»Forum :terra Nova«

Erfolgreicher db-Ortstermin im Tagebaugebiet

Rund 30 db-Leser waren am 25. Juni unserer Einladung zum Ortstermin ins Tagebaugebiet in Elsdorf bei Köln gefolgt. Bei hochsommerlichen Temperaturen konnte gemeinsam mit dem Architekten Dirk Lüderwaldt und Vertretern von LANXESS, dem Hersteller der eingesetzten Bayferrox-Farbpigmente, das Informations- und Besucherzentrum »Forum : terra Nova« besichtigt und erkundet werden.
Das Gebäude wirkt wie ein aus dem Erdreich herausgedrücktes Stück Boden, das seine geologischen Schichten noch erkennen lässt. Und genau so wurde die Vorsatzschale der Fassade auch gefertigt: Lage für Lage wurde nach einem präzisen Zeitplan betoniert, jeweils durchgefärbt mit Eisenoxid-Pigmenten in einer anderen Farb-Nuance, changierend zwischen Ockergelb, Rostrot und Grau. Nach dem Betonieren wurden die Wände grob abgefräst, sodass der Baukörper der bizarren umgebenden Tagebaulandschaft noch ähnlicher wurde. Bereits in der einführenden Präsentation des Architekten erfuhren die Besucher viel über die spannende Entstehungsgeschichte und den kniffligen Umsetzungsprozess des Projekts – von der Gründung bis zur Realisierung der Fassade.
Die anschließende Lanxess-Präsentation lenkte den Blick auf weitere internationale Projekt-Beispiele, bei denen durchgefärbter Beton zum Einsatz kam, bevor beim ausführlichen Rundgang auf Details, Finessen, technische Besonderheiten, aber auch auf eventuelle Tücken des Materials eingegangen werden konnte, und die wissbegierigen Fragen der Teilnehmer beantwortet wurden.
Die lebhaften Ausführungen des Architekten und der experimentelle Prototypencharakter des Gebäudes sorgten für regelrechte Begeisterung, sodass sich die Gespräche und Diskussionen beim abschließenden Get-together noch bis in den Abend hinein fortsetzten.

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Das Gebäude

In einem internationalen Architektenwettbewerb wurde der Entwurf des Architekten Dirk Lüderwaldt und des Landschaftsarchitekten Dirk Melzer aus Köln mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Das Multifunktionsgebäude am Nordrand des Tagebau Hambach westlich von Köln dient vorwiegend als Besucherinformationszentrum und als Aussichtsplattform. Das zweigeschossige Atrium bildet das multifunktionale Zentrum. Treppe und Aufzug führen auf der Rückseite hinauf zum Rundgang durch die Ausstellungsebene: zwei geschlossene, nur durch Oberlicht beleuchtete Ausstellungssäle sind durch einen schmalen Gang verbunden, dessen trichterförmige Öffnungen einen fokussierten Blick hinüber zum Tagebau und später zum See erlauben.

Das Haus ist oberirdisch als »Kiste« ausgebildet und steht auf 14 hydraulisch nachjustierbaren Einzelfundamenten, damit ggf. Bewegungen aus dem Tagebau ausgeglichen werden können. Das Gebäude ist nur 100 m von der Tagebaukante entfernt errichtet worden – üblicherweise wird ein Mindestabstand von 300 m gefordert.

Die durch Dehnfugen unterteilte Stahlbetonfassade ist beweglich aufgehängt. In zahlreichen Versuchen wurden die in der Tagebaugrube vorgefundenen Farben unter Beigabe von Bayferrox®-Farbpigmenten zu Nuancen zwischen Ocker, Rot und Grau gemischt. Der so farblich abgestimmte Beton wurde in neun horizontalen Schichten unterschiedlicher Höhe Lage für Lage einzeln eingebracht und abschließend rau gefräst, damit die vertikalen Flächen im Lauf der Zeit von Pflanzen überwachsen werden können.

Das Innere des Gebäudes ist von sorgfältig glatt geschalten Sichtbetonflächen geprägt und von passgenau eingefügten Ausbauelementen aus furnierten Holztafeln. In der Stahl- und Glaskonstruktion über dem zweigeschossigen Atrium wechseln sich schachbrettartig transparente Glasflächen mit geschlossenen, oben mit Photovoltaikelementen, unten mit transluzenten, leuchtenden Lichtdecken bekleideten Feldern.
Die Wärmeversorgung erfolgt über durch das Gebäude geleitetes Sümpfungswasser, dem mittels Wärmetauscher die notwendige Energie entzogen wird.

Das Multifunktionsgebäude »Forum :terra Nova« wurde im Rahmen der Regionale 2010 am Nordrand des Tagebau Hambach im Rheinland errichtet und am 25. Mai 2012 auf dem Gebiet der Stadt Elsdorf eröffnet. An der Schnittstelle zwischen Braunkohlenabbau und zukünftigem Landschaftspark gelegen, bildet es ein Fenster zum Tagebau und später zum See. Die vorgelagerte, bewegte Freifläche wird zu einer Aussichtsplattform und Bühne für vielfältige Aktivitäten

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