Planungshilfen aus dem Web

Planungshilfen aus dem Web

Das Internet ist längst kein wirklich neues Medium mehr – auch nicht für die hinsichtlich der Nutzung von moderner Informationstechnologie oft als konservativ verschrieene Baubranche. Dank der praktisch flächendeckenden Verfügbarkeit von DSL ist das www als »world wide waiting« glücklicherweise inzwischen passé (ob die zunehmende Beliebtheit von Musik- und Video-Downloads sowie des Internettelefonierens bald neue Engpässe schafft, bleibt abzuwarten). Und mit preisgünstigen DSL-Flatrates oder -Volumentarifen entstehen selbst bei intensiver Internetnutzung kaum noch nennenswerte Kosten.

Der jederzeit möglichen, unkomplizierten und schnellen Beschaffung von Software und digitaler Produktinformationen, CAD-Details und AVA-Daten für die Planung steht also nichts im Weg – sofern die entsprechenden Angebote verfügbar sind.
Dies wurde mit Blick auf die Internetseiten der Hersteller von Bauprodukten in Stichproben untersucht.
Da es sich bei den Downloads sozusagen um »geschenkte Gäule« handelt, ist es geboten, auf eine individuelle Kritik zu verzichten. Nichtsdestotrotz sollen aber immer wieder feststellbare Unzulänglichkeiten angesprochen werden. In der Hoffnung, dass die eine oder andere Firma ihr Serviceangebot für den Planer daraufhin vielleicht doch noch verbessert.
Zugänglichkeit Leider scheint es sich noch nicht bei allen Herstellern beziehungsweise den von ihnen beauftragten Web- designern herumgesprochen zu haben, dass es eine nicht zu vernachlässigende Zahl von Internetbenutzern gibt, die nicht mit dem Internet Explorer von Microsoft durch das Web surft. So kommt es immer wieder vor, dass die Navigation innerhalb einer Website mit alternativen Browsern wie Netscape Navigator, Mozilla oder Firefox schlichtweg nicht möglich ist. Schuld sind JavaScript-Funktionen oder HTML-Anweisungen in den Seiten, die nicht von allen Browsern ausgeführt oder zumindest nicht in gleicher Weise interpretiert werden. Mit umsichtiger Programmierung der Seiten ließen sich solche Probleme aber ohne weiteres vermeiden. Und im Zweifelsfall ist es schließlich besser, auf einen (meist ohnehin fragwürdigen) Effekt zu verzichten, als einen Teil der Interessenten für das eigene Produkt von vornherein auszuschließen. Gleiches gilt, wenn Seiten ohne die Aktivierung von JavaScript überhaupt nicht zugänglich sind oder ohne zwingenden Grund von Cookies und PopUp-Fenstern Gebrauch machen. Denn sicherheitsbewußte Internetnutzer haben die entsprechenden Optionen im Browser oft abgeschaltet. Wenn diese Features zum Betrachten der Website unbedingt erforderlich sind, sollte der Besucher zumindest einen entsprechenden Hinweis dazu erhalten. Auch Flash-Animationen sind ein zweischneidiges Schwert: Zwar lassen sich bestimmte Effekte und Funktionen nur so realisieren, der Besucher der Seite sollte dann aber auch wirklich einen Mehrwert erhalten. Wenn Besucher, die das passende Plug-In nicht verwenden wollen oder können, schon beim Aufruf der Startseite vor dem Nichts stehen, kann das nicht im Sinne des Anbieters sein.
Registrierung Eine ganze Reihe von Herstellern liefert spezielle Informationen für den Planer erst, wenn sich dieser unter Angabe seiner Adressdaten registriert hat. Das ist besonders dann ärgerlich, wenn man vor der Registrierung nicht einmal in Erfahrung bringen kann, welche Informationen von welcher Qualität überhaupt verfügbar sind. Dabei ist es noch verständlich, wenn die Registrierung vor dem Download größerer Datenmengen (etwa einer Software) verlangt wird – auch weil sich der Anbieter dadurch vor Angriffen auf seinen Server schützen möchte. In allen anderen Fällen drängt sich für den Besucher der Seite allerdings der Verdacht auf, dass die Preisgabe seiner persönlichen Daten bald unerwünschte Werbe-sendungen, E-Mails oder Anrufe nach sich ziehen wird.
Prospektmaterial Brauchbares digitales Prospektmaterial war vor ein paar Jahren noch Mangelware. Wenn überhaupt ausführlichere Datenblätter angeboten wurden, dann oft in Form von Scans der gedruckten Vorlagen. Diese waren aber meist schlecht oder gar nicht lesbar, zudem ließen sich den Pixelbildern prinzipbedingt keine Texte oder Zeichnungen zur Weiterverwendung in einer Textverarbeitung, Tabellen-kalkulation, AVA- oder CAD-Software entnehmen. Hier hat sich die Situation merklich verbessert, seitdem PDFs für die Druckvorstufe üblich sind und praktisch als »Abfallprodukt« auch online zur Verfügung gestellt werden können. Allerdings vermisst man in größeren PDF-Dokumenten wie Katalogen fast immer ein Inhaltsverzeichnis, das die komfortable Navigation über Lesezeichen oder Links gestattet.
