Hotel Bergamo, Ludwigsburg, VON M Architekten
Foto: Brigida González, Stuttgart
Ludwigsburg

Hotel Bergamo

»Barock, soweit das Auge reicht!«, titelt die Stadt Ludwigsburg verwegen auf ihrer Website. In Wirklichkeit entstehen zwischen den Gebäuden anderer Epochen, wie Gründerzeithäusern und dem Marstall-Center aus den 70er Jahren, spannungsreiche Schnittstellen. An einer davon findet sich auf einem städtischen Grundstück das neue Hotel mit seinen 56 Betten. Sechs Büros hatten im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung ein Konzept entwickelt. Holz als tragender Baustoff war vorgegeben – verbunden mit einer Kuriosität: Eine Holzfassade war nicht gewünscht, stattdessen Putz und ein rotes Ziegeldach. Für das Büro VON M war dies keine Option, es wollte vielmehr zwischen den verschiedenen Stadtbausteinen vermitteln und einen eigenständigen Baukörper schaffen.

Das ist mit der schlichten Kubatur, mit gekapptem Mansarddach, einer Fassade aus sehr hellen, grauen Faserzement-Schindeln und den horizontalen, weißen Lüftungsflügeln der fassadenbündigen Fenster sehr gut gelungen. Im EG öffnet sich das Hotel mit den großzügigen Verglasungen des Frühstücksbereichs zur angrenzenden öffentlichen Freifläche. Die vorgelagerte Terrasse gleicht einer Tribüne mit Blick auf den Platz.

Der Rohbau über dem EG aus Stahlbeton besteht aus hölzernen Raummodulen, die sich alle in nur fünf Tagen stapeln ließen. Die Bäder sind als »Box in der Box« realisiert – eine für Hotels mit repetitiven Zimmerschnitten prädestiniert scheinende Bauweise.

Im EG blieb der Beton an den Wänden und teilweise auch an der Decke sichtbar. Massive Holzdielen aus Esche schaffen dennoch eine freundliche und warme Atmosphäre. Die von den Architekten entworfenen Möbel sind ebenfalls zum Großteil aus massivem Holz. Der aromatische Duft des Materials tritt in den Zimmern sogar noch stärker hervor. Die notwendigen Installationen an der Decke, wie Brandmelder, Beleuchtung und raumakustische Elemente aus Holzwolle-Leichtbauplatten, sind in einem strengen Raster angeordnet, wodurch eine wohltuende Ordnung entsteht. Die Hotelzimmer sind klein und fein, mit Wänden aus weiß lasiertem Brettsperrholz, Fußbodenheizung und -kühlung und einer Fensterbank, die, mit einem Kissen ausgestattet, zur Sitzbank wird. Die Wände zum Flur dienen als Installationswände, sind mit Gipskartonplatten bekleidet und verputzt.

Dem Wunsch der Stadt nach einem »identitätsstiftenden Impuls für dieses Quartier« und dem »ersten CO2-neutralen Gebäude der Stadt« wurde entsprochen. Das Gebäude erfüllt nicht einfach nur die Vorgaben, sondern schafft für das Umfeld eine neue städtebauliche Qualität und für die Gäste ein hochwertiges und gut funktionierendes Hotel.

~Simone Hübener


Standort: Bauhofstraße 4, 71634 Ludwigsburg
Architekten: VON M, Dennis Mueller und Matthias Siegert, Stuttgart
Bauzeit: März 2018 bis September 2019