Kita Kyritz Mitte

Neu in Kyritz

~Jürgen Tietz

Der baukulturelle Stand der Dinge lässt sich letztlich weniger an den architektonischen Dickschiffen wie der Elphi ablesen als an den kleinen Interventionen in ländlich geprägten Regionen. Dort sind die Budgets für gewöhnlich schmal und der Wille zur Qualität muss groß sein, um zu besonderen Ergebnissen zu gelangen. Schön zu beobachten also, wenn es eine gewisse Ansteckungsgefahr in Sachen architektonischer Qualität gibt, sobald einmal eine Stelle infiziert ist. Die preisgekrönte Kita Kinderland in Wittstock/Dosse der Architekten Kleyer, Koblitz, Letzel, Freivogel hat nun eine Schwester im knapp 40 km entfernten Kyritz bekommen. Und wie das bei Geschwistern so ist, können sie zwar die Familienähnlichkeit nicht verleugnen, entwickeln aber doch ihre eigene Identität. Wie in Wittstock ging es in Kyritz beim Bauen für die Jüngsten auch um den städtischen Kontext. Ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus wurde dafür saniert und umgenutzt und um einen Neubau ergänzt, der sich mit sandbrauner Ziegelfassade und zwei Satteldächern in Abmessung wie Kubatur unprätentiös in den historischen Zusammenhang einfügt und die Raumkanten an der Straßenecke schließt.

Mit präziser knapper Kante sitzen die biberschwanzgedeckten Dächer auf dem doppelgeschossigen Baukörper, fügen sich die großformatigen Holzfenster in die Fassade, die von Gesimsbändern sanft rhythmisiert wird, als habe es nie einen Dissens zwischen Tradition und Moderne gegeben. Derart unaufgeregt setzt sich die souveräne Gestaltung der Kita im Innern fort, schafft mit hoher Türklinke am Eingang und anschließendem niedrigem, holzeingefasstem Entree eine sicher-souveräne Empfangsgeste für Jung und Alt. Allenthalben drängt sich der Begriff der Selbstverständlichkeit stets aufs Neue auf, von den hellen Einbauschränken, die ebenso wie die Treppe aus Holz sind, der lichten Farbigkeit der ineinandergreifenden Räumen der Krippe im EG samt eingestellter Sanitärbox, bis zu den Kitaräumen im OG, in denen die Satteldächer erlebbar bleiben, und der im Altbauteil eingebrachten Küche. Kindgerecht statt kindlich erweist sich die Kita in Kyritz als (bau-) kultureller Zugewinn und darf gerne weiter in der Region kalben. Mit einer Bausumme von 2,7 Mio. Euro (45 % Bund, 45 % Land, 10 % Kommune) sollte sich das auch finanziell als kluges Zukunftsinvestment erweisen.

Standort: Prinzenstraße 11, 16866 Kyritz
Architekten:
Kleyer, Koblitz, Letzel, Freivogel, Berlin
Bauzeit:
März 2014 bis August 2016, feierliche Eröffnung: November 2016