Messehallen 9-12 Dornbirn (A)

Neu in Dornbirn

~Anke Geldmacher

Die Messe Dornbirn am Autobahnknoten Süd ist eine Art Patchwork von Gebäuden aus der Feder namhafter Architekturbüros wie Leopold, Oskar Leo und Johannes Kaufmann, Cukrowicz Nachbaur Architekten und Rainer Amann. 2012 entwarfen Dietrich Untertrifaller Architekten einen Masterplan, um die Westachse der Messe zu strukturieren. Das neuste Teilstück des Patchworks sind die Messehallen 9-12, mit denen sich Marte.Marte Architekten in die illustre Runde einreihen. 2014 gewannen sie den Wettbewerb mit einem nach eigener Aussage von »Wucht und Zurückhaltung« geprägten Entwurf. Was zunächst widersprüchlich erscheint, leuchtet vor Ort aber ein: Ein 170 m langer und fast 70 m breiter Baukörper fasst die vier Hallen und grenzt das Messegelände klar und selbstbewusst von der Straße ab. Gehüllt ist der Monolith in schwarze Nadelstreifen – das beschichtete Wellblech war nicht nur kostengünstig, es verleiht dem Gebäude trotz der Größe ein elegantes, geheimnisvolles Erscheinungsbild. Prägnant sind die beiden roten, hyperbolischen Einschnitte für den Besuchereingang auf der Messeseite und die Anlieferung in Richtung Autobahn. Auch hier kam Wellblech zum Einsatz, das sich im Vergleich zu anderen Materialen wesentlich einfacher in die gewünschte Form bringen ließ. Die Foyers sind wie die Eingänge in Rot gehalten, große Bögen greifen die Ellipsenform wieder auf. Die Messehallen selbst sind schwarz und – von außen nicht zu erahnen – aus Holz. Alle vier Hallen sind, über die Breitseiten, mit 4,50 m hohen Fachwerkträgern aus Holzleimbindern überspannt. Auch wenn man durch die schwarze Oberfläche das Holz nicht sofort erkennen kann, ist es doch zu spüren: an der Akustik und auch am Geruch. Im Gegensatz zu den sehr präsenten roten Betonflächen im Foyer nehmen sich die dunkeln Flächen sehr zurück, was sowohl im Messetrubel als auch bei Konzerten sicher wohltuend ist. Im Raster versetzte Akustikplatten verhindern ein unerwünschtes Flatterecho und die »Balanced White«-Beleuchtung sorgt je nach Nutzung für passendes Licht in kaltem oder warmem Weiß. Allzu zurückhaltend wirkt der Neubau nicht, aber das hat er auch gar nicht nötig.

Standort: Messeplatz 1, 6850 Dornbirn, Österreich
Architekten:
Marte.Marte Architekten, Feldkirch
Bauzeit:
September 2015 bis April 2017