Heinz Tesar (München)

Drängende Formen, voluminöse, makellose Holzmodelle auf Augenhöhe dicht gestaffelt, den kargen Ausstellungsraum ganz für sich einnehmend, so präsentiert sich die erste umfassende Werkschau von Heinz Tesar. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Konsequenz es den Initiatoren Winfried Nerdinger und Ines Florschütz gelingt, den geladenen Architekten der monografischen Ausstellungsreihe eine Signatur des Raums abzuverlangen. Nun also gastiert Heinz Tesar in München mit seinen Formfindungen und -bildungen, die jeder konkreten Bauaufgabe vorangehen, begleitet von fließenden, »embryonalen« Zeichnungen, die die Geburt der Architektur genauso antizipieren wie die außergewöhnlichen Sprachschöpfungen. Gerade aber der poetische Bildungsprozess lässt sich schwerlich in einer Architekturausstellung darstellen. Doch in der Dichte der Präsentation von Präarchitekturen, KlangLichtRäumen und urbanen Schichtungen erwächst ein Gespür für das auf sich bezogene System Tesar. Das Thema Clavarienberg ist als Präarchitektur und jüngstes Realisationsprojekt für Klosterneuburg präsent. Seine Einstellung zum Himmelslicht wird in den Sakralbauten genauso evident wie beim Museumsbau für die Sammlung Essl. Die Eigenwilligkeit Tesars wird überdeutlich, wenn er sich in vorhandene Stadträume oder gar in Denkmale »einklinkt«. Zu seinen streitbarsten Projekten fortschreitender Überlagerungsprozesse gehört der Umbau des Bodemuseums in Berlin, bei dem das historische Material neu kollagiert und um merkwürdige Gelenke ergänzt wird. Es lohnt sich, Tesars Wort- und Raumbildungen bei aller Klang- und Lichtfülle zu hinterfragen und vor Ort auf ihre Wahrheit zu überprüfen. Ira Mazzoni

Bis 8. Januar. Architekturmuseum der TU München, Barer Straße 40, Di – Sa 10 – 18 Uhr, So 11 –17 Uhr, Katalog 35 Euro, www.architekturmuseum.de