neckar), www.barit.de