Klaus Kinold betrachtet eine Aufnahme aus der Villa Savoye, die wŠhrend einer Le Corbusier-Exkursion 1987 entstand

Klaus Kinold (München)

~Klaus F. Linscheid

Klaus Kinold, einer der bedeutendsten Architekturfotografen der Gegenwart, wird am 24. Mai siebzig. Diese Gelegenheit nimmt das Architekturmuseum München zum Anlass, ihm, der für zahlreiche Publikationen des Museums fotografiert hat, die sehenswerte Ausstellung »Klaus Kinold – der Architekt fotografiert Architektur« zu widmen. Ruhe, Ordnung, Klarheit, vor allem aber Präzision und Einfachheit kennzeichnen die Architektur-Abbildungen von Klaus Kinold. Der 1939 in Essen geborene Architekt hat die Schule von Egon Eiermann in Karlsruhe durchlaufen, und eben dieser Lehrer war es auch, der seinen Studenten auf die Fährte der Fotografie gesetzt hat. »Ich habe viel von ihm gelernt«, sagt Kinold. »Nie wieder habe ich jemanden erlebt, der Fotos so analysiert und auch in meine Fotos hineingezeichnet hat.« Eiermann war dann auch sein erster Auftraggeber. Die Bilder der Olivetti- Verwaltung in Frankfurt hängen in der Ausstellung. Er würde das Gebäude heute nicht anders fotografieren, sagt Kinold fast vierzig Jahre später. Architektur möglichst objektiv darzustellen, sie so zu zeigen, wie sie ist, diesem Leitbild, das nicht von ungefähr seinen Ursprung in der Karlsruher Schule hat, ist Kinold bis heute treu geblieben. Er versteht sich als Dienstleister des Architekten, nicht als Fotokünstler.
Die Fähigkeit, mit den Augen eines Architekten zu sehen, ist der Schlüssel zu Kinolds Werk. Die orthogonale, neutrale Ablichtung eines Gebäudes lasse den Fotografen in den Hintergrund treten und bewahre am besten die Identität des Bauwerks. Auf der anderen Seite wird man durch seine Bilder quasi mitten in das Geschehen hineinversetzt. Der richtige Standort, eine geeignete Brennweite und der perfekte Bildausschnitt tragen dazu bei.
Die Ausstellung im Architekturmuseum ist dreigeteilt. Am Anfang stehen Fotografien, in denen die systematische Erarbeitung eines Gebäudes anhand von vier architektonisch außergewöhnlichen Beispielen vorgeführt wird. Es folgt eine Reihe von Bauten bedeutender Architekten, die der Fotograf im Laufe seiner Tätigkeit dokumentiert hat. Darunter Werke von Carlo Scarpa, Dominikus Böhm, Hans Döllgast und Tadao Ando. Im letzten Raum sind Bilder zu sehen, die auf Exkursionen entstanden sind sowie Panoramaaufnahmen von Landschaften. Es sind fast ausnahmslos Schwarz-Weiß-Bilder. Die Reduktion auf Form und Struktur veranlasst den Betrachter, so Kinold, sich intensiver mit dem Bild auseinanderzusetzen. Das, was anschließend im Kopf passiert, regt nicht nur die Fantasie an, es trägt auch zum besseren Verständnis des Gebäudes bei.
Viele bedeutende Architekten waren von der Art und Weise, wie Klaus Kinold ihre Bauten dokumentiert hat, begeistert. Julius Posener schreibt in einem persönlichen Brief an den Fotografen: »Selten habe ich so beeindruckende Bilder von Architektur in diesem Jahrhundert gesehen.« Die Besucher der Ausstellung können sich bis Ende Mai selber ein Bild davon machen.
Bis 31. Mai. Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne, Barer Straße 40, Di–So 10–18, Do 10–20 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (22 Euro). www.architekturmuseum.de