Massarbeit (Frankfurt a. M.)

~Franziska Puhan-Schulz

Anlässlich des Ehrengastauftritts Flanderns (dem niederländischsprachigen Teil Belgiens) und der Niederlande auf der Frankfurter Buchmesse zeigt das DAM derzeit die Ausstellung »Maatwerk/Massarbeit« zu Architekturprojekten aus dieser Region. Die Kuratorin Sofie De Caigny vom Flanders Architecture Institute (VAi) hat hierfür Projekte aus den vergangenen 30 Jahren ausgewählt. In der Ausstellung als detailreiche Modelle aus Holz und anderen Materialien präsentiert, weitet die vielfältige Zusammenstellung den Blick auf die niederländische und flämische Architekturlandschaft, die bislang von den sogenannten »Super-Dutch« dominiert wurde. Überraschend ist die »Szenografie« der Ausstellung: Vorhänge die an Holzrahmen auf MDF-Tischen drapiert sind, geben den Blick auf mehr als 100 Exponate frei. Deren bühnenartige Präsentation spielt mit dem Klischee der in den Niederlanden und Flandern üblicherweise einsehbaren Wohnungsfenster. Während kleine Schwarz-Weiß-Fotos und zweisprachige Texte (dt./engl.) auf den Tischen liegend den Gebäudemodellen zugeordnet sind, zeigen aufgestellte größere Farbaufnahmen den Ausblick aus dem Gebäude. Der Bezug der Projekte zu ihrem Kontext – ob Stadtraum oder Landschaft – wird so anschaulich.
Insbesondere in Flandern entfallen, unterstützt durch die belgische Politik und ambitionierte Bauherren, viele Planungsaufträge auf Eigenheime. Hierbei spielt oftmals die Bebauung von Restgrundstücken wie z. B. bei der »gespiegelten« Hauserweiterung in Mortsel oder der Bebauung einer keilförmigen Parzelle »K-tichel 4« eine wichtige Rolle. Auch wenn im historischen Kontext gebaut wird, wurzeln die gezeigten Entwürfe oft in der Gegenwart, wobei dem Bestand gebührender Respekt gezollt wird; wie bei der Holzlagerhalle, die von Robbrecht en Deam architecten mit Kollegen zum Architekturbüro umgebaut wurde. In die vorhandene Dachkonstruktion wurden Fensterbänder geschickt integriert, sodass natürliches Licht in die neuen Büroräume sowie die Kunst- und Gartenhalle fällt. Wie bei diesem Projekt ist die Mischung von Funktionen ein großes Thema der gesamten Ausstellung, die dazu u. a. auch die Kunsthalle in Rotterdam von Rem Koolhaas/OMA (1992) anführt.
Anhand einer Material- und Ideensammlung junger Architekten – präsentiert in zwei langen Regalreihen – sollen schließlich die Wechselwirkungen der beiden architektonischen Kulturen veranschaulicht werden.
In der Gesamtschau zeigt sich, dass in den Niederlanden deutlich mehr große Projekte, die zudem aus der Feder großer Büros stammen, als in Flandern verwirklicht werden. Als eine Gemeinsamkeit wird das Interesse vieler Architekten am Handwerk, am Bauen im Bestand und am »Prinzip der Kontinuität in der Architektur« formuliert.
Der zur Ausstellung erschienene Katalog bietet, chronologisch sortiert, eine gute Übersicht der ausgestellten Architekturprojekte und erläutert die Entwicklung der baupolitischen Rahmenbedingungen. Die vielschichtige und entdeckungsreiche Ausstellung wird zudem durch eine internationale Gesprächsreihe mit sowohl jungen als auch etablierten Architekten schlüssig ergänzt
Bis 12. Februar, Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt a. M., Di-So 11-18, Mi bis 20 Uhr, Katalog: Flanders Architecture Institute/Deutsches Architekturmuseum (Hrsg), Englisch, 24,50 EUR, www.dam-online.de