Projekt: Therme Bad Aibling
Architekt: Behnisch
Therme

… Bad Aibling

~Roland Pawlitschko

Aufsteigende Luftblasen, angespülte Steine, historische römische Bäder oder Bubbles aus den siebziger Jahren – die eiförmigen Kuppeln der neuen Therme in Bad Aibling provozieren unwillkürlich eine Vielzahl von lebhaften Assoziationen. Dennoch lässt sich die Entwurfsidee Stefan Behnischs auf eine einfache Formel reduzieren: Im Sinne eines kontemplativen »Kabinettbades« kommt es hier zur Gegenüberstellung einer orthogonalen und durchlässigen Badehalle sowie überwölbten intimen Badekabinetten. Das Ergebnis ist ein regelrechter Archetypus mit der formalen und konzeptionellen Klarheit eines Piktogramms. Innerhalb dieses Systems der Gegensätzlichkeiten war die Kuppelform aber keineswegs zwingend – ebensogut hätten an ihrer Stelle auch andere organische oder geometrische Körper eingesetzt werden können. Viel wichtiger erscheint die Tatsache, dass formal eigenständigen Badekabinetten eigenständige Funktionsbereiche zugewiesen wurden. So befinden sich im Inneren der bis zu 16 Meter hohen Kuppelräume atmosphärisch verdichtete Orte der Regeneration bzw. Stimulation – vier Badebereiche, ein Ruheraum, eine Beauty-Wellnessabteilung, ein Moorbad sowie ein Hammam – während die Badehalle vor allem als offener und lichtdurchfluteter Wandelbereich fungiert. Diese strikte Separierung führt überdies zur effektiven akustischen und klimatischen Trennung von feuchtwarmen Badekabinetten und trockener Wandelhalle und damit zur Vereinfachung der Klimatechnik und Vermeidung eines unangenehmen Schwimmbadklimas. Freilich kann man den Badekuppeln vor allem in formaler Hinsicht zwiespältig gegenüberstehen, ein Besuch in der Therme zeigt jedoch, dass deren eigenwillige Form in Wirklichkeit weit weniger anbiedernd und pubertär wirkt als zunächst angenommen.
Standort: Lindenstraße 32 Architekten: Behnisch Architekten, Stuttgart Eröffnung: September 2007