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bis 17. Februar – Ausstellungsrezension

Stühle der Macht (Weil am Rhein)

Im Vitra Schaudepot verdeutlicht die Ausstellung »Stühle der Macht«, wie eng die Geschichte des Sitzens und des Stuhls seit den Thronsitzen der Antike mit Status und Macht verbunden ist. Hierfür hat die Kuratorin Heng Zhi 20 Objekte aus der Sammlung ausgewählt. Sie präsentiert diese in zwei Reihen zwischen den Hochregalen der Dauerausstellung des Depots auf schlichten, schwarzen pyramidenähnlichen Sockeln. Die Stuhlobjekte zeigen eine komprimierte Kulturgeschichte des Sitzens von autoritär-patriarchalischen Machtverhältnissen bis hin zu Werten wie Demokratisierung und Teilhabe. Die Exponate werden durch großformatige Wandprojektionen von Persönlichkeiten und ihren Sitzhaltungen sowie Fotos von Räumen, in denen Politiker verhandeln, ergänzt. Zu sehen sind u. a. ein Tragesessel aus der Kolonialzeit und der verstellbare »Adjustable Chair« (1870/71) von George Wilson; Letzterer steht für Wertewandel und dafür, dass man sich Freizeit leisten konnte. In der Gestaltung natürlich vollkommen anders: ein Papstthron aus dem Jahr 1994, dessen hohe, gerade Rückenlehne eine strenge, würdige Haltung impliziert. Diese Ausstellungsstücke sprechen für sich.

Aber wie zeigt man Demokratisierungstendenzen westlicher Gesellschaften anhand von Stühlen? John F. Kennedy und Richard Nixon saßen in ihrem legendären Fernsehduell 1960 auf dem Holzstuhl »JH501«, dessen zurückhaltende Formensprache für einen volksnahen Politikstil stand. Oder die niedrigen Rücken- und Armlehnen des »East River Chair« (2013/14) von Hella Jongerius, der auf dem W20-Frauengipfel in Berlin mit Angela Merkel, Christine Lagarde und Ivanka Trump zum Einsatz kamen.

Zudem erzählen sorgfältig ausgewählte Abbildungen aus populären Filmen und Serien, wie Designikonen zur Hervorhebung der Bedeutung ihrer Stars eingesetzt werden. So saß die bekannte Star-Trek-Figur Spock auf dem skulpturalen Sessel »Ribbon Chair« (1965) des französischen Designers Pierre Paulin und die Wohnung von »M« (James-Bond-Filme) ist mit Mies van der Rohes »Barcelona Chair« möbliert.

Schließlich verdeutlichen Raumbilder vom UN-Sicherheitsrat (s. Abb.) in New York bis hin zum UN-Saal des Völkerbundpalasts in Genf eindrucksvoll, welche entscheidende Rolle Gestaltung dabei spielt, Macht auszudrücken. Ein Besuch im Vitra Schaudepot garantiert eine ansprechend gestaltete und vergnügliche Reise in die Codes des Stuhl-Designs.

~Franziska Puhan-Schulz

Bis 17. Februar. Stühle der Macht. Vitra Design Museum, Charles-Eames-Str. 2, 79576 Weil am Rhein, Mo-So 10-18 Uhr,
www. design-museum.de