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Fassade und Klinkerpflaster in Harmonie

Pflasterklinker für ein Mehrgenerationenhaus in Schwerin
Fassade und Boden in Harmonie

Ein 50 Jahre altes Backsteingebäude in Schwerin haben rutsch+rutsch Architekten zu einem zeitgemäßen Wohn- und Gewerbeobjekt umgestaltet. Der Weg zur Eingangstür führt über ein abwechslungsreiches Klinkerpflaster, das sich an der Erdgeschossfassade fortsetzt. Sogar im Aufzug und als Sockelleiste sind die farbigen Pflasterklinker zu finden.

»Nur langweilige Objekte« konnte Torsten Rutsch anfangs ausfindig machen, als er sich im Jahr 2014 auf die Suche nach einer architektonischen Herausforderung in der Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern machte. In der kleinen Ortschaft Drieberg nordwestlich von Schwerin betreiben Rutsch und seine Ehefrau Christine das Planungsbüro rutsch+rutsch architektur+szenografie, nun wollten sie ihre Wirkungsstätte vom Land in die Stadt verlagern.

»Unsere Idee war, ein bestehendes Gebäude in ein nachhaltig gestaltetes Wohn- und Gewerbeobjekt zu verwandeln«, so Rutsch. In der Werdervorstadt, direkt am Schweriner See, wurde das Architektenpaar schließlich fündig. Das seit 20 Jahren leerstehende ehemalige Verwaltungsgebäude der Stadtwerke schien ideal geeignet, als barrierefreies Mehrgenerationenhaus und Architektenkontor eine neue Verwendung zu finden – handelte es sich doch um einen massiven Backsteinbau.

Mit ihrem Nutzungskonzept konnten sich Christine und Torsten Rutsch schließlich auch in der öffentlichen Ausschreibung zum Verkauf des ehemals städtischen Gebäudes durchsetzen. Nur die massiven Backsteinmauern des einstigen Bürohauses sollten am Ende stehenbleiben. Die vorhandenen drei Ebenen plus Spitzdach wurden um ein Voll- und ein Dachgeschoss auf eine Nutzfläche von insgesamt knapp 1.300 m² erweitert. Ein neues Treppenhaus samt Fahrstuhl erleichtert die Erreichbarkeit der 14 neu geschaffenen Wohneinheiten. Das Erdgeschoss bietet darüber hinaus Platz für das Büro von rutsch+rutsch und eine weitere Gewerbeeinheit.

Entscheidung für Ziegel

Aus gestalterischen Gründen kam es für die Architekten nicht infrage, die Außenwände des  Gebäudes komplett mit Verblendern auszustatten. Im oberen Bereich wurde das »Mehrgenerationenhaus BO71« deshalb mit Lärchenholz verkleidet. Im Erdgeschossbereich sollte die Fassade jedoch massiver Natur sein, um mögliche Graffitis einfacher entfernen zu können. »Das kommt in dieser Gegend leider immer mal wieder vor«, sagt Torsten Rutsch, zugleich Architekt und Bauherr des Projektes. Für das Erdgeschoss fiel die Wahl der Architekten deshalb auf Ziegel.

Architekt Torsten Rutsch hatte das Material bereits bei anderen Projekten kennen- und schätzengelernt. »Für den Neubau von exklusiven Einfamilienhäusern in der Nähe von Hamburg haben wir handgefertigte Steine aus der ältesten englischen Ziegelei verwendet«, erzählt der Architekt, »und auch für unser eigenes Objekt wollten wir auf die schöne Haptik und Optik von gebrannten Ziegeln nicht verzichten.«

Die Entscheidung zugunsten gebrannter Ziegel ist nicht zuletzt der Historie des Standortes geschuldet. Gleich neben der Schweriner Werdervorstadt liegt der Ziegelsee. Dessen Namensgebung erinnert der Überlieferung nach an den Hafenumschlag früherer Jahrhunderte, als Backsteine als Baumaterial in großen Mengen per Schiff angeliefert wurden. Und südlich vom Ziegelsee beherrscht der 118 Meter hohe Turm des Schweriner Doms die Skyline. Das älteste Bauwerk der Stadt wurde im Mittelalter etwa von 1270 bis 1420 errichtet und zählt zu den Hauptwerken der Backsteingotik in Norddeutschland.

Pflasterklinker in frischen Farben

Die Pflasterung der Außenanlagen und die Verkleidung der Erdgeschossfassade ihres Mehrgenerationenhauses sollten nach den Vorstellungen von Christine und Torsten Rutsch allerdings nicht der dunkelroten Ziegel-Farbgebung historischer Gebäude aus der Nachbarschaft folgen, sondern vielmehr einen frischen und abwechslungsreichen Eindruck vermitteln. Geeignete Produkte fanden sich im Portfolio des Vandersanden-Strangpresswerks in der Oberlausitz.

rutsch+rutsch favorisierten die Mischung mehrerer Farben und entschieden sich schließlich für Pflasterklinker im Format KF52 (200 x 100x 52 mm). Die Steine sollten eine geschabte Oberfläche besitzen, wodurch die Struktur und die Zusammensetzung des Tons gut sicht- und fühlbar werden. Die Schweriner Architekten kombinierten die rote Sorte »Cortona« mit dem kräftigen Orange von »Radeberg«, dem leuchtend gelben »Plauen« und dem rot-blau-bunt geflammten »Zittau«. Damit die Verarbeitung auf der Baustelle möglichst einfach vonstattengeht, wurden die Klinker bereits im Werk  im Verhältnis 1:1:1:1 vorgemischt.

Fließender Übergang vom Boden zur Fassade

Nach Auslieferung der Steine auf die Baustelle in Schwerin erlebte Vandersanden-Fachberater Torsten Klemke eine Überraschung. »Ich war wie immer davon ausgegangen, dass die Pflasterklinker der Befestigung einer Außenanlage dienen sollten«, so Klemke, »bis ich den Anruf eines Hochbauunternehmers aus Schwerin erhielt, der sich nach Verarbeitungshinweisen für das Anbringen von Pflasterklinkern an der Fassade erkundigte.«

Damit konnte selbst der langjährig erfahrene Klinkerspezialist Klemke nicht dienen. Immerhin löste Architekt Rutsch das Rätsel schnell auf: »Unsere Idee war, die Bodenpflasterung der Außenanlagen nicht an der Gebäudewand enden zu lassen, sondern mit den gleichen Steinen nahtlos auf der Fassade des Erdgeschosses fortzusetzen und damit einen fließenden Übergang zu schaffen.« Was jedoch fehlte, waren dazu passende Verarbeitungshinweise – die es für das Anbringen von Pflasterklinkern an einer Wand auch gar nicht gibt.

Pflasterklinker an der Fassade verklebt

Nichtsdestotrotz hatte Torsten Klemke schnell eine Lösung parat. »Da die Steine in diesem Fall keine statischen Lasten tragen müssen und vielmehr einem optisch-ästhetischen Zweck dienen, ist die nötige Stabilität mit dem Aufkleben auf die darunterliegende Dämmschicht vollkommen gegeben«, so der Vandersanden-Fachberater. »Darauf muss man erstmal kommen, aber gleichzeitig ist das auch der beste Beleg für die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten, die Pflasterklinker zu bieten haben.« Architekt Torsten Rutsch kann das nur bestätigen: »Mit dem Übergang des Klinkerpflasters vom Boden auf die Fassade ist eine schöne Atmosphäre entstanden, über die wir uns jeden Tag aufs Neue freuen«, sagt er.

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