Notfallzentrum

… Zagreb (HR)

~Robert Loher

1909 wurde in Zagreb eine »freiwillige Rettungsgesellschaft« für die schnelle und effektive Betreuung von Verunglückten gegründet. Das exakt 100 Jahre später eingeweihte Notfallzentrum wird diesen Prinzipien auf eigene Weise gerecht; es funktioniert wie ein Logistikunternehmen – auf Anruf werden die im Zentrum wartenden Ärzte zu Verletzten und Bedürftigen befördert.
Der Neubau markiert den Endpunkt einer historisch bedeutenden Straße, die einst das im Osten der Stadt gelegene Industrieviertel direkt mit der Stadtmitte verband. Durch seine relativ plump wirkenden Proportionen entspricht das Notfallzentrum den hastig entworfenen und gebauten Bürogebäuden, die das gesamte Areal in den letzten Jahren in eine Konzern-Landschaft verwandelt haben. Prägnanz erhält seine Erscheinung durch Gegensätze – es wirkt fragil und massig zugleich; während das Umfeld in Stein und Glas erstarrt, liegt sein anspruchsvolles Raumprogramm hinter einer dünnen Haut aus beschichtetem Kunststoffgewebe verborgen. Umsichtig und geschickt wussten die Architekten mit den unterschiedlichen Funktionsbereichen umzugehen. Nach Norden und zur Hauptstraße hin liegt die Krankenwagen-Garage; im Südteil sind Telefonzentrale, Krankenräume, Wohnräume für Ärzte, Verwaltung und Personalrestaurant untergebracht. Die logische Zweiteilung des Gebäudes ist von außen allerdings nicht ablesbar. Stahlfachwerk-Konstruktion und die Absicht der Architekten, die einheitliche Fassade einem Verband ähneln zu lassen, hätten eigentlich eine starke Verzahnung der einzelnen Funktionen untereinander nahegelegt, dazu aber greift der Seminarraum im obersten Geschoss viel zu bescheiden in die Garagenhälfte ein, und auch die sehr fotogene Personalterrasse über der Garage untermauert diese Durchdringung nicht radikal genug.
Davor Katusic, der führende Kopf des Büros Produkcija 004, spielt gerne mit banalen Gesten, um sie einer komplexen Struktur absichtsvoll entgegenzusetzen. So auch hier: Der angeschmutzte, leicht trübe Eindruck, den das Gebäude tagsüber macht, wird am Abend durch ein beeindruckendes Erscheinungsbild ersetzt, sobald das Innere auf suggestive Weise durch den »Verband« zu schimmern beginnt und somit die dynamische Struktur dieses Logistikzentrums offenlegt.
Standort: Vjekoslava Heinzela / Radnicka cesta Architekten: Produkcija 004, Zagreb Eröffnung: April 2009