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Ressourcenschonend bauen

Modernisierung einer Siedlung in Gelsenkirchen mit recyclingfähigem Wärmedämm-Verbundsystem
Ressourcenschonend bauen

Verbundbauweisen und Recyclinggedanke – wie passt das zusammen? Angesichts von Konzepten wie »Urban Mining« und »Cradle to cradle« hat auch in der Baustoffindustrie längst ein Umdenken stattgefunden. Durch die Weiterentwicklung bestehender Systeme lassen sich bewährte Bauweisen und Ressourcenschonung vereinen, wie das Beispiel einer Siedlung in Gelsenkirchen zeigt.

~Georg J. Kolbe, Leiter Produktmarketing Putz- und Fassadensysteme, Saint-Gobain Weber GmbH, Düsseldorf

Wer bei der Planung von Gebäuden einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten will, sollte bei der Wahl der Baustoffe beginnen. Nur in seltenen Fällen stehen recycelte und durch Urban Mining gewonnene Materialien zur Verfügung. Damit sich dies in Zukunft ändert und mehr mit wiederverwerteten Ressourcen gebaut werden kann, entwickelt die Industrie laufend Produkte und Systeme, die nach Ablauf ihrer Nutzungsdauer wieder in den Rohstoffkreislauf eingehen können. Ein Beispiel hierfür ist das recyclingfähige Wärmedämmverbundsystem »weber.therm circle«.

Leicht veränderter Aufbau – grosse Wirkung

Die Bestandteile lassen sich beim Rückbau vollständig demontieren und als sortenreine Rohstoffe einer neuen Nutzung zuführen. Die Konstruktionsweise des mineralischen WDVS entspricht weitgehend der herkömmlicher mineralischer Systeme: Der Grundaufbau besteht aus Dämmstoff, Armierungsschicht und Oberputz. Allerdings hat weber.therm circle einen entscheidenden Vorteil gegenüber herkömmlichen Verbundbauweisen: Die Befestigung erfolgt rein mechanisch. Statt die besonders schubsteifen Mineralwolle-Dämmplatten mit dem Untergrund zu verkleben, werden sie mit Schraubdübeln befestigt. Diese werden versenkt montiert und die Dübelköpfe anschließend mit Rondellen aus Mineralwolle abgedeckt, um so einen ebenen und wärmebrückenarmen Untergrund zu schaffen.

Damit die Bestandteile beim Rückbau möglichst einfach getrennt werden können, verfügt das neuartige WDVS zudem über eine zusätzliche Putzschicht, bestehend aus einem eigens entwickelten Armierungsgrundputz und einem Separationsgewebe. Alle Komponenten des bauaufsichtlich zugelassenen WDVS lassen sich wiederverwerten. Putz und Gewebe können beim Rückbau mit der Baggerschaufel gegriffen und ohne Rückstände von dem Dämmstoff abgezogen werden. Auf die Separationsschicht folgt die klassische Armierungsschicht aus einem Gewebe und einem leichten vollmineralischen Armierungsputz. Der Oberputz bildet die dritte Lage und verleiht der Fassade – je nach gewählter Putzstruktur – ihr individuelles Erscheinungsbild.

Quartiersaufwertung im Ruhrgebiet

Das Wohnungsunternehmen LEG aus Düsseldorf entschied sich im Rahmen einer Modernisierungsoffensive dafür, 23 Hauseingänge einer Gelsenkirchener Wohnsiedlung mit weber.therm circle dämmen zu lassen. Die Eppmannssiedlung ist gekennzeichnet durch eine aufgelockerte 50er/60er-Jahre-Bebauung, einen alten Baumbestand sowie viele Grün- und Aufenthaltsflächen. Ziel der Sanierung ist es, die Gebäude zeitgenössischer, lebenswerter und moderner zu gestalten, zugleich aber ihren ursprünglichen Charakter zu erhalten. Zu diesem Zweck schrieb die LEG einen Gestaltungswettbewerb aus, den das Büro pier7 architekten aus Düsseldorf für sich entschied.

Um die bislang eher gleichförmigen Gebäude im Stadtraum neu zu verorten und das Quartier individueller zu gestalten, schuf das Team von pier7 architekten erweiterte Entreesituationen mit privaten Freibereichen. Zur Akzentuierung und Lesbarkeit der einzelnen Wohneinheiten umfasst der Entwurf darüber hinaus eine Rahmung der Öffnungen mit unterschiedlichen Putzstrukturen. Damit hoben die Planerinnen und Planer die Reihung immer gleicher Gebäude auf und machten die einzelnen Häuser und Wohnungen erkennbar. An einem Gebäude wurde zudem ein 50er-Jahre-Motiv aufgenommen und in abstrahierter Form mit der Sgraffito-Technik wieder auf die sanierte Fassade übertragen.

Bestand energetisch aufgewertet

Das von pier7 architekten erarbeitete Energiekonzept für die Häuser am Eppmannsweg und Kampmannsweg sah eine komplette Ertüchtigung der Gebäudehülle vor. Dies umfasst eine energetische Verbesserung von Fassade, Fenstern und Dach sowie eine Dämmung der Kellerdecke. Das Planungsbüro legte großen Wert auf die Recyclingfähigkeit der verwendeten Baustoffe, was sich auch positiv auf die Förderung auswirkte. Bei Maßnahmen zur Quartiersaufwertung bewilligt das Land NRW zusätzliche Prämien für die Verwendung ökologisch zertifizierter Materialien sowie die Erreichung hoher energetischer Standards. Und auch auf die Klimaziele zahlt das Bauvorhaben in Gelsenkirchen ein. Denn die behutsame Sanierung erlaubte es, den Bestand und die darin enthaltene graue Energie zu bewahren.

Das Beispiel Eppmannssiedlung zeigt eindrücklich: Ressourcenschonendes Bauen braucht keine High-Tech-Lösungen. Auch mit bewährten Bauweisen lässt sich an der Spitze des ökologischen Fortschritts bauen.

Weitere Informationen:
www.de.weber/circle


  • Standort: Eppmannsweg, Gelsenkirchen-Hassel

Bauherr: LEG Wohnen NRW GmbH, Düsseldorf

Architekten: pier7 architekten, Düsseldorf

Ausführendes Unternehmen: Firmengruppe Hermann Brück GmbH, Münster

Eingesetztes Produkt: recyclingfähiges Wärmedämm-Verbundsystem »weber.therm circle«

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