Die »technische db«

Am Puls der Zeit

2016 feiert die db nicht nur ein großes Jubiläum, sondern auch ein kleines: Vor zehn Jahren wurden im Zug eines umfangreichen Relaunchs auch die »technischen Seiten« neu aufgestellt, die Themen Energie und aktuelle Technik bekamen jeweils eine eigene Rubrik. In diesen werden die beiden wichtigen Themen der Gegenwart widergespiegelt, ganz in der Tradition der »technischen db«, die sich immer wieder gewandelt hat, um den Lesern die dynamischen, teils gar rasanten Veränderungen der letzten 150 Jahre nahezubringen.

Am Puls der Zeit

Text: Dagmar Ruhnau
Wassertoilette, saubere, warme Wohnräume, ebene Straßenaufbauten, lange Eisenbahnbrücken – was in unserem Alltag so selbstverständlich ist, dass wir es gar nicht mehr wahrnehmen, war im db-Gründungsjahr 1866 erst im Begriff, sich zu entwickeln – begleitet von Enthusiasmus und Vaterlandsstolz, aber auch intensiven Diskussionen um das Für und Wider. Hygienische Wohnverhältnisse entstanden als Folge des Schreckens von Cholera-Epidemien und anderen Seuchen in den Großstädten, die Elektrizität machte das tägliche Leben einfacher (und moderner), die Anforderungen und Möglichkeiten von Gleisanlagen und Autostraßen samt Beleuchtung beeinflussten die Gestaltung der Stadt.
Angetreten, das »gesamte Bauwesen abzubilden«, räumte die neue »Deutsche Bauzeitung« den technischen Aspekten mindestens den gleichen Raum wie der Architektur ein, wenn nicht oft sogar mehr. Alles kam bunt gemischt, alles war gleich wichtig – eine eigene Rubrik für Technik gab es zu Anfang nicht, der Leser war ohnehin synonym »Architekt« und »Techniker«. Fachbeiträge wechselten sich mit Nachberichten zu Vorträgen in den Architekten- und Ingenieurvereinen ab (etwa über das »Telephon«, »das neueste Geschenk der Wissenschaft an die Praxis«, 24. November 1877). In der technokratischen Ära seit Anfang des 20. Jahrhunderts hatten sich vier Rubriken herauskristallisiert, die als Beilagen erschienen, darunter die »Konstruktionsbeilage« (was beim Binden der Jahrgänge Interpretationen zur Abfolge leider weiten Raum gab, wie im Archiv regelmäßig festzustellen ist). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es wieder nüchterner, fast schon zaghaft: Die Bauzeitung kehrte zur bescheidenen Reihung aktueller Themen in einem monatlich erscheinenden Heft zurück, etwa über die »moderne Herdtruhe«, Konvektoren, »die Zentral-Heizkörper der Zukunft« oder den »Baustoff Aluminium«. Doch in den folgenden Jahren wurde die Zeitschrift wieder dicker, die Bauwirtschaft brummte, die db hatte so viele Anzeigen wie heute ein Hochglanz-Modemagazin. Eine Neuentwicklung nach der anderen kam auf die Architekten zu, später wurde diskutiert und reformiert, was das Zeug hielt. Der Technik-Teil wurde immer wieder neu rubriziert, mal als »db-baupraxis«, mal als »Bautechnik«, dann auch »Haustechnik«, später schlicht als »Technik«. 1975 gab es je einen »Ständigen Mitarbeiter« für Statik, Bau-Normen und Bauvertragsrecht. Ab 1997 teilte ein schwarzes Trennblatt aus dickerem Papier diese Rubrik vom Architektur-Teil, auf dem die zuständigen Redakteure – Klaus Siegele, Daniela Fenn, Christine Fritzenwallner, unterstützt von Karl Cerenko – zunehmend Mühe hatten, die folgenden, thematisch oft heterogenen Artikel sinnstiftend anzumoderieren. Und auch die Software, damals »EDV« genannt und lange Jahre von Jürgen Roth verfasst, forderte bald ihren Raum.
2006: Energie im Fokus
2006 bedeutete eine Befreiung von dieser monatlichen Pflichtübung, auch wenn manche Leser die eindeutige physische Trennung vermissten. Energetische Aspekte im Bauen wurden von der restlichen Bautechnik getrennt. Natürlich war der Zeitpunkt kein Zufall: Mit der EnEV 2002 hatten sich die Anforderungen an die Planung deutlich verändert, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Architektur. Zwei Jahre früher als in anderen Architekturzeitschriften startete die neue Rubrik »Energie«, die seitdem neue Gebäudetechnik und spezielle Konstruktionen in den Blick nimmt, unmittelbar Verwertbares wie Übersichten über Fördermittel, Energiestandards, Gebäudezertifizierungen bietet – und nicht zuletzt energieeffiziente und dabei architektonisch gelungene Bauten vorstellt. Wie in der gesamten db überzeugen sich die Autoren persönlich vor Ort von der Qualität und Sinnhaftigkeit eines vorgestellten Projekts. Ob die Anforderungen an die Nachhaltigkeit spezieller Bautypen wie Hotels oder Supermärkte (s. db 7/2012 bzw. db 5/2010) erfüllt wurden, ist ebenso schon Gegenstand der Untersuchung gewesen wie die Frage, welche Erwartungen das Freiburger Heliotrop erfüllt hat und wie es sich im Jahr 2009 darstellt. Energetische Sanierungen gehörten ebenfalls zur Rubrik, bis das Thema 2013 aufgrund seiner Relevanz eine eigene, alle drei Monate in der db-Metamorphose erscheinende Rubrik bekam.
