Dominikus Böhm (Frankfurt)

Dominikus Böhms Todestag jährt sich 2005 zum 50. Mal. Das DAM nahm dies zum Anlass, seine neu erworbenen Zeichnungen dieses Architekten ins Zentrum einer Ausstellung zu stellen. Mit gutem Grund: In expressiven Lichtstimmungen und dramatischer Atmosphäre leisten diese Zeichnungen mehr als ein Gebäude abzubilden oder dessen Entwurf zu vermitteln. Obwohl auf genauer perspektivischer Konstruktion basierend, sind dies keine konstruktiven Zeichnungen, ihr Ziel ist aber auch nicht die Verführung, sondern der Ausdruck der Intensität, mit der Böhm seine Arbeit ausübte. Böhm, einer der wichtigsten Kirchenbaumeister des 20. Jahrhunderts, entwickelte einen eigenwilligen Architekturstil, bei dem das Innere wie das Äußere die Sonderrolle ausdrückt, die die Kirche als Ort und in ihrer Funktion hatte. Zwar bezieht Böhm die äußere Form stets auch auf ihren Kontext, ordnet sie ihm aber nicht unter. Im Innern sind Licht, Material und Konstruktion zu einem einzigartigen Raumerlebnis verbunden, sei es in expressiverer Form wie in Neu-Ulm oder in sachlicherer Form wie in Leverkusen-Küppersteg. Die Ausstellung, die sich auf die Kirchenbauten der Zwischenkriegszeit konzentriert und die andere Arbeitsbereiche Böhms nur andeutet, gibt mit Hilfe von Modellen dem Besucher eine gute Hilfe, sich die Innenräume vorzustellen. Neben ihnen und den Zeichnungen sind Fotos von Hugo Schmölz aus der Zeit direkt nach der Fertigstellung die dritte, hochwertige Ebene, auf der die Einzigartigkeit von Böhms Entwürfen nachvollzogen werden kann. Leider ist weder in der Ausstellung noch im ansonsten vorzüglichen Katalog ersichtlich, wie und ob sich die Bauten bis heute erhalten haben. Aaron Kressmann

Bis 19. Juni. DAM, Schaumainkai 43, Di, Do – So 11 – 18 Uhr, Mi 11 – 20 Uhr. Katalog (Wasmuth Verlag) 32 Euro, www.DAM-online.de