Ausschreibungstexte Fast jeder Hersteller bietet Ausschreibungstexte zu seinen Produkten im Internet an. Unterschiede sind jedoch hinsichtlich der verfügbaren Datenformate und der Qualität der Leistungsbeschreibungen festzustellen. Für letztere ist leider in manchen Fällen die Bezeichnung »Produktbeschreibungen« zutreffender, wenn darin statt Anforderungen lediglich die vorhandenen Eigenschaften aufgelistet sind – gelegentlich sogar mit Werbebotschaften. Auch werden oft nebensächliche Merkmale differenziert beschrieben, so dass der Auftragnehmer, will er denn möglichen Streitigkeiten um die Gleichwertigkeit von vornherein aus dem Weg gehen, kein alternatives Produkt anbieten kann. Der Satz »Produkt: XY oder gleichwertig« wird so zur reinen Floskel. In aller Regel sind die Texte jedoch eine willkommene Hilfe für den Planer, auch wenn deren inhaltliche Nachbearbeitung – zumindest für öffentliche, produktneutrale Ausschreibungen – unerlässlich ist. Wie einfach oder umständlich die Ausschreibungstexte in die AVA-Software übernommen werden können, hängt zum einen von deren Anzahl, zum andern vom angebotenen Dateiformat ab. Einzelne Texte lassen sich noch mit vertretbarem Aufwand in die Zwischenablage von Windows kopieren, von dort aus in die AVA einfügen und gegebenenfalls umformatieren. Bei einer größeren Anzahl wird das aber zur Fleißaufgabe. Im Idealfall sollten deshalb die Daten im GAEB-Format angeboten werden, wodurch sie in alle gängigen AVA-Programme direkt importiert werden können. Für Word- oder Excel- Dokumente, RTF-, XML- PDF- oder reine Textdateien trifft dies allenfalls bedingt zu.
CAD-Details Ebenso wie Ausschreibungstexte lassen sich auch die oft zum Down-load angebotenen Detailzeichnungen nur in Ausnahmefällen ohne Änderungen in die eigenen Planung integrieren. Zum einen aus formalen Gründen, wenn beispielsweise deren Strichstärken, Beschriftungen oder Schraffurmuster von den im eigenen Büro üblichen Standard abweichen. Zum anderen, weil die Geometrie des Regeldetails aufgrund unterschiedlicher Bauteilabmessungen oder Winkel nicht zum konkreten Objekt passt. Viel zu oft widersetzen sich die Zeichnungen der Hersteller aber einer einigermaßen komfortablen Nachbearbeitung: Fehlt eine sinnvolle Gliederung der DXF- oder DWG-Dateien durch auf verschiedenen Layern abgelegte Elemente, so wird die Arbeit mit einer Unzahl teilweise winziger und womöglich übereinander liegender Linien zur Qual. Die beim Download der vorgefertigten Zeichnung noch erhoffte Zeitersparnis kann dann schnell ins Gegenteil umschlagen.
3D-Objekte Hier muss zwischen eher dekorativen 3D-Formen und parametrischen, »intelligenten« Objekten unterschieden werden. Letztere werden praktisch ausschließlich als so genannte GDL-Objekte angeboten. Die von Graphisoft entwickelte »Geometric Description Language« wird aber nur von ArchiCAD und – unter Verwendung des »Object Adapters« – von AutoCAD »verstanden«. Allerdings lassen sich die Parameter der GDL-Objekte auch im Webbrowser mit einem speziellen PlugIn variieren, das auch für die Darstellung (vom 2D-Symbol bis zum fotorealistischen Rendering) zuständig ist. Das Ergebnis lässt sich dann als »dummes« 3D-Objekt ohne Parametrik und alpha- nummerische Zusatzinformationen speichern, wobei unter einer großen Zahl gängiger 3D-Dateiformate gewählt werden kann. Firmen, die CAD-Daten ihrer Produkte als GDL-Objekte erstellen und dann zum Download anbieten, schlagen also gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Dennoch hat das Format noch immer fast nur bei Herstellern von Möbeln und Leuchten nennenswerte Verbreitung.
Software Die deutlich überwiegende Zahl der von den Herstellern von Bauprodukten kostenlos zur Verfügung gestellten Programme befasst sich mit bauphysikalischen Berechnungen (meist Wärmeschutz beziehungsweise EnEV) oder der statischen (Vor-)Dimensionierung. Exakte Ergebnisse und verbindliche Nachweise darf man von ihnen allerdings nicht unbedingt erwarten, denn sie sind in der Regel für den Nicht-Fachplaner zum Ermitteln mehr oder weniger überschlägiger Werte bei möglichst geringem Eingabeaufwand ausgelegt.
Fazit Weltbewegendes hat sich in den letzten fünf Jahren auf den Webseiten der Bauprodukthersteller wahrlich nicht verändert. Ein Großteil der Serviceangebote entstand offensichtlich während des Internetbooms und wurde seither – von löblichen Ausnahmen abgesehen – nicht wesentlich erweitert oder technisch verbessert. Angesichts der anhaltenden Flaute in der Branche ist es den Firmen aber auch nicht zu verdenken, wenn an dieser Stelle gespart wird. Generell stark verbessert hat sich lediglich die Verfügbarkeit von Prospekten, Broschüren und Datenblättern in Form von PDF-Dokumenten zum Download – ein Service, der dem Planer recht und dem Anbieter billig ist. jr