Probenhaus Ballett am Rhein

… Düsseldorf-Bilk

~Simone Hübener

So umstritten ÖPP-Projekte nach wie vor sind, für Städte und Gemeinden bieten sie ein gutes Mittel, um Bauten schnell und meist kostensicher zu errichten. Das gilt auch für das neue Probenhaus, das heute sicherlich noch nicht fertig wäre, wenn man es auf herkömmliche Weise realisieren hätte wollen. Das schlichte Gebäude, in dem seit August die Tänzer des Balletts am Rhein pünktlich zum Start der Probenzeit trainieren, entstand in nur zehn Monaten.
Das Probenhaus liegt versteckt hinter mehrgeschossigen Wohnbauten, sein südlicher Nachbar ist ein denkmalgeschütztes Straßenbahndepot mit roter Backsteinfassade. Der von Hochtief Solutions realisierte Neubau versucht, hier mit gestaffelter Gebäudehöhe zu vermitteln. Das gelingt nur bedingt, da der niedrigere Teil zu schmal geraten ist. Seine Breite resultiert aus der Grundrissstruktur. Auf dieser (Süd-)Seite haben die Architekten Büros und dienende Räume untergebracht. Gegenüber befinden sich auf zwei Etagen die fünf zweigeschossigen und viel breiteren Probensäle. Dazwischen erstreckt sich über die gesamt Gebäudelänge ein durch Nischen gegliederter Flur.
Der Charakter einer Werkstatt, wie Architekten und Nutzer sich ausdrücken, prägt fast alle Innenräume. Die Oberflächen sind meist unbehandelt und gebärden sich oftmals relativ grob, wie etwa der hellgraue Sichtbeton. Dazu gesellen sich wenige edel wirkende Materialien und Oberflächen, beispielsweise die strahlend weißen, akkurat gearbeiteten Deckensegel der Probensäle. Diese Mischung macht das Gebäude aus. Es stehen allerdings noch Nacharbeiten aus, denn dem Nutzer ist die Sichtbetonoberfläche an manchen Stellen doch zu grob geraten, der Werkstattcharakter soll noch etwas zurückgenommen, das Elegante hervorgehoben werden.
Die Fassade aus Sichtbeton-Fertigteilen strahlt dagegen zusammen mit den dunkelgrauen Fenstereinfassungen eine gewisse Noblesse aus – von Werkstatt keine Spur. Dazu trägt auch die große Glasfassade bei, über die sich das zweigeschossige Foyer großzügig zum Vorplatz hin öffnet. Tische und Bänke laden zum Verweilen ein und werden von den Tänzern in den Pausen gerne genutzt. So vermittelt das neue Probenhaus letztlich beide Seiten, die Ballett ausmachen: Eleganz und Leichtigkeit auf der einen und harte körperliche Arbeit auf der anderen Seite.
Standort: Merowinger Straße 88, 40225 Düsseldorf Architekten: gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Berlin Bauzeit: Oktober 2014 bis August 2015