Suffizienz in der Baukultur
Aus einer Raum-Ecke wurde ein Bad mit Dusche, Waschbecken und WC. Die verwendeten Materialien stammen von Baustellen und vormaligen Wohnungseinbauten. »Gebautes Grafikdesign«, wie der Architekt Andree Weißert (Berlin) den Rückzugsraum über seinem Büro nennt

Suffizienz

Etwa 10 000 Dinge besitzt ein Mensch in Deutschland im Schnitt und die Pro-Kopf-Wohnfläche ist laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung inzwischen auf durchschnittlich 45 m² angewachsen. Diogenes von Sinope, der Philosoph der Bedürfnislosigkeit, begnügte sich hingegen mit einer Tonne als Behausung und hatte lediglich einen Wunsch, als Alexander der Große vor ihm stand: Geh mir nur ein wenig aus der Sonne! Nun propagieren wir hier sicher nicht das Leben in einer Tonne, doch existieren ästhetisch überzeugende und gestalterisch anspruchsvolle Alternativen. Wohnmodelle, Arbeitswelten, Gewerbeeinheiten und Kleinstwohnungen, die intelligent, maßvoll und zurückhaltend mit Material und Fläche umgehen. Projekte, bei denen sich Bauherren und Architekten bereits vor Beginn des Planungsprozesses fragten: Wie viel Raum brauchen wir wirklich und wie können wir diesen optimal gestalten? Welche Bereiche und Funktionen können gemeinschaftlich genutzt werden, welche individuell? Was lässt sich vom Vorgefundenen erhalten, was wird sinnvoller Weise neu errichtet? Die aufgespürten und im Heft vorgestellten Projekte zeigen, wie suffizientes Bauen funktionieren kann und das, obwohl die meisten nicht unter dem Vorsatz des suffizienten Bauens entstanden sind. ~ uk