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Flachdächer – Geneigt gleich dicht?

2 % in der Fläche, 1 % in der Kehle: Trotz klarer Bauvorgaben sorgt das notwendige Gefälle von Flachdächern regelmäßig für Diskussionen. Wieviel Pfützenbildung ist unproblematisch? Außer der Anordnung von Gefälle können noch weitere bautechnische Maßnahmen getroffen werden. Besonders auf den richtigen Werkstoff zur Abdichtung kommt es an.

Ob als Dachterrasse, als Standort für eine Photovoltaikanlage oder als grüne Oase im urbanen Raum: Flachdächer gestatten vielfältige, zukunftsweisende Nutzungen, die mit Blick auf die Folgen des Klimawandels mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Unverzichtbar ist es jedoch, die Dachentwässerung sorgfältig zu planen. Niederschläge müssen schnell und gezielt abgeleitet werden.

Neugefasste Abdichtungsnorm
Am effektivsten sorgt ein Gefälle dafür, dass Wasser vom Dach abfließt. Die empfohlenen Neigungsgrade für flache Dächer sind seit langem klar: 2 % Mindestgefälle in der Fläche, 1 % in der Kehle. Wenn überhaupt kein Wasser mehr auf dem Dach stehen bleiben soll, sind mindestens 5 % Gefälle notwendig.

Als normative Grundlage für die Abdichtung genutzter und ungenutzter Dächer dient die DIN 18531:2017-07 »Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen«, Teile 1-5. Als nicht genutzt gelten Dächer, die nur zum Zwecke der Pflege, Wartung und allgemeinen Instandhaltung begangen werden. Genutzte Flachdächer sind für den Aufenthalt von Personen oder Fahrzeugverkehr geeignet, z. B. Dachterrassen oder Parkdecks.

Anders als bisher ist das Gefälle für nicht genutzte und genutzte Dächer gleich geregelt. Nach DIN 18531-1:2017-07 Abschnitt 6.3.1 gilt der Grundsatz: »Die Abdichtung sollte, außer bei intensiv begrünten Dächern mit Anstaubewässerung, so geplant und ausgeführt werden, dass Niederschlagswasser nicht langanhaltend auf der Abdichtungsschicht stehen kann. Dazu sollte ein Mindestgefälle von 2 % geplant werden.«

Streit ums Gefälle
Ungeachtet der klaren Regelungen sorgt das Gefälle flacher Dächer regelmäßig für heftige Debatten. Gerade bei Sanierungsvorhaben im Bestand lässt sich ein Gefälle oft nur unter erheblichem baulichen und finanziellen Aufwand herstellen. Für manche Dächer erscheint es sogar kontraproduktiv, z. B. für Dächer unter intensiven Dachbegrünungen, die einen Wasseranstau erfordern. Muss das Gefälle an jeder Stelle vorhanden sein? Und ist ein Gefälle überhaupt notwendig? Reicht es nicht, wenn die Abdichtung wasserdicht ist?

Klar ist: Ein Dach mit Gefälle ist im Vergleich zu einem ansonsten in gleicher Weise ausgeführten Dach ohne Gefälle qualitativ hochwertiger und langlebiger. Ein Gefälle ist aber nur ein Qualitätskriterium unter vielen.

Auf den Werkstoff kommt es an
Denn in der ganzheitlichen Betrachtung eines Flachdachs hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit gegen stehendes Wasser spielen viele weitere Faktoren eine Rolle. Wie groß ist die Gefällestrecke? Wie tief die Pfütze? Wie die Außentemperatur? Wie die Jahreszeit? Zur Beantwortung dieser Fragen ist Augenmaß und Sachverstand erforderlich.

Eine besondere Bedeutung kommt den eingesetzten Abdichtungsstoffen und ihrem Alterungsverhalten bei längerer Einwirkung großer Mengen stehenden Wassers unter gleichzeitiger UV-Belastung zu. Relativ weiche Werkstoffe erleiden im Laufe der Zeit mechanische Beschädigungen durch das sogenannte Mudcracking. Siedeln sich Rotalgen an, sind ärgerliche und hartnäckige Verkrustungen die Folge.

Weichmacherwanderungen führen in manchen Werkstoffen zur Versprödung der Abdichtung. Große Temperaturunterschiede an den Rändern der Pfützen setzen die Abdichtungsstoffe einer erheblichen Belastung durch thermische Spannungen aus. Nur eine ordnungsgemäß geplante und ausgeführte Abdichtung hält dem Wasser auch stand, wenn Pfützen auf dem Dach verbleiben.

74 Fußballfelder am Tag
Optimale Eigenschaften zur Flachdachabdichtung bringen Polymerbitumen- und Bitumenbahnen mit. Ihre hohe Materialqualität resultiert in Verbindung mit einer fachgerechten Verarbeitung in einer dauerhaft funktionsfähigen Abdichtung – auch bei Dächern ohne Gefälle.

Kein anderes Abdichtungsmaterial wird hierzulande häufiger für die Abdichtung von Flachdächern verwendet: Polymerbitumen- und Bitumenbahnen schützen mehr als zwei Drittel aller flachen und flachgeneigten Dächer in Deutschland. Jährlich verkaufen die deutschen Hersteller über 165 Millionen Quadratmeter Bitumenbahnen – das entspricht einer abgedichteten Fläche von 74 Fußballfeldern am Tag.

Aus guten Gründen: Die Bahnen sind
– einfach zu verarbeiten,
– extrem witterungsbeständig,
– sehr haltbar,
– wartungsarm und
– mit den meisten Untergründen kombinierbar.

Ihre Langlebigkeit zeichnet Polymerbitumen- und Bitumenbahnen besonders aus. Bis zu 30 Jahre halten zweilagige Abdichtungen, durch Überschweißen einer zusätzlichen Lage verlängert sich die Lebensdauer um weitere 20 Jahre.

Verglichen mit anderen organischen Stoffen altern sie unter Einfluss von Licht und Sauerstoff nur langsam. Die Beimischung von Polymeren erhöht ihre Haltbarkeit noch einmal wesentlich. Polymerbitumenbahnen bieten eine hohe Wärmestandfestigkeit und eine gute Kälteflexibilität. Ein Kies- oder Plattenbelag verringert die UV-Belastung und wirkt sich ebenfalls positiv auf die Lebensdauer aus.

Renommiertes Regelwerk gibt Hilfestellung
Planern und Architekten bietet das renommierte Regelwerk »Technische Regeln – abc der Bitumenbahnen« eine umfassende Hilfestellung. Unter Berücksichtigung der neugefassten Normenreihe DIN 18531 bis DIN 18535 erschien das Fachbuch im Herbst des vergangenen Jahres in der sechsten, vollständig überarbeiteten Auflage.

Übersichtlich und anhand zahlreicher Detailskizzen und Abbildungen fasst das Fachbuch die aktuellen technischen Grundlagen und Normen für die Flachdachabdichtung mit Polymerbitumen- und Bitumenbahnen zusammen. Seit 1951 sammelt der vdd Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen e.V. als Herausgeber das Know-how rund um die Abdichtung von Flachdächern und stellt es in den »Technischen Regeln« kostenlos zur Verfügung.

 


Die Technischen Regeln »abc der Bitumenbahnen«
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