Hans Christiansen (Darmstadt)

~Franziska Puhan-Schulz

Die derzeitige Retrospektive im Darmstädter Museum Künstlerkolonie hilft eine der bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten des Jugendstils wiederzuentdecken. Zuvor waren nur jeweils einzelne Aspekte des Werks von Hans Christiansen in Ausstellungen präsentiert worden – wie Schmuck, Plakatkunst oder Tapisserien. Auch stand er bislang eher im Schatten seiner Künstlerkollegen van de Velde, Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens.
Dabei offenbart die Ausstellung in fünf Räumen chronologisch und auf kräftigen Farben den vielschichtigen Künstler Christiansen, der als Porträtmaler Geld verdiente, aber darüber hinaus als Auftragsarbeiten Plakate, Glas, Porzellan, Möbel, Intarsien und auch Mode entwarf. Im Entree des Museums empfängt den Besucher eine zentrale Vitrine mit seinem bekannten Rosengeschirr. Dahinter hängt die große Replik eines Porträts der sichtbar wohlsituierten Familie mit Ehefrau Claire im Reformkleid und auffälliger Brosche. Von dort aus wird man auf himmelblauen Wänden in seine Hamburger Frühzeit geführt, dicht gefolgt von seiner experimentellen Zeit in Paris. Zu sehen sind z. B. zauberhafte Bildnisse der vier Jahreszeiten sowie Christiansens sehr femininen Entwürfe für die Münchner Zeitschrift »Jugend«. Dort lernte er in jungen Jahren auch seine Frau Claire Guggenheim kennen, die fortan auch seine Muse war. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein gewann Christiansen als ersten Künstler, der in Darmstadt zu gründenden Mathildenhöhe. Ein Highlight der Ausstellung ist das Gemälde mit Architekturmodell und Grundriss der Villa »In Rosen« (s. Abb.), die Olbrich für und mit ihm in Darmstadt entwarf. In diesem Gesamtkunstwerk, in welchem nahezu jedes Ding symbolhaft gestaltet ist, lebte Christiansen bis 1911.
Vom Entree aus im rechten Bereich findet man Christiansens preisgekrönte Teilnahme an der Weltausstellung in St. Louis 1904, die ihm mit einem Intarsienbild und dem berühmten Glasfenster noch mehr Bekanntheit einbrachte. Für den heutigen Wohngeschmack sehr kleinteilig und zugleich überladen wirken das goldene Wohnzimmer auf marineblauem Grund oder Dessertteller mit blauem und grünem Blattdekor nebst Wandteppichen. Entdeckungen macht man außerdem im Bereich des Wiesbadener Spätwerks bei zunehmend schwieriger werdender Auftragslage: Er malte u. a. politisch unverfängliche Gärten von Freunden oder entwarf Weinetiketten. »Darstellung und Charakteristik in Form und Technik angepasst« hieß seine Devise (1898).
Die Ausstellung des Kuratorenkollektivs Philipp Gutbrot (Darmstadt) sowie Dorothee Bieske und Michael Fuhr (Flensburg) geht im Anschluss über das Bröhan-Museum Berlin, die Villa Stuck München zum Museumsberg Flensburg, woher rund 70 % der Leihgaben kommen.
Bis 1. Februar 2015, Hans Christiansen, die Retrospektive. Museum Künstlerkolonie, Mathildenhöhe Darmstadt, Di-So 11-18 Uhr, Katalog erscheint bei Hatje Cantz, www.mathildenhoehe.eu