Frei Otto (München)

Selbst die Rotunde der Pinakothek wurde für die derzeitige Ausstellung im Münchener Architekturmuseum mit einbezogen: Mehrere Segel durchspannen den sonst sakral anmutenden, monumentalen Luftraum und bringen etwas von der Leichtigkeit des Schaffens Frei Ottos hinein. Dessen Gesamtwerk – entstanden in über 50 Jahren – ist erstmals als große Retrospektive in den angrenzenden Ausstellungsräumen dokumentiert. »Es ist nicht das Werk eines Einzelnen«, betont er während seiner Danksagung bei der Eröffnung, vielmehr verstehe er sich nach wie vor als »Motivierender«. Deutlich wird dies auch in dem ausstellungs- begleitenden Film »Von Seifenblasen und Zelten«, der Frei Otto und sein Denken gelungen porträtiert – eine sinnvolle Ergänzung zur Ausstellung und zum Verständnis seines Schaffens. Die Werke in den drei hintereinander geschalteten Räumen des Museums sind nach Ottos zentralen Forschungsthemen gegliedert: Hängekonstruktionen wie etwa Seilnetze, stehende, durch die Umkehrung der Modelle als zugbelastete Hängekonstruktionen experimentell entwickelte Schalen sowie »schwebende« Konstruktionen und Pneus als anpassungsfähige, ökologisch-biologische Bauweisen. Originalskizzen und unzählige Modelle, aufwändig gebaut, genietet, geschraubt, mit Gewinden zum Nachspannen versehen, aus Gips geformt und teilweise sogar vorab mit Draht und Seifenlauge entwickelt, beweisen seine Experimentierfreude und seinen Ehrgeiz in Formfindung, Gestaltung und ressourcenschonendem Bauen. Eine Seifenblasenwaage oder ein Holzmodell zur Ermittlung von Sonnenstand und Schatten belegen unter anderem, wie er seine Entwürfe genauestens untersucht und erprobt hat. cf

Bis 28. August, Architekturmuseum TU München, Pinakothek der Moderne, Barer Straße 40, Di, Mi – So 10 – 17 Uhr, Do – Fr 10 – 20 Uhr, Katalog 40 Euro