Heute: Differenzierte Technikberichte
Gegenwärtig umfasst die »technische db« nicht weniger als zehn differenziert aufgeteilte Rubriken: Energie, Technik aktuell, Technik aktuell Hochschule, Technik spezial, Beton im Besonderen, Software und Ingenieurporträt (s. folgenden Beitrag); in db-Metamorphose Schwachstellen (s. S. 72), Energetisch sanieren und Historische Konstruktionen. Sie erscheinen in unterschiedlichen Rhythmen und erlauben damit, stets flexibel auf aktuelle Erscheinungen einzugehen und diese kritisch einzuordnen. Für die Fachbeiträge setzen die verantwortlichen Redakteure auf das Wissen ausgewiesener, unabhängiger Experten – das benötigt zwar i. d. R. mehr zeitlichen Vorlauf, dafür ist der Inhalt makellos.
Auch die Rubrik »Technik aktuell« entstand 2006. Besonderheit: Nur wirklich Neuartiges, Innovatives wird aufgenommen – das, was (noch) nicht online abrufbar ist bzw. in anderen Fachzeitschriften oder gar Nachschlagewerken schon erschienen ist. Auch ungewöhnliche Themen wie Bauen mit Kunststoffen, Baubotanik, der Rückbau kerntechnischer Anlagen oder die Frage, welche Veränderungen im Erdreich zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs geführt haben, gehören dazu. Wenn Universitäten bemerkenswerte Forschungsarbeiten oder Prototypen entwickelt haben, erscheinen diese in der Rubrik »Technik aktuell Hochschule«. »Technik spezial« wiederum konzentriert sich auf die Konstruktion eines innovativen Gebäudes, etwa des ›
› Centre Pompidou in Metz von Shigeru Ban mit seiner »Strohhut-Tüftelei« (db 8/2010). Die Projekte in »Beton im Besonderen« zeichnen sich v. a. durch die Anwendung neuer Technologien wie einschaliger Dämmbeton, elegante Pigmentierung und Textilbeton aus, aber auch durch ihre Langlebigkeit und Flexibilität, die eine Umnutzung vereinfachen – oder schlicht durch sehr ansprechende Ästhetik und saubere Ausführung.
Bereits in den Jahren um 1900 zeigte die Deutsche Bauzeitung beispielhafte Betonbauten im Heftteil »Mitteilungen über Zement, Beton- und Eisenbetonbau. Unter Mitwirkung des Vereins deutscher Portland-Cement-Fabrikanten und des Deutschen Beton-Vereins«. Eine Publikation im Interesse der jungen Betonindustrie, gewiss – doch bedeutet das für die im Archiv Stöbernde einen reichen Fundus an historischen Betonprojekten! Welch weiten Weg des Bauwesens die db begleitet hat, wird in der Rubrik »Historische Konstruktionen« in db-Metamorphose klar. Einiges von dem, was wir heute mit großem Aufwand erhalten, war damals brandneu. In den ersten Folgen der Rubrik griff Klaus Siegele Linoleum, Handwerkstechniken im Sichtmauerwerk, Schieferdächer, Dämmstoffe und filigrane Massivdecken auf, heute gehen wir mit Christian Kayser noch weiter zurück – zu vorindustriellem Schmiedeeisen etwa.
Alle Themen und Themenvorschläge werden im Vorfeld genau auf ihre Relevanz und Gültigkeit abgeklopft. Dennoch ist gerade im dynamischen technischen Bereich nicht auszuschließen, dass manche Aussagen nach einiger Zeit widerlegt werden oder Techniken sich als unbrauchbar herausstellen. Dass wir heute keine begeisterten Artikel über den vorbildlichen »Wasserbau auf dem Mars« (Deutsche Bauzeitung 83/1891) mehr veröffentlichen würden, liegt an unserem heutigen Wissen. Dagegen dauerte es Jahrzehnte, bis beispielsweise Häuser aus Stahl nicht mehr als Inbegriff der Modernität und Rationalisierungsfähigkeit propagiert wurden. Fest steht: Langweilig wird es nicht – die »technische db« bleibt aktuell!

db-Redakteurin Dagmar Ruhnau ackerte sich im Jubiläumsjahr durch Dutzende mehr oder weniger staubiger Jahresbände und war fasziniert von der Vielfalt der technischen Entwicklungen – von abstrus bis lebensverändernd –, die seit 1866 durch die Sphäre des Bauens gezogen sind.