Aus 150 Jahren db

In Zeiten, in denen sich der Statusgewinn mit der Berufsbezeichnung »Architekt« nicht mehr von alleine einstellt, richten wir den Blick auf das lange Ringen um ein angemessenes Bild des Berufsstands. Im Gründungsjahr der »Deutschen Bauzeitung« waren rasante technische Umwälzungen im Gange, für die viele neue Bauten in kurzer Zeit errichtet werden mussten; die Ausbildung der Planer und Bauleiter war deshalb oft nur auf die konkrete Bautätigkeit zugeschnitten. Dem gegenüber standen die an den wenigen Akademien ausgebildeten Architekten, die sich u. a. mit antiken Säulenordnungen und eher selten mit der Bauausführung beschäftigten. 1877 berichtete die Deutsche Bauzeitung daher über »den untergeordneten Stand des Technikers«, der als »Emporkömmling« betrachtet wurde. Und 1909 plädierte die Redaktion für die Gründung einer Architektenkammer: Man wäre damit endlich Ärzten, Anwälten und Apothekern gesellschaftlich gleichgestellt. 1925 ging es dann weniger um großbürgerliche Ambitionen, sondern darum, den Berufsstand aus wirtschaftlichen Gründen vor »Friseuren mit Zollstock« zu schützen. 1934 wurden Architekten zwangsweise Mitglieder der »Reichskammer der bildenden Künste« – was der Auslese passender Architekten diente und Vertreter des Neuen Bauens zumeist ausschloss.

Die erste »richtige« Architektenkammer gab es dann 1947 im französisch besetzten Saarland. Bestrebungen für ein bundeseinheitliches Architektengesetz scheiterten 1970 nach stolzen 18 Jahren, weil Bundespräsident Gustav Heinemann meinte, das sei Sache der Länder (1969 hatte er mit derselben Begründung das Ingenieurgesetz nicht unterschrieben). Da ging es nicht mehr darum, den Stand des Architekten zu schützen, sondern den Bauherrn staatlicherseits vor minderwertigen Bauleistungen. 1969 hatte sich parallel bereits die Bundesarchitektenkammer als Arbeitsgemeinschaft gegründet und im Jahr darauf – gemeinsam mit BDA, BDB, BDGA, BDIA und VfA – den 1. Deutschen Architektentag ausgerichtet. Allerdings hatten sich Arbeitsbedingungen und Selbstverständnis der Architekten ebenfalls weiterentwickelt, sodass sich Anna Teut in ihrem Nachbericht in db 8/1970 nur noch über den »wilhelminischen« Stil und das »tradierte Rollenverständnis« der »Kammerherren« mokierte. ~dr