Hi-tech, Low-tech oder ganz weg?

~Alfred Hottmann

Eine der am häufigsten diskutierten Fragestellungen im Umgang mit alter Bausubstanz ist, wann sich Sanierungsmaßnahmen unterschiedlicher Größenordnungen lohnen und ob ein Abriss und ein damit verbundener Neubau nicht doch manchmal die effektivere Lösung darstellt. Hierbei spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle, wie v. a. die Energieeinsparung und die Höhe der Kosten, jedoch auch der Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastung. Anhand dieser Kriterien wollen nun Experten der FH Aachen zusammen mit der Deutschen Fertighaus Holding (DFH) die Problematik in einer umfassenden Fallstudie mit dem Namen »LoCaL« (»Low Carbon Lifecycle«) wissenschaftlich aufarbeiten. Das Team besteht aus insgesamt 30 Personen, darunter Architekten, Bauingenieure, Elektro-, Informations- und Energietechniker. Geplant ist ein Vergleich zwischen drei Szenarien: Bis 2018 sollen ein Neubau realisiert und zwei baugleiche Bestandshäuser jeweils mittels eines hohen und eines niedrigen technischen Standards energetisch saniert werden. Daraufhin ziehen Familien in die Häuser, womit eine dreijährige Dokumentationsphase beginnt. Diese beantwortet auch, wie genau sich die einzelnen Sanierungsmaßnahmen auf die Wohnqualität auswirken und wie bedienungsfreundlich die technischen Anlagen sind. Im Vergleich zu anderen Studien liegt der Anspruch hier in einer ergebnisoffenen Forschung, die unabhängig von Interessen Dritter erfolgt. Des Weiteren ermöglicht die Studie eine tiefergehende und detailliertere Betrachtung, die weder auf Simulationen oder Vermutungen basiert, sondern auf Fakten. Dies soll für die Energiewende eine wichtige Rolle spielen, da fundierte und zukunftsfähige Lösungsansätze für eine große Anzahl an sanierungsbedürftigen Bestandsbauten entwickelt werden können.