Colani (Karlsruhe)

Luigi Colani (Jahrgang 1928) ist eine selbsternannte Legende. In den siebziger Jahren schockierte er als sexistischer Pop-Star der aerodynamischen Form und egomanischer Prophet einer »schönen neuen Welt« die braven Formgestalter und sorgte mit frechen Sprüchen für Aufsehen. Bis heute sind seine Entwürfe umstritten. Man muss Colanis Geborgenheitsmetaphern aus Plastik nicht unbedingt mögen, aber faszinierend sind sie immer. Die Softformen der Wohnlandschaften, die dominante Körperlichkeit der Gebrauchsgegenstände und die zoomorphe Ambivalenz der Fahrzeugentwürfe – das ist der Stoff, aus dem diese »Sexy-Mini-Super-Flower-Pop-Op-Träume« sind. In Karlsruhe präsentiert der wortgewaltige »Formphilosoph« Facetten seiner Karriere. Der berühmte Hausfrauensarg – die Kugelküche von 1974 – ist hier im Original zu bestaunen, hybrides Sitzmobiliar und natürlich die gesamte Palette seiner Fahr- und Flugzeugentwürfe. Im Zentrum stehen die »Flügel für die Straße«. Sie bilden einen futuristischen Fuhrpark fließender Formen, die an sanft dahingleitende Rochen erinnern. Konkreter wird Colani beim LKW-Design, das mit hochgelegter Panoramakanzel und stromlinienförmiger Motorverkleidung den Luftwiderstand und zugleich den Kraftstoffverbrauch verringert. Auch diese insektoid anmutenden Trucks warten noch auf den seriellen Zugriff der Industrie. Tragik der Geschichte: irgendwie ist er seiner Zeit voraus und hinkt dennoch hinter ihr her. Seine metabolistisch inspirierten Architekturfantasien wurden längst von der Blobmaster-Kultur absorbiert. Dennoch hat Colani Designgeschichte geschrieben. Ihm gelang als erster der Schritt vom traditionellen Gestaltungsbegriff zur semiotischen Designästhetik. Karin Leydecker

Bis 31. Dezember, Nancyhalle am Kongresszentrum / Konzerthaus, Festplatz 9, Karlsruhe, täglich von 10 – 18 Uhr