Organische Architektur (Berlin)

In der ungewöhnlichen Foyerlandschaft des Kammermusiksaals präsentiert die Iona-Stiftung aus Amsterdam ihre Ausstellung zur organischen Architektur. Großformatige Fotos und zahlreiche Modelle machen neugierig auf Projekte aus aller Welt von Finnland bis Australien.

Während das vorgestellte Gut Garkau von Hugo Häring gut in die Analogie zum Organ passt, tragen weitere historische Beispiele der Ausstellung jedoch wenig zu einer Präzisierung des Begriffs bei. Denn neben Rudolf Steiner und Antoni Gaudí wird auch Louis Sullivan vorgestellt. Da sein Kaufhaus Schlesinger & Mayer mit frei unterteilbaren, rechtwinkligen Grundrissen und die nüchternen Büroetagen des Guaranty Buildings hier auch als organisch bezeichnet werden, ist der Begriff ins Beliebige erweitert – oder auf florale Ornamente an den Fassaden reduziert.
So bleibt ein wenig Ratlosigkeit in Bezug auf die Frage, was organische Architektur eigentlich ist. Biedere Entwürfe für Rudolf-Steiner-Zentren und Waldorfschulen, die den rechten Winkel meiden, passen genauso ins Konzept wie Ingenieursbauten von Santiago Calatrava, die von der Natur inspiriert sind. Die interessantesten Projekte der Ausstellung entstanden besonders im Zusammenspiel mit der natürlichen Umgebung. So bleiben zumindest einige Entdeckungen, wie zum Beispiel die Residenz des finnischen Staatspräsidenten, welche die Konturen einer zerklüfteten Felslandschaft aufnimmt. Oder das Kulturzentrum in Australien, für das Gregory Burgess, ausgehend von Zeichnungen der Aborigines, eine bewegte Dachlandschaft entwarfen, die sich perfekt in das wüste Umland einfügt. Ralf Wollheim
Bis 8. Dezember im Foyer des Kammermusiksaals der Philharmonie, Hans-Scharoun-Straße, täglich 10 – 18 Uhr, www.organische-architektur.org