Audi Urban Future Award Istanbul

Die Bündelung von Verkehrsadern, ausroll- bare Solarpaneele als Straßenbelag, Elektrofahrzeuge, die an Haken aufgehängt werden, damit sie weniger Parkraum beanspruchen und die gemeinschaftliche Nutzung von Eigentum, der Entwurf des amerikanischen Büros Höweler + Yoon Architecture definiert den amerikanischen Traum vom eigenen Haus und Auto neu. Eric Höweler und J. Meejin Yoon aus Boston überzeugten mit ihrem städtebaulich und architektonisch anspruchsvollen Konzept beim zweiten Audi Urban Future Award, der Mitte Oktober in Istanbul verliehen wurde. Eingeladen waren fünf Büros aus Megacitys, die Mobilität bzw. die Verkehrsprobleme in ihrer Boomregion zu untersuchen und daraus Konzepte für die Zukunft abzuleiten. Neben den Siegern nahmen das Büro Node Architecture & Urbanism aus dem Pearl River Delta in China, Superpoll aus Istanbul, Crit aus Mumbai und Urban-Think Tank aus São Paulo teil. Die akribische Recherche der momentanen Situation und die Einbindung regionaler Initiativen zeichnet alle Beiträge aus.

Höweler + Yoon analysierten das Ballungszentrum »Boswash« zwischen Boston und Washington, in dem mehr als 53 Mio. Menschen leben. Ihr Vorschlag beinhaltet ein ausgeklügeltes System, das die Verkehrsadern besser miteinander vernetzt und den öffentlichen und individuellen Verkehr in Megastrukturen zusammenfasst. Das Ziel dieses »Shareways« ist es, einen einfachen Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln, sei es vom Zug zum Auto oder vom Flugzeug zum Zug zu ermöglichen, um so Wege und Aufenthaltszeiten zu minimieren. Mobilität begreifen die Architekten dabei als Ökosystem, in dem keine Spezies die andere dominieren sollte, sondern ein gleichberechtigtes Miteinander erstrebenswert ist. Folgerichtig wird auch im Shareway kein Verkehrsmittel bevorzugt behandelt.
»Der Siegerentwurf dient als visionäres Lastenheft für die Städte der Zukunft. Dieses City-Dossier wird eine konkrete Anleitung, wie man eine Metropol-Region planen oder umgestalten kann, um der Verdichtung zu begegnen«, so Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der AUDI AG bei der Preisverleihung. Und wer weiß, vielleicht dient der Konzern im Hintergrund tatsächlich als Türöffner bei den zahlreichen zuständigen Bürgermeistern, Gouverneuren und Behörden in der Region Boswash, sodass sich die Architekten auch dort mindestens Gehör verschaffen können. ~uk