Wohngebäude »Meckelhof II« in Freiburg mit hochgedämmtem Ziegelmauerwerk und abgestimmtem Putz

Schlankeres Mauerwerk dank Leichtputz

Bei einem Neubau-Bauvorhaben in Freiburg standen Hetzel + Ortholf Architekten vor einer besonderen Herausforderung: Es galt, die engen Formulierungen des bestehenden Bebauungsplans mit den Anforderungen der Energieeinsparverordnung in Einklang zu bringen. Mit hochwärmegedämmtem Ziegelmauerwerk und einem speziellen Leichtputz von Saint-Gobain Weber konnte das Gebäude bei moderaten Ziegeldicken schließlich erfolgreich nach EnEV-Standard realisiert werden.

~Georg Kolbe

Auf einem bisher unbebauten Grundstück im Freiburger Stadtteil Betzenhausen/Bischofslinde in unmittelbarer Nähe des Flückiger Sees entstand zwischen Juli 2015 und Dezember 2016 im Auftrag der Familienheim Freiburg Baugenossenschaft ein viergeschossiger Neubau mit insgesamt 13 Wohneinheiten. Das Projekt trägt den Namen »Meckelhof II«. Sechs Wohnungen werden durch die Erzdiözese Freiburg im Rahmen des Förderprogramms »Bezahlbares Wohnen in Baden« gefördert. Eine besondere Herausforderung für das beauftragte Architekturbüro Hetzel + Ortholf: Die Grundfläche des Gebäudes mit seinen Vor- und Rücksprüngen war im Bebauungsplan über Baulinien bzw. -grenzen genau vorgegeben und sollte mit attraktiven Wohnungsgrundrissen mit hoher Aufenthaltsqualität belebt werden. Dabei hatte die Umsetzung anspruchsvoller wirtschaftlicher und ökologischer Aspekte höchste Priorität.

Flexible Erschliessung

Im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung setzte sich Hetzel + Ortholf mit seinem Entwurf durch. Das Freiburger Architekturbüro entwarf ein dreigeschossiges Gebäude mit einem zurückspringenden Attikageschoss. Im EG sind zwei familienfreundliche 4-Zimmer-Wohnungen sowie eine 1-Zimmer-Wohnung mit Gartennutzung entstanden. Die beiden Regelgeschosse 1. und 2. OG sind den 2- und 3-Zimmer-Wohnungen vorbehalten. Im Attikageschoss im Dach befinden sich zwei weitere 3-Zimmer-Wohnungen. Bei der Gestaltung der 13 Wohneinheiten wurden alle Aspekte der Barrierefreiheit und Behindertenfreundlichkeit berücksichtigt – u. a. durch einen barrierefreien Hauszugang und einen Aufzug, über den alle Stockwerke einschließlich der Tiefgarage erreichbar sind.

»Die grundlegende Idee war eine flexible und wirtschaftliche Erschließung, bestehend aus einer zentralen einläufigen Treppe mit Aufzug, die flächeneffizient bis zu vier Wohnungszugänge pro Etage bietet«, erläutert Architektin Ellen Ortholf. Das innenliegende Treppenhaus ermöglicht einen maximalen Fassadenanteil für die Wohnungen, die in Ost-/Westausrichtung orientiert sind. Sehr gut nutzbare und großzügige Balkone setzen die hohe Wohnqualität draußen fort.

Der überdachte und geräumige Hauseingang mit Briefkastenanlage ist mit Stellplätzen für Kinderwagen, Rollatoren etc. ausgestattet. Hier schließt sich auch der direkte und allgemein nutzbare Gartenzugang an. Somit streckt sich über die gesamte Gebäudetiefe ein Gemeinschaftsbereich, der die Kommunikation im Haus fördert. Auch die übrigen allgemeinen Bewohnerbereiche wurden mit großer Sorgfalt gestaltet. So wird z. B. das Treppenhaus über eine Firstverglasung hell und freundlich mit Tageslicht versorgt – die großen Verglasungen mit den niedrigen Brüstungshöhen verleihen dem Gebäude zusätzlich Großzügigkeit. Um möglichst viel Gartenfläche zu erhalten, wurden alle nötigen Stellplätze in einer Tiefgarage untergebracht.

Durchdachtes Energiekonzept

Das Haus ist in wirtschaftlich optimaler Massivbauweise ausgeführt. Dabei wurde statt eines Wärmedämm-Verbundsystems ein hochwärmegedämmter Ziegelstein eingesetzt. Eine thermische Solaranlage sowie eine Gasbrennwert-Zentralheizung runden das Heizkonzept ab. »Die äußere Gebäudeform war durch den eng formulierten Bebauungsplan aus den 80er Jahren vorgegeben«, erläutert Ellen Ortholf. »Darin konnten natürlich die Entwicklungen der Energieeinsparverordnung und die damit verbundenen Wandaufbauten noch nicht berücksichtigt werden.« Auf der Suche nach einer nachhaltigen und ökologischen Lösung stieß das Architekturbüro schließlich auf die mit Mineralwolle gefüllten Ziegelsteine – allerdings hätte zur Einhaltung der EnEV ein 42 cm dickes Mauerwerk eingesetzt werden müssen, was den Verlust wertvoller Wohnfläche zur Folge gehabt hätte. Die Lösung war ein speziell für hochwärmedämmendes Mauerwerk entwickelter Leichtunterputz der Firma Saint-Gobain Weber.

Putz mit anrechenbarer Wärmeleitfähigkeit

Bei »weber.dur 142 HLZ« handelt es sich um einen Unterputz mit ausgesprochen niedriger Wärmeleitfähigkeit von lediglich λ = 0,05 W/mK. Zum Vergleich: Bisher erreichten Putze nur einen Wert von rund 0,07 W/mK. Der Hochleistungs-Ziegelleichtputz kombiniert einen geringen E-Modul mit einer Druckfestigkeit von 0,4 N/mm2 (CSI). Durch die fugenlose Ausführung werden Wärmebrücken effektiv verhindert. Die egalisierende Putzlage gleicht Versätze und Unebenheiten aus, erhöht die Risssicherheit und kompensiert Spannungsspitzen aus dem Mauerwerk. Der Putz ist außerdem diffusionsoffen, sodass Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk verdunsten kann.

Mit seiner anrechenbaren Wärmeleitfähigkeit trägt weber.dur 142 HLZ erheblich zur Energieeffizienz der Außenwand bei und kann den entscheidenden Beitrag zum Erreichen ehrgeiziger energetischer Ziele leisten. Mit dieser einfachen und technisch sicheren Bauweise lassen sich die Wärmeverluste von hochwärmedämmendem Ziegelmauerwerk weiter senken, ohne dass die Dicke erhöht werden muss. So war es auch in Freiburg: Beim Meckel-hof II erreichte die Wand mit 36,5 cm dicken Ziegeln und nur 25 mm des Leichtunterputzes weber.dur 142 HLZ letztlich einen U-Wert von 0,24 W/m2K und das Gebäude somit den EnEV-Standard KfW-Effizienzhaus 100.Als abschließende Oberflächenbehandlung sorgt der mineralische Scheibenputz »weber.star 220 AquaBalance« in 2 mm Körnung für eine lebendige Fassadenstruktur. Ortholf ist mit dem Gesamtergebnis zufrieden: »Das Gebäude bietet den Bewohnern ein behagliches und komfortables ›Familienheim‹ mit anspruchsvoller Ausstattung.«

Der Autor ist Leiter Produktmarketing Putz- und Fassadensysteme bei Saint-Gobain Weber.