Katharinenschule

Neu in Hamburg

~Claas Gefroi

Kinder in Käfighaltung? Die Wogen schlugen hoch, als ein pikantes Detail der Planungen für die neue Schule in der Hamburger HafenCity bekannt wurde: Weil die Stadt soviel Baugrund wie möglich an private Investoren verkaufen will, blieb für die dreizügige Grundschule nur ein kleines Fleckchen Land. Die Architekten verlegten den Schulhof notgedrungen aufs vergitterte Dach – einen unwürdigen »Hasenkäfig« nannte es die oppositionelle SPD. Und in der Tat: So, wie die Schule inzwischen hinter hohen Bürohäusern verschwindet, erzählt das viel über den Stellenwert, den man Kindern und Bildung heute beimisst. Dazu passt, dass nicht mehr die Stadt selbst, sondern ein Investor die HafenCity-Schule finanzierte, baute und betreut – die erste PPP-Lehranstalt in Hamburg. Trotz solcher Ärgernisse: Das 17,4 Mio. Euro teure Symbol- und Pilotprojekt aus zwei Baukörpern für Schule und 30 Wohnungen auf einem Sockel für Kita, Mensa und Aula ist von hoher Qualität. Über die schiefen Fensterrahmen in der grauen Klinkerfassade als Unterscheidungsmerkmal zu den Bürohäusern kann man streiten, über das durchdachte Innere der städtisch-kompakten Schule nicht. Ein Atrium und Oberlichter machen das tiefe Gebäude hell und licht, wovon Flure, Klassenräume und die integrierte Turnhalle profitieren, die sich ringförmig um den Lichthof legen. Die Ausstattung ist einfach, aber nicht ärmlich. Betonwände, Holzböden und ein stringentes Farbkonzept schaffen einen dezenten Hintergrund für das bunte Treiben. Der umstrittene Dachhof entpuppt sich als liebevoll gestalteter Freiraum mit Sonnenschutzsegeln, buntem Gummiboden und weinberanktem Metallgeländer, leider mit zu wenig Fläche und zu viel Wind. Politik und Stadtplaner sollten einsehen: Kinder brauchen Platz – in der HafenCity und anderswo.
Standort: Am Dalmannkai 12-18 Architekten: Spengler Wiescholek Architekten und Stadtplaner, Hamburg, mit Hunck + Lorenz Landschaftsarchitekten Fertigstellung: August 2009