Schrumpfende Städte (Berlin)

Massenarbeitslosigkeit und fehlende Zukunftsperspektiven sind die Ursachen für das Phänomen der schrumpfenden Städte. Dass dieses Phänomen nicht auf Ostdeutschland beschränkt ist, damit befasst sich diese Ausstellung. Manchester und Liverpool, Detroit, Ivanovo sowie Halle und Leipzig dienen als typische Beispiele für Städte, deren industrielle Blütezeit lange vorbei ist. Übrig geblieben sind massiver Wohnungsleerstand und Menschen, die überleben wollen.

Aus vergangenen Zeiten ausgegraben scheint das »Überlebenshandbuch« aus dem russischen Ivanovo: Mit dem Sammeln von Regenwürmern, Pilzen und Beeren versuchen die Bewohner, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Aus der Not entstanden sind auch die »Erfindungen des täglichen Bedarfs«: Ein Besen aus Stricken, ein selbst geschraubter Dreifachstecker oder eine gebastelte Antenne. Die Entstehungsgeschichten dieser Alltagsobjekte, die hier zu Lande eher Sperrmüll assoziieren, sind in Texten dokumentiert. Hier liegt die Stärke der Ausstellung, wenn die Übriggebliebenen zu Wort kommen und den trostlosen Orten ein Gesicht geben.Oder etwa in den Berichten über den legendären Club Hacienda in Manchester oder dem Heidelberg-Projekt eines Künstlers in Detroit, der leer stehende Häuser mit Fundstücken verkleidet und ihnen damit demonstrativ Namen gibt. Verlassene Bauten, Abrissbagger und Brachland gleichen sich, auch wenn die leer stehende Plattenbausiedlung das heruntergekommene Einfamilienhaus an Tristesse noch übertrifft. Auf diesen ersten, sehr umfangreichen analytischen Teil der Ausstellung folgt im September 2005 in Leipzig die Präsentation von Handlungskonzepten, die derzeit entwickelt werden. Urte Schmidt
Bis 7. November, KW Institute for Contemporary Art, Auguststraße 69, 10117 Berlin, Di – So 12 – 19 Uhr, Do bis 21 Uhr, www.shrinkingcities.com.