Hamburg

U-Bahnhof »Elbbrücken«

~Hartmut Möller

Von Süden her nähert man sich dem Hamburger Zentrum über die Elbbrücken. Zu deren Füßen liegt, als östlicher Abschluss der HafenCity, die neue Endstation der U-Bahnlinie 4. Knapp 150 Mio. Euro ließ sich der Bauherr Hamburger Hochbahn den letzten Streckenabschnitt von 1,3 km kosten; etwa 30 Mio. Euro davon entfallen laut lokaler Medienberichte auf den eigentlichen Haltepunkt (dessen Gleise kurz zuvor an die Oberfläche kommen) – demnach immerhin etwa doppelt so viel wie für reguläre Haltestellen sonst veranschlagt wird. Dafür lockt nun eine weitere Landmarke Touristen an und bietet dank der eigens erstellten Aussichtsplattform am Südende Ausblicke auf den Fluss und den östlichsten Teil des Neubauquartiers. 2013 hatte sich das Büro gmp mit seinem luftigen Entwurf im Wettbewerb durchgesetzt. Die Jury lobte die außen liegende, aufwendige Stahlkonstruktion mit innerer Verglasung als moderne Reminiszenz an das benachbarte Viadukt. Die Halbtonnenstruktur der Überdachung besteht aus gebogenen Stahlrahmenträgern mit 26 Fußpunkten, die durch kreuzförmige Anordnung ein stabiles, rostartiges Gesamtsystem bilden. Dem Rautenmuster folgend entstehen an den Scheiteln der beiden Stirnseiten jeweils mehr als 20 m auskragende Spitzen. Unter den geschwungenen Trägern hängen in Längsrichtung 21 filigrane Pfetten zur Aufnahme der Glashaut. Diese ist 136 m lang, 32 m breit und 16,25 m hoch; ihre Fläche misst fast 6.000 m², bestehend aus 1 200 Einzelscheiben, von denen jede etwa 250 kg wiegt. Schwarze Streifen im Glas sollen Vogelschlag und harte Schlagschatten im Innern verhindern. Dank Panoramasicht stellt sich an jeder Stelle ein Gefühl von geradezu unendlicher Weite ein (s. auch S. 12).
Die imposante Haltestelle fügt sich exzellent in die Umgebung ein und bereichert mit ihrer dynamischen Form den Stadtraum. Ihre Ausführung entspricht einer Qualität, wie sie vom lokalen Platzhirschen zu erwarten ist – hinsichtlich der Tragwerksplanung unterstützt von den Ingenieuren von schlaich bergermann partner und bereits mit dem Stahl-Innovationspreis ausgezeichnet.
Die Deutsche Bahn bemüht sich derweil, den parallel verlaufenden S-Bahn-Halt fertigzustellen, ein »Skywalk« dorthin existiert bereits. Auch der zukünftigen Expansion der Linie über den Strom hinweg in Richtung Kleiner Grasbrook steht nichts im Wege: Widerlager für eine Querung des Gewässers wurden vorsorglich angelegt.

Standort: HafenCity, U-Bahnstation »Elbbrücken«, 20457 Hamburg
Architekten:
gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Hamburg
Bauzeit:
Juli 2016 bis Dezember 2018

Bauherr: Hamburger Hochbahn
Entwurf: Volkwin Marg und Jürgen Hillmer mit Stephanie Joebsch
Projektleitung Wettbewerb: Stephanie Joebsch
(Mitarbeiter: Bernd Kottsieper, Achim Wangler, Katja Mezger)
Projektleitung Ausführung: Stephanie Joebsch, Bernd Kottsieper
(Mitarbeiter: Hendrik Winter, Renata Dipper, Bendix Fulda, Nicola Jeppel)
Baumanagement: Raimund Kinski, Christian Kleiner, Andreas Schulz, Torsten Hinz, Katja Poschmann
Tragwerksplanung: schlaich bergermann partner (sbp)
Lichtplanung: Conceptlicht
BGF: 3.750 m²
Länge/Breite/Höhe Dach (ca.) 136 m / 32 m / 16,25 m
Dachfläche: ca. 5.985 m²