Baugruppenhaus »Dennewitz Eins« im Berliner Zukunftsquartier am Gleisdreieck

Mut zu Visionen

Am Anfang stand eine mutige Idee: Mit dem Baugruppenhaus Dennewitz Eins in Berlin haben drei Architektenbüros auf einem ungeliebten Areal ein Experiment gewagt. In der Kooperation der Büros DMSW, roedig.schop und sieglundalbert entstand ein – nicht zuletzt durch die unverwechselbare Fassadengestaltung – architektonisch einzigartiger Blickpunkt für das aufstrebende Quartier am Gleisdreieckpark.

~ag in Zusammenarbeit
mit Grohe

Das 2 275 m2 große Areal am Gleisdreieck galt in der Planungsphase 2009 als Problemgrundstück, zu unsicher war damals die Entwicklung des Stadtquartiers. Heute ist der Gleisdreieckpark ein beliebtes Ziel der Berliner; die städtebauliche Entwicklung des Areals hat Fahrt aufgenommen. Die Berliner Architekturbüros roedig.schop, sieglundalbert und DMSW sahen von Anfang an die Chance des Geländes an der Dennewitzstraße: Für eine private Baugruppe mit 39 Wohneinheiten übernahmen die drei Büros die Planung in Kooperation, mit einer externen Bauleitung und einem neutralen Projektsteuerer. Die Vorteile einer Baugruppe machen diese Konstellation zunehmend attraktiv. Neben dem Gemeinschaftsgedanken steht bei dem Modell auch der Preisvorteil im Vordergrund, da die Gewinnmarge für den Bauträger entfällt. So entstand auch mit dem Projekt Dennewitz Eins vergleichsweise kostengünstiger Wohnraum.

Kraftvolle Erscheinung

Die ursprünglich durch das Planwerk Innere Stadt vorgeschlagene klassische Blockrandschließung wurde verworfen, stattdessen setzten die Planer für den Neubau auf ein kraftvolles Ensemble, das sich in das Areal neben der Hochbahntrasse einfügt. Das Gebäude nimmt mit einer ca. 80 m langen Front den Raum zwischen Hochbahn und Pohlstraße wie ein Keil ein. Da die Entwicklung des Stadtquartiers als Wohnlage unklar war, setzten die Architekten auf einen kostengünstigen veredelten Rohbau mit Projektkosten von 2 000 €/m2 Wohnfläche. Zudem wurde unter dem »Metallkleid« für die Fassade ein günstiges WDVS verwendet, das lediglich mit einem Anstrich versehen wurde. Die Gesamtfläche teilt sich in drei Einheiten mit eigenen Aufgängen und jeweils 13 bis 14 Wohnungen auf. Jedes Architekturbüro war für die Planung einer Hausgruppe verantwortlich: DMSW übernahm Haus A, sieglundalbert Haus B und roedig.schop Haus C. Kubatur, Fassaden und Dach entstanden in gemeinsamer Planung.

verbindendes Element

Eine einheitliche Fassadengestaltung verbindet die drei Gebäude zu einem einzigen Komplex. Das vorgebaute »Fassadenkleid« setzt sich aus rund 800 zwischen Gold und Beige changierenden Gitterrost-Elementen zusammen, die sich umlaufend vom ersten Stock bis zur Attika ziehen. Im EG prägt gefärbter Beton die Fassaden. Die Außenräume der Wohnungen gliedern den Baukörper zur Südseite hin durch tief eingeschnittene Loggien und schaffen ein zusätzliches verbindendes Element. Die relativ freie Aufteilung der 300 bodentiefen bzw. brüstungshohen Fenster hinsichtlich Größe und Lage bietet Raum für Individualität und verhindert gleichzeitig eine Monotonie in der Fassade. Bei der Gestaltung der Grundrisse und Fassaden hatte die Baugruppe ein Mitspracherecht, sodass das Gebäude individuell auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt ist. Betonflächen wie Decken, Stützen und Pfeiler blieben überwiegend sichtbar – teils roh belassen, teils gestrichen.

Platz für Gemeinschaft

Eine Unterkellerung war aufgrund der Schwingungen durch die vorbeilaufende U-Bahn unmöglich. Für die Gründung kamen Bohrpfähle und eine elastische Bodenplatte zum Einsatz, die die Schwingungen abfängt. Um dennoch Stauraum für die Bewohner zu schaffen, stehen Abstellräume in Form von Metallboxen auf der gemeinsamen Dachterrasse zur Verfügung. Auf der Südseite entstand ein urbaner Gemeinschaftsgarten, der eine Verbindung zwischen dem Gleisdreieckpark und den öffentlichen Freiflächen an der Pohlstraße schafft. Im Gemeinschaftsgarten wechseln sich Rasenflächen mit Staudenbeeten und einzelnen Bäumen mit befestigten Flächen rund um das Wohnhaus ab, die als Funktionsflächen genutzt werden. Als gestalterisches Element und gleichzeitig als Sichtschutz wurden Stauden- und Gehölzpflanzungen angelegt.

Klare Linien und Offene Gestaltung

Haus A, entworfen von DMSW Architekten, erhält seinen besonderen Charakter durch ein prominent platziertes Treppenhaus aus Fertigbetonteilen, das in einer eleganten Schwingung auf ein Oberlicht zuläuft. Klare Spielregeln, kombiniert mit der Offenheit für individuelle Wünsche – die Leitlinie des Berliner Architektenbüros zieht sich als roter Faden durch das Gesamtkonzept von Haus A. Die Offenheit zeigt sich auch bei der Aufteilung des Wohnraums: Auf jeder der fünf Etagen befinden sich zwei Wohnungen, mittig ist meist ein Versorgungskern angeordnet. Um diesen Kern herum sind die anderen Räume individuell gruppiert – mal kleinteiliger, mal offener. Durch das Verschieben einer Trennwand kann ein sogenanntes Wechselzimmer einer der beiden Wohnungen zugeordnet werden. Klare Linien überzeugten auch bei der Auswahl der Sanitäreinbauten: Hier setzten die Planer auf hohe Effizienz und langlebige Qualität – und wurden für die Armaturen bei den GROHE-Produktlinien »Eurosmart C«, »Essence« und »Lineare« fündig, bei den WC-Spülungen fiel die Wahl auf Linien »Skate Cosmo« und »Nova Cosmo«.

Mit dem Baugruppenhaus Dennewitz Eins ist den drei beteiligten Architekturbüros ein Experiment geglückt, das in ein heterogenes Umfeld mit einem klaren und unverwechselbaren Fixpunkt städtebauliche Akzente setzt.

Weitere Informationen:
www.grohe.com


  • Standort: Dennewitzstraße 1 / Pohlstraße 1-3, Berlin-Mitte
    Bauherr: DENNEWITZEINS; private Baugruppe
    Planung: 2010-2012
    Bauzeit: 2013-2014
    Planungspartner: Arge D1 Architekten, Berlin:
    Haus A: DMSW Partnerschaft von Architekten, Berlin
    Haus B: sieglundalbertarchitekten, Berlin
    Haus C: roedig.schop Architekten, Berlin
    Bauleitung: Architekturbüro Manfred Schasler, Berlin
    Tragwerksplanung: Dierks Babilon und Voigt, Berlin
    Außenanlagen: bbz landschaftsarchitekten, Berlin
    verwendete Sanitärprodukte: »Eurosmart C«,» Essence«, »Lineare«, »Skate Cosmo« und »Nova Cosmo« von GROHE