Partners in Design (Bielefeld)

~Jürgen Tietz

Die langen Schatten des hundertjährigen Bauhausjubiläums 2019 reichen bereits quer durch Deutschland bis nach Bielefeld, wo mit Alfred H. Barr Jr. und Philip Johnson zwei Pioniere der Bauhausidee in Amerika gewürdigt werden. Begleitet wird diese sehenswerte Ausstellung von einem exzellenten Katalog. Bielefelds Verbindung zu Johnson ist besonders eng, hat der frühe Mies van der Rohe Verehrer doch vor fast 50 Jahren die Kunsthalle der Stadt entworfen, noch bevor dieser ewige Steigbügelhalter der Avantgarde selbst zur Postmoderne »konvertierte«.
Die von David A. Hanks (Kurator des Liliane and David M. Stewart Program for Modern Design, Montreal) kuratierte Schau blickt auf die Anfänge der Moderne in den USA zurück. Anhand zahlreicher originaler Objekte erinnert sie an einige legendäre (Wander-) Ausstellungen der 30er und 40er Jahre und zeigt, wie den Amerikanern das neue europäische Design einer schönen Zweckmäßigkeit vermittelt wurde. Mit einem messianisch anmutenden Furor verfochten Alfred Barr, erster Direktor des Museum of Modern Art, und Philip Johnson, erster Architekturkurator des MoMa, diese neuen Formen. Zugleich bereiteten sie so den Boden für die einstigen Bauhausdirektoren Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, die nach ihrer Emigration aus dem nationalsozialistischen Deutschland in den USA Arbeit und Lehre fortsetzen.
Eine sanft ironisch überhöhte Präsentation von Alltagsgegenständen empfängt die Ausstellungsbesucher. Mit Rückgriff auf die MoMa Ausstellung »Machine Age« von 1934 werden technische Geräte oder Haushaltsgegenstände wie Winkelmesser, Spitzsieb oder Kuchenblech auf Sockeln und unter Glassturz präsentiert, als handele es sich bei den Massenprodukten um kostbare Geschmeide. Derart eingestimmt, erhalten die Besucher in den umlaufenden äußeren Kabinetten des nicht einfach zu bespielenden Johnson-Baus tiefere Einblicke in die Vermittlungsstrategien für diese radikal neue Ästhetik. Wie man mit der Moderne leben kann, zeigen die programmatischen New Yorker Wohnungseinrichtungen von Alfred und Marga Barr, die Mies van der Rohe für sie gestaltete. Geleitet von dem Bestreben einer tiefgreifenden Modernisierung der Gesellschaft, hoben die Ausstellungsreihen »Useful objects« (1938/49) im MoMa, »Everyday Art Gallery« (1946/54) im Walker Art Center sowie »An Exhibition for Modern Living« (1949) im Detroit Institute of Art die Grenzen zwischen den Gattungen auf. Architektur, Design und Malerei wurden als Elemente einer zunehmend funktionalistischen Alltagswelt begriffen.
Eines der Seitenkabinette widmet sich der Ausstellung »International Style« des MoMa, mit der die Architektur als Ausstellungsobjekt den Weg ins Museum fand. Nicht zuletzt dank ihres grundlegenden Ausstellungskatalogs knüpften Barr und Johnson (zusammen mit dem Architekturhistoriker Henry-Russell Hitchcock) 1932 an jene Kanonbildung an, die Walter Gropius bereits im ersten Bauhausbuch von 1925 begonnen hatte und katapultierten sie auf eine internationale Bühne. Wer nicht wie Gropius, den Tom Wolfe in seiner spritzigen Abrechnung mit dem Bauhaus später als »Silberprinz« ironisierte, zu diesem Kanon gehörte, der spielt in der internationalen Wahrnehmung heute höchstens eine Nebenrolle – wie z. B. Otto Bartning, den die Akademie der Künste in Berlin gerade in einer Ausstellung wiederentdeckt.
Bis 23. Juli. Partners in Design. Alfred H. Barr Jr. und Philip Johnson: Bauhaus Pioniere in Amerika. Kunsthalle Bielefeld, Artur-Ladebeck-Straße 5, 33602 Bielefeld, Di-So 11-18, Mi bis 21, Sa 10-18 Uhr, Katalog: 34,90 Euro im Museum, www.kunsthalle-bielefeld.de